Mähren liegt am Meer

Mähren liegt am Meer

Mit Lachs aus Dänemark und Salz aus Sizilien startete vor einem halben Jahr das Unternehmen Ichthys Aqua System. In Brünn züchtet es Seefische

20. 5. 2015 - Text: Corinna Anton

Man muss in Geographie nicht besonders gut aufgepasst haben, um zu wissen, dass Mähren nicht am Meer liegt. Und man braucht keine gastronomischen Kenntnisse, um zu ahnen, dass frischer Seefisch in einem Binnenland wie Tschechien nicht zu den heimischen Spezialitäten zählt. Der Brünner Tomáš Zezula sieht die Sache anders. Seit fünf Monaten züchtet er in seiner Heimatstadt Süß- und Salzwasserfische – mit überraschendem Erfolg.

„Meer in Brünn“ („Moře v Brně“) nennt sich das Projekt, in das Zezula fast zehn Millionen Kronen (gut 360.000 Euro) investiert hat. Die Firma, die dahinter steht, trägt den Namen Ichthys Aqua System nach dem griechischen Wort für Fisch. Laut Initiator Zezula, der eines der bekanntesten Auktionshäuser der Stadt besitzt, trägt sich das Unternehmen schon jetzt selbst. In den ersten fünf Monaten seines Bestehens produzierte es auf dem Gelände einer ehemaligen Wasseraufbereitungsanlage der mährischen Großstadt etwa acht Tonnen Fisch. Es bietet unter anderem Atlantische und Pazifische Lachse, aber auch Sibirische Störe sowie Aale und Karpfen an. Vermarktet werden sie direkt auf dem Areal im Stadtviertel Pisárky, das seit 2007 nicht mehr genutzt wurde.

Die lebenden Lachse und Meerforellen kommen aus Dänemark nach Brünn. Befördert werden sie in einer eigens für den Fischtransport angefertigten Zisterne. Laut Zezula stammen die Tiere von alternativen Farmen, nicht aus der umstrittenen Massenzucht in Käfigen. Damit sie in Mähren weiterleben können, baute die Firma eine Anlage mit Salzwasserbecken – das nötige Salz importierte sie aus Sizilien. Unter anderem befinden sich in den Brünner Behältern über 100.000 Liter Meerwasser. Mit Hilfe eines Systems aus Biofiltern und einer Wiederaufbereitungsanlage können in der Anlage bis zu 99 Prozent des Wassers recycelt werden. Die gereinigte Flüssigkeit fließt zurück in die Becken, während der Klärschlamm abgeführt und später als Brennmaterial für Biogasanlagen oder als Dünger verwertet wird.

Kooperation mit Forschern

Ichthys Aqua System beschäftigt derzeit drei Mitarbeiter, zwei davon sind Fischer. Um die Lebens- und Zuchtbedingungen der Tiere weiter zu erforschen, hat das Unternehmen außerdem Wissenschaftler der Brünner Masaryk-Universität am Projekt „Meer in Brünn“ beteiligt. Diese nehmen zum Beispiel Wasserproben und untersuchen, welche Mikroorganismen darin vorkommen. Zezulas Worten zufolge haben sie bisher eine überraschend vielfältige Gemeinschaft solcher Kleinstlebewesen gefunden, die schnell wachse. Als sein Ziel nennt er es, den Menschen in Brünn und Umgebung frische – das heißt lebende – Seefische und irgendwann auch Meeresfrüchte anbieten zu können.

Mit dem Fischverkauf hat das Unternehmen im vergangenen Jahr kurz vor Weihnachten begonnen. Dass in Tschechien zu dieser Zeit traditionell Karpfen für die Festtage besorgt wird, erleichterte den Start. Aber auch im neuen Jahr hat die Nachfrage nicht nachgelassen. Interesse am frischen Fisch hätten vor allem teure Restaurants wie das „Koishi“ oder das „Pavilon“ in Brünn, so Zezula. Solche Namen hätten dazu beigetragen, das Projekt bekannt zu machen. Es kämen aber auch ständig mehr Kunden, die sich zu Hause einen guten Lachs braten wollen. An manchen Tagen besuchten die Fischfarm über hundert Menschen. „Das sind Leute, die einen bestimmten Lebensstil bevorzugen“, sagt der Unternehmer über diese Käufer. Besonders freue man sich über Kunden aus der Umgebung, die frischen Fisch und dessen ökologische Aufzucht zu schätzen wissen, ergänzt eine Mitarbeiterin.



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