Herzkammer der „Dschässer“
Musik

Herzkammer der „Dschässer“

Die Burgfeste von Helmuth Steinmetz und seinen Freunden sprachen sich in den 1980ern schnell herum. Immer mehr Musikfreunde wollten bei diesen eigentlich privaten Veranstaltungen dabei sein. Deshalb entstand 1985 ein Jazz- und Kulturverein. Sein vorrangiges Ziel: „Die landläufig als schräge Musik bekannten Stilrichtungen des Jazz einem breiteren Publikum näherzubringen.“ Wobei sich die Burgthanner musikalisch offen geben. „Entscheidend ist, die Bands live zu sehen, live mitzuerleben, nah an den Musikern zu sein.“ Was sie spielen, ist für Steinmetz nicht die Hauptsache, „sondern zu sehen, wie sie ihre Instrumente beherrschen, wie sie harmonieren und zusammenspielen.“ Helmuth Steinmetz, der Vorsitzende des Vereins, sieht die Auftritte daher „wie ein Theaterstück“.

Karel Růžička (1940-2016) bei “Jazz in der Burg” im Juni 2013

Jazz ist für die Vereinsmitglieder ein Hobby. Entsprechend legen sie die Messlatte an. Entscheidendes Kriterium: „Entweder es ist schön oder es ist nicht schön.“ Wobei sie bei der Wahl ihrer Gäste jedoch auf Qualität achten. Dabei muss es nicht immer nur Jazz sein. Der Verein lädt auch gerne mal Blues- und Folk-Musiker oder klassische Rocker ein. „Bei uns haben sich Leute zusammengetan, die einfach Musik mögen“, stellt Helmuth Steinmetz klar. Kurzum: Ihnen gefalle jede Musik – wenn sie gut gespielt wird. Egal auch, ob von international bekannten oder regional ambitionierten Künstlern. Weshalb der deutsche Saxophonist Emil Mangelsdorff oder afrikanische Musiker ebenso in Burgthann gastieren wie Dixie-Gruppen zum Frühschoppen oder die vielseitige Pavel Sandorf Big Band.

Helmuth Steinmetz gefielen in Tschechien auch Veranstaltungen mit Blasmusik. „Wer dort spielt, ist oft ein studierter Musiker.“ Und das könne man auch hören. Was ihm im Nachbarland auffiel: „Leute im feinen Anzug gehen dorthin, wie bei uns in ein klassisches Konzert.“

Josef Vejvoda (links) und Štěpán Markovič (2017)

Das Konzept des Vereins passt. Für die zwei Konzertveranstaltungen pro Monat treffen beim Vorstand quasi „täglich Mails von Leuten ein, die bei uns spielen wollen“. Nachdem die Gemeinde die Burg erwarb und viele aus einem Förderverein Burg Burgthann mithelfen, wurden Burgkeller und -hof zum Anziehungspunkt für eine weites Umland.

So erwartet der Verein wieder bis zu 1.000 Gäste, wenn er zu seinem Jazz-Burgfest vom 28. bis 30. Juni ruft. Die Veranstaltung ist der Höhepunkt der Saison und bildet das finanzielle Rückgrat. Alle Übernachtungsmöglichkeiten in Gasthöfen rundum sind in der kleinen Gemeinde voll belegt. Nicht zuletzt durch die Musiker selbst. Dann „brauchen sie nach ihrem Auftritt in der Burg nachts nur über die Brücke zu gehen und können gleich ins Bett fallen“, verrät Helmuth Steinmetz.

Dass so viele renommierte Gäste aus Tschechien so regelmäßig in die fränkische Provinz kommen, hängt für Steinmetz nicht nur mit dem Renommee der Veranstaltungen und des Vereins zusammen, sondern auch mit der Atmosphäre rund um die Burg. Also mit der Gemütlichkeit und dem familiären Miteinander, das sie in Burgthann vorfinden. Daraus und aus der gemeinsamen Liebe zur Musik erwuchs die freundschaftliche Verbundenheit über Jahrzehnte. Und ihretwegen „spielen die Tschechen – zumindest bei uns – für Gagen, die wir uns leisten können.“

Oft brachten die Musiker andere Künstler mit nach Franken. Helmuth Steinmetz zählt auf: František Uhlíř kam mit einem Trio, Josef Vejvoda fuhr die Prager All-Stars ein und Milan Svoboda hatte Jiří Stivín im Schlepptau – so lernten viele Größen des Prager Jazz nach und nach Burgthann kennen.

Das “Milan Svoboda Quartet” spielt regelmäßig in Prager Jazzclubs.

Svoboda, Jahrgang 1951, spielt auch in diesem Jahr beim Burgfest, am 30. Juni mit seiner Kontra-Band. Er gastierte mit Combos und als Solist bereits in ganz Europa, nahm zahlreiche Alben auf – und führte einen jungen Musiker aus Tschechien in Burgthann ein. Gitarrist Kryštof Tomeček war Mitglied in dessen Big Band und besuchte Franken ein Jahr später mit eigener Gruppe und dem Projekt „Guys, Folks ‘n’ Fellas“: Jazzrock mit groovenden Melodien, unkonventioneller Harmonie und pulsierendem Rhythmus.

Zu den Jungen zählt auch Adam Tvrdý, Jahrgang 1976, der am 29. Juni mit seinem Jazz-Trio Eigenkompositionen, modernen Jazz und Jazz-Standards auf dem Burgfest vortragen wird. Und schon am 16. März werden Marek Novotný und das „Epoque Quartet“ gemeinsam Jazz, experimentelle Kompositionen sowie
Musik alter Meister in der Welt der klassischen Musik interpretieren. Sie begleiten wiederum namhafte Künstler der tschechischen Jazzszene, neben Tvrdý (Gitarre) noch Ondřej Štajnochr (Kontrabass) und Josefína Čermáková (Gesang). Dies ist die nächste Veranstaltung des Jazzvereins, diesmal im Haus der Musik im Ortsteil Burgthann-Unterferrieden.

Nie hätten sie gedacht, dass aus ihrer kleinen Privatinitiative einmal solch ein bunter Reigen an Festen entstehen könnte, staunt Helmuth Steinmetz selbst, „wir sind einfach immer größer geworden“. Das Burgfest wird nun schon im 41. Jahr abgehalten.

Und auch mit den tschechischen Freunden gibt es schon weitere Pläne. „Franta Uhlíř wird nächstes Jahr 70“, blickt Steinmetz voraus. Dann will der große Musiker ein Geburtstagskonzert in Prag geben. Es würde überraschen, wenn der Jazzverein Burgthann an diesem Tag nicht mit einigen Mitgliedern in einer vorderen Reihe sitzen würde.

Informationen zum Programm des Jazz- und Kulturvereins Burgthann unter www.jazzinderburg.com

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