Kommentar: Große Verantwortung

Auch die Vereine müssen dem Hooliganismus einen Riegel vorschieben

2. 10. 2013 - Text: Stefan WelzelText: Stefan Welzel

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Es waren unschöne und verstörende Bilder, die man am Samstagabend zu Gesicht bekam. Während des 280. großen Prager Stadtderbys zwischen Slavia und Sparta stürmten vermummte und offensichtlich gewaltbereite „Fans“ aufeinander los. Sie konnten nur von einem massiven Polizeiaufgebot davon abgehalten werden.

Solche Szenen sind hierzulande in den vergangenen Jahren glücklicherweise seltener geworden. Sparta Prag verfolgt seit knapp zehn Jahren die Strategie einer aktiven Sozialprävention beziehungsweise der Fan-Betreuung, die darauf abzielt, vor allem faschistischen Tendenzen innerhalb der Szene den Garaus zu machen. Mit positiven Resultaten. War ein Besuch im Ultra-Fanblock des Letná-Stadions Ende der neunziger Jahre selbst für neutrale Zuschauer eine wahre Mutprobe, so legte sich dieses Problem mit den Jahren zusehends. Was in Deutschland, der Türkei, Italien oder auch kleineren europäischen Ländern wie der Schweiz oder Österreich als ein hartnäckiges Dauerphänomen in die Stadien und weit in die Gesellschaft hinein Einzug hielt, wurde in Tschechien zur Randerscheinung. Meinte man zumindest.

Die jüngsten Ereignisse im Eden-Stadion von Slavia vermitteln einen anderen Eindruck: 82 Personen wurden von der Polizei festgenommen, 13 davon werden des Landfriedensbruchs und der Propaganda des Faschismus verdächtigt. Zumindest die staatlichen Ordnungskräfte haben ihren Job erledigt. Die Gewalt ist nicht eskaliert. Bei solchen brisanten Begegnungen ist die Polizei stets mit einem Großaufgebot vor Ort. Man hat aus der Vergangenheit seine Lehren gezogen. Selbst bei kleineren und weniger bedeutenden Spielen zeigt die Ordnungsmacht Präsenz. Ob man dasselbe in gleichem Maße von den hauseigenen Sicherheitsdiensten der Klubs sagen kann, bleibt zu bezweifeln. Es wird weiterhin von großer Bedeutung sein, dass sich die Vereine ihrer Verantwortung bewusst sind.