„Ob sie langfristig überleben, ist nicht sicher“

„Ob sie langfristig überleben, ist nicht sicher“

Tierschützerin Sybille Wölfl erklärt, warum die Luchse im Grenzgebiet so wichtig sind

10. 9. 2014 - Text: Franziska Neudert

Sybille Wölfl leitet das bayerisch-tschechische Projekt „Trans-Lynx“. In den Jahren 2013 bis 2015 soll es den genauen Bestand der gefährdeten Raubkatzenart dokumentieren. Im PZ-Interview sprach die Forscherin über die Bedeutung der bayerisch-böhmischen Luchspopulation.

Wo genau im deutsch-tschechischen Grenzgebiet kommen Luchse vor? Und woher stammen diese Tiere?

Sybille Wölfl: Luchse kommen entlang der bayerisch-tschechischen Grenze vom Dreisesselgebiet (Gebiet um den Dreisesselberg im östlichen Niederbayern, Anm. d. Red.) bis zum südlichen Oberpfälzer Wald vor, teilweise auch entlang der tschechisch-österreichischen Grenze. Ein dauerhaftes Vorkommen kann sich jedoch nur im unmittelbaren Grenzraum halten, also etwa 15 bis 20 Kilometer beiderseits der Grenze und in wenige vorgelagerte Bereiche, wie zum Beispiel in den vorderen Bayerischen Wald zwischen St. Englmar und Lalling. Die Tiere stammen aus den slowakischen Karpaten, wie die meisten wiederangesiedelten Luchspopulationen. Insofern haben sie große Ähnlichkeit mit den Karpatenluchsen, einer Unterart des Eurasischen Luchses.

Welche Rolle spielt diese Population für die Verbreitung der Luchse in Europa?

Wölfl: Alle wiederangesiedelten Luchspopulationen in Mitteleuropa sind sehr klein und die langfristige Überlebensfähigkeit ist noch längst nicht gesichert. Ursprünglich sind wir davon ausgegangen, dass mit der weiteren Ausbreitung der bayerisch-böhmisch-österreichischen Luchspopulation die deutschen Mittelgebirge besiedelt würden und über die tschechisch-polnischen Mittelgebirge – Erzgebirge, Riesengebirge, Beskiden – beziehungsweise über das Mährische Stufenland in Tschechien eine Verbindung mit der relativ großen Luchspopulation in den slowakischen Karpaten geschaffen werden könnte. Nur durch einen solchen Ringschluss kann man die langfristige Überlebensfähigkeit der Luchse in den mitteleuropäischen Ländern sichern. Die Bedeutung der Population wäre also groß, wenn denn eine Ausbreitung stattfände.

„Trans-Lynx“ will den Bestand der Luchse so genau wie möglich erfassen. Wie kommen Sie den Luchsen auf die Spur?

Wölfl: Die Luchsdaten werden über verschiedene Methoden gewonnen. Die beste Methode ist der Einsatz von Fotofallen. Das sind automatische Kameras mit einem Bewegungsmelder. Wenn sich ein Tier daran vorbeibewegt, wird es fotografiert. Da die Luchse ein individuell einzigartiges Fleckenmuster haben, können wir sie daran auseinanderhalten und somit zählen. Fotofallen können also nicht nur nachweisen, ob ein Luchs da ist oder nicht, sondern auch, um welchen Luchs es sich handelt.

Wie gestaltet sich die grenzübergreifende Zusammenarbeit?

Wölfl: Ich bin mit den tschechischen Kollegen in regem E-Mail-Kontakt, zwei- bis viermal im Jahr treffen wir uns persönlich für ein oder zwei Tage. Eine ganz wichtige Arbeit ist dabei, Daten auszutauschen und aufeinander abzustimmen, weil sie erstmals länderübergreifend durchgeführt wird. Wir müssen uns also untereinander abstimmen. Beide Seiten profitieren sehr von der Zusammenarbeit, weil viele Menschen mitarbeiten, mitdenken und ihre Ideen einbringen.

Die illegale Jagd von Luchsen ist die Hauptursache für deren schleppende Verbreitung. Wie kann man dem entgegenwirken?

Wölfl: Den illegalen Abschüssen entgegenzuwirken ist sehr schwierig. Auf bayerischer Seite versuchen wir das vor allem über zwei Dinge: Zum einen, indem wir Toleranz bei der Jägerschaft schaffen. Zum anderen soll ein 1997 gegründeter Ausgleichsfonds Übergriffe des Luchses auf Nutztiere kompensieren, um Konflikte mit der Landwirtschaft abzumildern. Da der Luchs nur sehr selten ein Nutztier reißt und daher die Konflikte mit Nutztierhaltern gering sind, konzentrieren wir uns auf die Jagd.

Das Projekt „Trans-Lynx“ läuft Mitte 2015 aus. Wie soll es danach weitergehen?

Wölfl: Wir werden versuchen, die Arbeiten zum Schutz des Luchses grenzüberschreitend weiterzuführen. Ob es gelingen wird, finanzielle Mittel dafür zu beschaffen, muss sich erst noch herausstellen.

Die Fragen stellte Franziska Neudert.

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