Im Reich der Ordensbrüder

Im Reich der Ordensbrüder

Das Kloster im westböhmischen Teplá war einst ein kulturelles Zentrum der Region. Heute finden Besucher dort Ruhe und historische Spuren

18. 11. 2015 - Text: Jan NechanickýText: Jan Nechanický; Foto: APZ

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Etwa 20 Kilometer östlich von Mariánské Lázně (Marienbad) befindet sich das Stift Tepl (Klášter Teplá). Versteckt in der hügeligen Landschaft Westböhmens liegt eine über 800 Jahre alte Siedlung mit einer beeindruckenden Vergangenheit und Architektur.
 
Die Geschichte des Klosters reicht zurück bis in die Zeit der Kreuzzüge. Gegründet wurde es im 12. Jahrhundert vom böhmischen Gaugrafen Hroznata von Ovenec. Einer Legende zufolge soll sich der Adelige verpflichtet haben, am Kreuzzug Heinrichs VI. teilzunehmen. Als der Kaiser starb, entband ihn der Papst von seinem Gelübde. Zum Dank versprach Hroznata von Ovenec, das Kloster in Teplá zu stiften. Es wurde den Prämonstratensern zugesprochen und mit Ordensbrüdern des Prager Strahov-Klosters besiedelt. Der Orden galt seinerzeit als einer der fortschrittlichsten und sollte neben der Verbreitung des christlichen Glaubens auch die umliegenden Ortschaften und ihre Einnahmen verwalten und sich am Ausbau des Schulwesens beteiligen. Hroznata von Ovenec trat später selbst dem Stift bei und wurde zu dessen Einnahmeverwalter.

Das Kloster in Teplá entwickelte sich zu einer bedeutenden Niederlassung des Ordens, bis es zur Zeit der Pestepidemie fast vollständig entvölkert wurde. Im Rahmen der deutschen Besiedlung im 14. Jahrhundert ließen sich wieder Menschen in den umliegenden Ortschaften und im Stift nieder. Die Hussiten­kriege überstand das Kloster fast unversehrt. In den darauffolgenden Jahrhunderten erlebte es eine Blüte, die bis zum Dreißigjährigen Krieg währte, als es mehrfach ausgeplündert wurde.
Im 16. Jahrhundert wurde im Stift eine philosophische und theologische Schule mit angeschlossenem Priesterseminar gegründet. Außerdem wurde die erste Schule für Dorfkinder und eine Pflegeanstalt für Kranke gebaut. Das Kloster entwickelte sich zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der Region.

Düstere Geschichte
Im 19. Jahrhundert wurde es auch zu einem Ort der Wissenschaft. Der Abt und frühere Rektor der Prager Karls-Universität Chrysostomus Laurentius Pfrogner setzte sich für den Ausbau der Bibliothek ein und legte eine Mineraliensammlung und ein physikalisches Kabinett an. Im Jahr 1808 begründete der Abt Karl Reitenberger den Kurort Marienbad, nachdem sein Ordensbruder Josef Jan Nehr die Mineralquellen in den umliegenden Wäldern chemisch untersucht hatte.

Im 20. Jahrhundert durchlebte das Kloster eine düstere Geschichte. 1946 mussten die deutschen Ordensbrüder das Land verlassen. Später waren sie in Gemeinden in Bayern tätig. 1950 wurde das Kloster verstaatlicht und diente anschließend 28 Jahre als Kaserne der tschechoslowakischen Armee. Nur die Kirche und die Bibliothek wurden 1958 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In den siebziger Jahren wurde die Klosteranlage vom Tschechoslowakischen Institut für Denkmalschutz übernommen. Aber auch ohne das Militär verfielen die Gebäude weiter. Da es ein christliches Gebäude war, wurde es von den staatlichen Institutionen eher stiefmütterlich behandelt. An Instandhaltung und Renovierung wurde ständig gespart. Erst im Jahr 1990 erhielt der Prämonstratenserorden das durch jahrzehntelange Vernachlässigung schwer beschädigte Kloster zurück. Seit nunmehr 25 Jahren bemüht sich der Orden, in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, wie etwa dem „Verein der Freunde des Stifts Tepl“ aus Esslingen, die riesige Klosteranlage wieder zu renovieren. 2008 wurde das Stift zum Nationalen Kulturdenkmal erklärt.

Historischer Friedhof
Die meisten Bauten, die man heute auf dem Gelände des Klosters besichtigen kann, wurden im 17. Jahrhundert umgebaut und modernisiert. Die Neugestaltung leitete damals der berühmten Barock-Baumeister Christoph Dientzenhofer.

Das bekannteste Bauwerk der Klosteranlage ist die in den Jahren 1193 bis 1232 erbaute Kirche Mariä Verkündigung. Bedeutsam ist darüber hinaus das Konventsgebäude und der gotische Chorraum der Klosterkirche mit einer romanischen Kapelle. Sehenswert sind außerdem die weitläufige Parkanlage, der historische Friedhof und das Kloster­museum.

Empfehlenswert ist vor allem ein Besuch der Klosterbibliothek. Mit mehr als 100.000 Bänden ist sie, nach der Büchersammlung im Prager Strahov-Kloster, die zweitgrößte historische Bibliothek in ganz Tschechien. Zu ihren Beständen gehören Schriften aus dem 15. und 16. Jahrhundert, von denen vor allem ältere deutsche Bibelübersetzungen bedeutend sind.

Nach Teplá gelangt man bequem mit dem Zug aus Mariánské Lázně. Die etwa 30 Minuten lange Strecke führt durch eine romantische Landschaft und gehört zu den schönsten Eisenbahnlinien des Landes. Die restlichen zwei Kilometer zum Kloster kann man entweder zu Fuß gehen oder mit dem Bus fahren, der werktags jedoch nur dreimal verkehrt.

Rundgänge
Für Besichtigungen ist das Kloster jährlich von 1. Februar bis 31. Dezember geöffnet. Die erste Führung beginnt wochentags um 9 Uhr, die letzte um 15.30 Uhr, sonntags sind die Pforten des Klosters ab 11 Uhr geöffnet. Für einen Eintrittspreis von ungerechnet 5,50 Euro erhält man einen Einblick in Bibliothek, Klostermuseum und die Bildergalerie. Die umliegenden Parkanlagen sind jederzeit zugänglich. Ein Teil der Klosteranlage beherbergt ein Hotel mit Restaurant. Im Kloster finden regelmäßig Kulturveranstaltungen statt.

Mehr Informationen unter www.klastertepla.cz und www.hotelklastertepla.cz