Neu im Kino: Líbánky

Neu im Kino: Líbánky

Mit „Líbánky“ inszeniert Jan Hřebejk ein ebenso packendes wie beklemmendes Drama

28. 8. 2013 - Text: Christian Müller-BreitenkampText: Christian Müller-Breitenkamp; Foto: Falcon Film

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Vom Tag ihrer Vermählung erwarten viele, dass es der schönste ihres Lebens wird. Auch bei Tereza (Aňa Geislerová) und Radim (Stanislav Majer) sieht alles nach einer glücklichen Hochzeitsfeier aus. Die Gäste singen, tanzen und lachen, alles wirkt idyllisch.
Doch dann taucht ein unerwünschter und verschrobener Gast auf. Bald stellt sich die Frage: Warum und woher kennt jener Jan (Jiří Černý) den Bräutigam? Spätestens als das Paar von ihm eine Urne mit seinem Namen als Hochzeitsgeschenk bekommt, ahnt der Zuschauer, dass Radim ein dunkles Geheimnis hütet.

Jan Hřebejk schuf mit „Líbánky“ einen ebenso spannenden wie atmosphärisch düsteren Film, der manchen Kinobesucher nachhaltig beschäftigen und berühren dürfte. Es geht auf der einen Seite um Liebe und Vertrauen, auf der anderen aber auch um jugendlich-perfide Grausamkeit, den Tod und darum, dass man vor der eigenen Vergangenheit nicht weglaufen kann. Dass Hřebejk als Rahmen für sein erschütterndes Drama ausgerechnet eine Hochzeit ausgesucht hat, passt ins Bild. Das dichte Nebeneinander von großen Glücksgefühlen, niederschmetternden Momenten der Enttäuschung und tiefer menschlicher Abgründe wirkt fast grotesk. Tereza wird vom weiblichen Superstar des tschechischen Kinos Aňa Geislerová gespielt. Die 37-Jährige verkörpert die in sich zerrissene Frau, die mit der außergewöhnlichen Situation völlig überfordert ist, in überragender Manier.

„Líbánky“ ist ein Werk der leisen Töne – ohne Spezialeffekte, ohne laute Musik, es geht nur um die leidtragenden Menschen, ihre persönliche Situation, ihre Gefühle und die Tragik, die sich für jeden einzelnen von ihnen aus längst Vergangenem ergibt. Vieles erinnert dabei an Thomas Vinterbergs Dogma-Klassiker „Das Fest“ aus dem Jahr 1998. Man verlässt auch Hřebejks Drama nachdenklich und verstört. Es bringt ein Thema zur Sprache, für das sowohl in der Öffentlichkeit als auch im privaten Umfeld erst ein Bewusstsein geschaffen werden muss. „Líbánky“ ist mit Sicherheit einer der besten tschechischen Streifen dieses Jahres und dem kritischen Cineasten sehr ans Herz zu legen.