Kein Bild von einem Mann

Kein Bild von einem Mann

Fünf Künstlerinnen befassen sich mit weiblichen Körpern. Eine Ausstellung im Rudolfinum bringt ihre Werke zusammen

7. 10. 2015 - Text: Melanie Nolte, Foto: Berlinde De Bruyckere: „J.L.“/Hauser & Wirth/Mirjam Devriendt

Fünf Räume, fünf Präsentationen und fünf Künstlerinnen, die ihre Werke kaum unterschiedlicher gestalten könnten: Die Ausstellung „flæsh“ bringt Marlene Dumas, Tracey Emin, Berlinde De Bruyckere, Kiki Smith und Louise Bourgeois dennoch auf einen gemeinsamen Nenner. Alle beschäftigen sich mit dem menschlichen Körper, seiner Verletzlichkeit und seiner Stärke. Der Schwerpunkt der Schau in der Galerie Rudolfinum liegt auf dem Thema Weiblichkeit.

Der erste Raum steht im Zeichen der südafrikanischen Künstlerin Marlene Dumas. Der Großteil der ausgestellten Werke gehört zu einer Pin-up-Serie aus den neunziger Jahren. Die Aquarelle zeigen Frauen in intimen Situationen, nackte Körper, die sich entschlossen zur Schau stellen, aber auch solche, die beschämt versuchen, etwas zu verdecken. Als Vorlagen dienten der heute 62-jährigen Künstlerin die biblische Gestalt der Maria Magdalena sowie das Model Naomi Campbell.

Um Frauen und Sexualität geht es auch in den Werken von Tracey Emin. Die Britin stellt aber im Gegensatz zu Dumas die Themen Fruchtbarkeit, Abtreibung und Masturbation in den Mittelpunkt. Gemeinsames Merkmal ihrer Arbeiten ist ein besonderes Verfahren, mit dem sie die Umrisse von Frauen auf eine Decke stickt. Die für sie typisch weibliche Technik der Handarbeit unterstreicht ihre Absicht, Weiblichkeit nicht nur als Motiv, sondern auch als Gestaltungsart darzustellen.

Sie wolle zeigen, wie hilflos ein Körper sein kann, und wie schön, formuliert Berlinde De Bruyckere, was sie zur Installation „J.L.“ bewegt hat. Die Skulptur, genauso wie die anderen aus einer umfangreichen Serie, erinnert stark an den natürlichen Körper, allerdings ohne jegliche sexuelle Attribute. Die Verletzlichkeit des Körpers drückt die 1964 in Gent geborene Künstlerin durch das fehlende „sprechende Element“ aus. Die Figuren haben meist keinen Kopf. Dieses Merkmal findet sich auch bei ihren Gemälden aus der Serie „Schmerzensmann“ von 2006 wieder. Die sieben Aquarelle sind ihre Interpretation der Leiden Jesu Christi am Kreuz.

Anders als ihre Kolleginnen arbeitet die Amerikanerin Kiki Smith mehr mit farbigen Elementen. Einzigartig werden ihre Werke, weil sie Loktapapier aus Nepal als Grundfläche verwendet und in ihre Arbeiten häufig Blumen einbindet – so zum Beispiel bei der Bronzeskulptur „Singer“, die den Besucher der Ausstellung mit ihrem großen Kopf zwar abschreckt, ihn aber gleichzeitig mit einem Blumenstrauß in der Hand willkommen heißt.

Neben den mehr als 60 Skulpturen, Gemälden, Aquarellen und Stickereien ist im Rudolfinum zu jeder Künstlerin ein kurzer Film zu sehen, in dem die Frauen von ihrer Arbeit und ihrem Leben erzählen. Im letzten Raum findet sich außer den Bronzeskulpturen der 2010 verstorbenen Louise Bourgeois auch eine Serie von 16 Bildern, die sie zusammen mit Tracey Emin produzierte („Do Not Abandon Me“, 2009/10). Mit Gouache malte Bourgeois die Oberkörper von Frauen und Männern auf Stoff, Emin fügte Miniatur­figuren, Dialoge und Erzählungen hinzu.

Flæsh. Galerie Rudolfinum (Alšovo nábřeží 12, Prag 1), geöffnet: Di.–So. 10 bis 18 Uhr, Do. bis 20 Uhr, montags geschlossen, Eintritt: 130 CZK (ermäßigt 80 CZK), bis 3. Januar, www.galerierudolfinum.cz



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