Ikonen der Moderne

Ikonen der Moderne

Fotografien von Wolfgang Wesener in der Leica Gallery

14. 11. 2012 - Text: Franziska NeudertText: Franziska Neudert; Foto: Wowe

Und wo ist nun der Star? Susan Sontag ist da. Karlheinz Stockhausen, Michael Schumacher und Joseph Beuys. Fotografen-Kollegin Annie Leibowitz wartet auf einer Couch sitzend, die Arme verschränkt. Beat-Ikone William Burroughs und Andy Warhol schauen gedankenverloren in die Kamera. Große Namen – unscheinbare Bilder. Auf den Porträt-Fotografien von Wolfgang Wesener sucht man vergeblich nach dem Glamour der Berühmten, Schönen und Reichen. Beinahe alltäglich, auf jeden Fall aber unprätentiös zeigen die Aufnahmen über 50 prominente Persönlichkeiten aus dem 20. Jahrhundert. Bis zum 6. Januar sind die eher kleinformatigen Farb- und Schwarz-Weiß-Aufnahmen des Fotografen, der sich selbst Wowe nennt, in der Leica Gallery zu sehen.

Wolfgang Wesener – Wowe – wurde 1960 in Köln geboren, später studierte er Kommunikationsdesign an der Folkwangschule Essen. Mit 24 Jahren ging Wowe nach New York. Zunächst half er beim Auf- und Abbau im legendären Nachtclub „Area“, der berüchtigt dafür war, alle zwei Monate seine komplette Inneneinrichtung zu verändern, um für die nächste Party neue Installationen aufbauen zu können. Als eines Tages Boy George seine Zelte aufschlug, der Fotograf des Hauses jedoch nicht anwesend war, sprang Wowe ein. Seitdem war er für die Arbeit hinter der Kamera zuständig, zog durch das New York der Geisterstunde und nahm viele bekannte, aber auch unbekannte Partygäste auf.

Von der Essenz des Lebens
1986 begann eine zwölf Jahre währende Zusammenarbeit mit dem Magazin der „Frankfurter Allgemeine“. Mit den Aufnahmen machte sich Wowe auch international einen Namen als Porträt-Fotograf. Es folgten Aufträge für Zeitschriften wie „Vanity Fair“, „New Yorker“ oder „Stern“. Schauspieler, Musiker, Künstler und Schriftsteller, die sonst nur aus der flüchtigen Welt der Massenmedien bekannt sind, erscheinen in Wowes Arbeiten so normal wie Nachbar Müller. Freilich weiß man nie, inwiefern die Abbilder Ergebnis einer Inszenierung sind. Wie kontrolliert ist das Mienenspiel der Abgelichteten, wie verstellt oder verborgen der Charakter der Dargestellten? Es sind Momente der Ruhe, die Wowe möglichst natürlich einfängt. So nutzt der Fotograf überwiegend nur eine einzige Lichtquelle. Schließlich „gibt es auch nur eine Sonne, die am Tag Licht spendet“, wie er seine Arbeit selbst erklärt . Ob James Brown oder die Modedesigner Dolce und Gabbana – die Porträtierten blicken gelassen in die Kamera, ganz ohne überflüssige Gestik, und bieten so die seltene Möglichkeit, ihre Gesichter zu studieren. Damit sind die Bilder nicht nur Schnappschuss, sondern werden zu Dokumenten des Lebens. Eine Spur Ewigkeit, einen Funken Essenz meint man in den Aufnahmen erspüren zu können. Sie reihen sich auf diese Weise in die Tradition einer Bildgeschichte ein, die schon lange vor der Fotografie das Ideal verfolgte, ein Stück vom Wesen der Welt einzufangen.

Portraits by Wowe, Leica Gallery (Školská 28, Prag 1), geöffnet: Mo.–Fr.: 7–21 Uhr, Sa./So.: 14–20 Uhr, Eintritt: 70 CZK (ermäßigt
40 CZK), bis 6. Januar 2013