O2 kooperiert mit Neonazi-Ausstatter

Der Mobilfunkanbieter bot Kunden Rabatt für Bekleidung der Marke Thor Steinar – angeblich aus Unwissenheit

14. 8. 2013 - Text: Jakob MatheText: Jakub Mathe; Foto: thorsteinar.cz

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Es ist allgemein bekannt, dass Bekleidung der Marke Thor Steinar vor allem bei Neonazis und Rechtsextremisten beliebt ist und als Erkennungsmerkmal in der Szene gilt. Doch die Unwissenheit eines Mitarbeiters brachte O2 nun einen handfesten Skandal ein. Der Mobilfunkanbieter hatte Kunden auf seiner Internetseite 20 Prozent Rabatt auf Bekleidung der Marke gewährt. Die Aktion drang schnell an die Öffentlichkeit und sorgte für Unverständnis.

Kunden beschwerten sich und die Initiative „Nein zu Rassismus“ wandte sich mit einem offenen Brief an O2. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass das Tragen der Marke Thor Steinar zwischen Neonazis im In- und Ausland als eine Art der Gruppen­identifikation mit rassistischem und nationalsozialistischem Gedankengut dient“, erklärte ein Mitarbeiter der Initiative in dem Schreiben. O2 zeigte sich sofort einsichtig und nahm das Angebot aus dem Netz. Gegenüber dem Internetportal „romea.cz“ bedauerte der Sprecher des Mobilfunkanbieters den Vorfall.

Der Mitarbeiter, der das Angebot auf die Internetseite gestellt hatte, habe die Bedeutung der Marke nicht gekannt. O2 sei eine übernationale Gesellschaft und distanziere sich ausdrücklich von jeglicher Form des Extremismus. Seltsam bleibt der Fall dennoch. Der „Original Store“ von Thor Steinar Tschechien in Pilsen, mit dem O2 das Rabatttangebot vereinbarte, wurde im Jahr 2003 von tschechischen Neonazis gegründet. Ein wenig Internetrecherche hätte ausgereicht, um in Erfahrung zu bringen, dass der zukünftige Geschäftspartner mit der rechten Szene in Verbindung steht.

Die Marke Thor Steinar wurde im Jahr 2002 in Brandenburg von Personen gegründet, die bekanntermaßen mit der rechten Szene in Verbindung standen. Längst ist das Label auch in Tschechien verbreitet und war in den letzten Wochen auch immer wieder auf den Anti-Roma-Demonstrationen zu sehen. Die Zeichen, derer sich Thor Steinar bedient, weisen Ähnlichkeit mit alten germanischen Runen und ideologischen Symbolen aus der NS-Zeit auf. Deutsche Skandale im Zusammenhang mit der Marke hatten in der Vergangenheit auch die Aufmerksamkeit der tschechischen Presse erregt. Im Juni 2012 waren acht NPD-Abgeordnete des sächsischen Landtags verwiesen worden, da diese T-Shirts und Hemden von Thor Steinar trugen und somit gegen die Hausordnung verstießen.

Ebenfalls im vorigen Jahr wurde in Chemnitz ein Geschäft mit dem Namen „Brevik“ eröffnet, in dem Kleidung von Thor Steinar angeboten wurde. Der Name verweist offensichtlich auf den norwegischen Rechtsextremisten Anders Breivik, der auf der Insel Utoya in Oslo 77 Menschen getötet und in seinem Manifest von einer drohenden Islamisierung Europas geschrieben hatte. In Deutschland ist seit langem eine öffentliche Debatte um Thor Steinar entbrannt.

Das Tragen der Marke ist beispielsweise in politischen Institutionen und den meisten Fußballstadien untersagt. Mehrere deutsche Geschäfte, die Thor-Steinar-Bekleidung anboten, mussten nach öffentlichen Protesten schließen. In Tschechien existiert eine solch breite Debatte noch nicht. In Prag beherbergt die Einkaufspassage Černá Růže seit sieben Jahren einen Thor-Steinar-Laden direkt im Stadtzentrum.