Klöckner verkauft Osteuropageschäft

Klöckner verkauft Osteuropageschäft

Der deutsche Stahlhändler zieht sich aus Tschechien zurück

16. 1. 2013 - Text: Klaus HanischText: Klaus Hanisch; Foto: Klöckner&Co. SE

Stahlkrise heißt für Klöckner: weg aus dem Osten. Der deutsche Stahlhändler verkauft sein komplettes Geschäft in Tschechien, aber auch in weiteren mittel- und osteuropäischen Ländern. Klöckner & Co ist einer der größten Stahl- und Metalldistributoren und eines der führenden Stahl-Serviceunternehmen in Europa und Amerika. Doch der Duisburger Konzern bekommt die Stahlkrise massiv zu spüren und streicht aufgrund wachsender Verluste weitere Arbeitsplätze.

Insgesamt 1.800 Stellen sollen wegfallen, laut Vorstandschef Gisbert Rühl 500 mehr als bisher geplant. Zuletzt bediente Klöckner über 170.000 Kunden in rund 19 Ländern, beschäftigte rund 11.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von rund 7,1 Milliarden Euro. Allein 14 Standorte mit 255 Mitarbeitern betreibt Klöckner im östlichen Europa. Sie machen rund 1,4 Prozent des Konzernumsatzes aus.

Nun veräußerte Klöckner seine Aktivitäten in Tschechien, wie auch in Bulgarien und Rumänien. Polen und Litauen werden wohl noch im ersten Quartal 2013 verkauft. Die Verkäufe finden im Rahmen eines bereits 2011 angelaufenen Restrukturierungsprogramms statt. Wegen der schwierigen Situation in der Stahlindustrie hatte Klöckner Anfang August angekündigt, sein Sparprogramm nochmals zu verschärfen.

Nach einem Verlust von 75 Millionen Euro in den ersten neun Monaten 2012 hatte das Unternehmen bereits 20 seiner insgesamt 290 Standorte geschlossen und 800 Stellen abgebaut. „Wir kommen mit der Umsetzung unseres Programms, bei dem insgesamt 60 Standorte geschlossen oder verkauft werden, schneller voran als erwartet“, so Rühl, „der Verkauf des Osteuropageschäfts ist dabei ein weiterer wichtiger Meilenstein.“

Die europäische Stahlbranche leidet seit Monaten darunter, dass wichtige Kunden aus der Autoindustrie und dem Maschinenbau wegen unsicherer Konjunkturentwicklung weniger Aufträge erteilen. Daher erwartet Klöckner für 2012 lediglich einen Gewinn von etwa 140 Millionen Euro gegenüber 217 Millionen Euro im Vorjahr. Seinen Absatz will Klöckner um rund 6,5 Prozent erhöhen, den Umsatz um fünf Prozent. „In Europa sehen wir auch 2013 keine positiven Impulse“, sagte Vorstandsvorsitzender Rühl. Allerdings hofft er darauf, dass der Markt in den USA wächst.

In Tschechien operierte die Firma bisher unter dem Namen Klöckner Stahlhandel CZ und bot unter anderem gerichtetes Blech, Stahlrohre, Edelstahl und Aluminium an. Im Hauptsitz in Příbram und der Außenstelle in Přerov waren 225 Angestellte beschäftigt, die rund 500 Kunden betreuten. Klöckners Handelsgeschäft soll von einem lokalen Konkurrenten übernommen werden. Die Verkäufe von Klöckner in Mittel- und Osteuropa müssen jedoch zum Teil von Kartellbehörden genehmigt werden. Über Verkaufspreise äußerte sich Klöckner nicht.



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