Im Schatten des Waldes

Im Schatten des Waldes

Deutsch-tschechischer Film „Schmitke“ kommt in die Kinos

29. 7. 2015 - Text: Franziska NeudertText: Franziska Neudert; Foto: Artcam

 

Julius Schmitke ist ein kauziger Mensch. Seine Zeit verbringt der Ingenieur am liebsten im Windkanal, wo er Bestandteile von Windkraftanlagen testet. Kontakt zu seinen Mitmenschen hat er kaum. Der monotone Alltag des 57-Jährigen wird jäh unterbrochen, als er ins böhmische Erzgebirge geschickt wird, um dort eines seiner Windräder zu reparieren. Mit seinem jungen Kollegen Thomas begibt er sich auf die Reise in eine verschlafene Kleinstadt. Es ist der Beginn einer bizarren Odyssee durch die nebligen Wälder und in das Ich des eigenbrötlerischen Protagonisten.

„Schmitke“ ist der erste abendfüllende Spielfilm von Štěpán Altrichter. Nachdem er im November vergangenen Jahres beim internationalen Filmfestival im südkoreanischen Busan Weltpremiere feierte, ging für den Regisseur alles ganz schnell. Altrichter nahm am Festival des osteuropäischen Films in Cottbus teil, wo er den Preis für das beste Debüt gewann, er zeigte „Schmitke“ beim Febiofest in Prag und im Juli beim Internationalen Filmfestival in Karlovy Vary. Nun soll der Streifen auch in die tschechischen Kinos kommen. Erstmals wird er am Mittwoch, 12. August, über die Leinwand des Kinos „Drahomíra“ in Karlovy Vary flimmern, danach zieht er weiter durch die Lichtspielhäuser des Landes.

Seinen deutsch-tschechischen Film beschreibt der 34-jährige Regisseur als „mysteriöse Komödie“. „Manche bezeichnen ihn als tschechisches Twin Peaks, weil es wie in der Serie von David Lynch um Fremde geht, die in eine Kleinstadt kommen, wo alles nach einem gewissen System abläuft, das die Einheimischen nicht gestört sehen wollen“, erklärt Altrichter. David Lynch war auch der erste Filmemacher, der ihn nachhaltig geprägt und ihm eine „posttraumatische Belastungsstörung“ beschert hat, wie er sagt.

Zum Film kam der gebürtige Brünner, der heute in Berlin lebt, über seinen Cousin Tomáš Končinský, der auch das Drehbuch für „Schmitke“ schrieb. Tomáš schmuggelte den kleinen Štěpán heimlich in Vorführungen an der Prager Filmschule Famu, an der er damals studierte. So sah Altrichter mit elf Jahren zum ersten Mal „Lost Highway“. Der David-Lynch-Thriller habe ihn „total verwirrt, aber eben auch berührt“, erinnert sich der Regisseur. Genau das will er mit seinen eigenen Filmen auch erreichen.

Dass sich „Schmitke“ schwer in eine Schublade stecken lässt, verwundert daher kaum. Der Film beginnt als absurd-komische Geschichte, die sich zunehmend ins Unheimliche steigert. So verschwindet Schmitkes Kollege bald spurlos in den Tiefen des Waldes. Schmitke (verkörpert von Peter Kurth) hört Stimmen. Was tatsächlich ist und was sich nur in seiner Fantasie abspielt, lässt sich kaum unterscheiden. Hinzu kommt die mystische Atmosphäre des Erzgebirges – hinter nahezu jedem Baum scheint ein furchterregendes Wesen zu lauern.

Dass das Erzgebirge im Film eine entscheidende Rolle spielt, ist kein Zufall. „Durch das Erzgebirge bin ich oft gekommen, wenn ich zwischen Berlin und Prag unterwegs war. Ich finde es schade, wie sehr es von den Tschechen unterschätzt wird. Es ist ein bisschen wie unser Wilder Westen“, meint der Filmemacher.

Am Ende von „Schmitke“ bleibt der Betrachter ein wenig ratlos zurück. „Der Film funktioniert auf eine subtile Art“, meint Altrichter. „Er beantwortet nicht die klassischen Fragen, sondern verspult den Zuschauer ein bisschen.“

Mitmachen und Gewinnen
Für die Prager Vorführung von „Schmitke“ am 13. August im Kino Aero verlost die PZ 3×2 Freikarten. Schicken Sie entweder eine Postkarte an: Prager Zeitung, Betreff: Schmitke, Jeseniova 51, CZ–130 00 Praha 3 oder eine E-Mail an pz@pragerzeitung.cz. Der Einsendeschluss ist Donnerstag, 6. August (Datum des Poststempels).



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