Lebenshilfe am Telefon

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Neu im Kino: Tomáš Pavlíčeks Komödie „Parádně pokecal“ ist skurril und stimmt nachdenklich

21. 8. 2014 - Text: Eva FamullaText: Eva Famulla; Foto: Masterfilm

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Štěpán (Vít Rohr) weiß nicht, wohin er will. Er weiß nicht einmal, ob er überhaupt irgendwohin will. Wenn er aus seinem Leben erzählen soll, dann warnt er den Zuhörer lieber vor: „Das könnte langweilig werden.“ Drei abgebrochene Studiengänge sprechen für sich. Seine Geliebte lässt ihn sitzen. Seine Freunde sind mit sich selbst beschäftigt. Nachdem er seinen Platz im Wohnheim verloren hat, nimmt er einen Job in einem Callcenter an und zieht in eine Kleinstadt. Dort lebt er im Alltagstrott zwischen Plattenbau, Arbeit und Supermarkt – bis Marie (Jana Krausová) anruft. Eigentlich will Marie nur einen neuen Mobilfunkvertrag. Aber sie beginnt, regelmäßig mit Štěpán zu telefonieren. Marie sagt die Wahrheit, und vor allem sagt sie Štěpán, wie er sein Leben zu organisieren hat. Das funktioniert – oder zumindest scheint es so, bis Štěpán feststellt, dass im Leben doch nichts nach Plan läuft.

„Parádně pokecal“ (etwa: „Voll gelabert“) ist eine Komödie über verfehlte Kommunikation, die auf den ersten Blick von Vorurteilen und Klischees lebt. Es ist aber auch ein Film, der Fragen stellt. Die Dialoge sind oft komisch bis skurril, der tiefere Sinn verbirgt sich dahinter. Wohin? Warum? Mit wem? Alles im Leben ist relativ und es gibt viele Antworten auf ein und dieselbe Frage.

„Parádně pokecal“ ist der erste abendfüllende Film des tschechischen Regisseurs Tomáš Pavlíček. Der 26-Jährige schließt gerade sein Studium an der Prager Filmhochschule FAMU ab. Bereits in seinem Kurzfilm „Pravidelný odlet“ („Regelmäßiger Abflug“) beschäftigte er sich mit der Frage nach dem Sinn des Lebens. Unter den Darstellern seines ersten Spielfilms entdeckt man viele neue Gesichter. Als Stargäste sind unter anderem der Theater- und Filmschauspieler Václav Vydra, der Sänger Matěj Ruppert und der Komiker Lukáš Pavlásek zu sehen.

Es sind kleine Szenen, die den Film interessant machen, die Nebenfiguren, die Wichtiges beitragen. Wie der Polizist, der auf einer menschenleeren Straße steht, um den Verkehr zu regeln, der Nachbar Karel, der seit 16 Jahren jeden Mittwoch bei seiner Exfrau zu Mittag isst, oder Radovan (Jakub X. Baro), der die Liebe seines Lebens neben den Konservendosen im Supermarkt findet. Der Film glänzt nicht mit neuen Weisheiten und umwerfender Komik. Die Nachricht, die Pavlíček verpackt, ist leise, die Komik alltäglich. Aber darin liegt seine Stärke, Komik und Sinn so geschickt zu verbinden, dass die Zuschauer am Ende mit einer Falte auf der Stirn und einem Lachen auf den Lippen den Kinosaal verlassen.

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