„Gute Musik macht das Leben schöner“

„Gute Musik macht das Leben schöner“

In neun tschechischen Städten findet das „Bohemia Jazz Fest“ statt. Ein Gespräch mit dem Festival-Leiter Rudy Linka

10. 7. 2014 - Text: Franziska Neudert

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Im Alter von 19 Jahren verließ Rudy Linka seine tschechische Heimat, um als Jazz-Gitarrist die Welt zu erkunden. Fünf Jahre verschlug es ihn nach Schweden, 28 weitere nach New York, wo er sich heute zuhause fühlt. 2005 rief er das tschechische Bohemia Jazz Fest ins Leben, das sich inzwischen zur landesweit renommiertesten Veranstaltung des Genres etabliert hat. Seinen Auftakt nimmt es am 15. Juli in Prag, danach reist es in acht weitere Städte Tschechiens. Im Gespräch mit PZ-Redakteurin Franziska Neudert erzählt der 54-Jährige, wie das Festival zustande kam und was er vom zeitgenössischen Jazz hält.

Herr Linka, Sie haben das Bohemia Jazz Fest vor neun Jahren gegründet. Welche Motivation steckt hinter diesem Schritt?

Rudy Linka: Vor elf Jahren habe ich mit meiner Frau einen 250 Jahre alten Bauernhof nahe Prachatice gekauft. Ich begann also, wieder mehr Zeit in Tschechien zu verbringen. Ich war überrascht, wie selten die Musik, die ich liebe, im Radio gespielt wird, genauso wenig im Fernsehen oder in den Klubs. Der Hauptplatz in Prachatice ist sehr schön, wird aber meistens als Parkplatz genutzt. Die Idee, hier ein Festival zu veranstalten, das für alle umsonst ist, kam 2005 auf. Mein Beweggrund war, die Architektur des Ortes, die Musik und den Sommer zu feiern und so vielen Menschen wie möglich etwas näher zu bringen, das das Leben so viel schöner macht: gute Musik.

Wie hat sich das Bohemia Jazz Fest über die Jahre hinweg verändert?

Linka: Im ersten Jahrgang fand das Festival in drei Städten statt, in Prag, Prachatice und České Budějovice. Damals kamen etwa 17.000 Besucher. Inzwischen feiern wir unser neuntes Jubiläum in neun Städten und erwarten mehr als 90.000 Gäste. Man kann also sagen: mehr Leute, mehr Künstler, mehr Musik.

Alle Konzerte sind umsonst zugänglich. Wie kann sich das Festival finanziell über Wasser halten?

Linka: Wir arbeiten wie ein großes Unternehmen und erhalten von sämtlichen Seiten Unterstützung. Zunächst fördern uns das Kulturministerium sowie die Städte und Kreise, in denen das Festival stattfindet. Zu unseren Sponsoren zählt auch eine Reihe kleinerer und größerer Firmen. Schließlich haben wir ein großes Team und einen Freundeskreis, die uns helfen, das Festival auf die Beine zu stellen. Es ist ja immer wieder eine große  Herausforderung, mit der Regierung, den Stadtverwaltungen und Künstlern verhandeln zu müssen. Ohne dieses Team wäre das nicht möglich.

Welche Highlights stehen in diesem Jahr auf dem Programm?

Linka: Das Festival beginnt in Prag mit einem regelrechten Star-Dreigestirn: Danilo Perez, John Patitucci und Brian Blade. Am 17. Juli folgen der US-amerikanische Bassist Christian McBride, die John Scofiled Uber Jam Band und die brasilianische Jazz-Sängerin Leny Andrade. Auf dem Spielplan steht auch CNIRBS, ein fantastisches Funk-Trio aus Hamburg, sowie die Sängerin Lylit und die Funk-Bop-Band Interzone aus Wien. Insgesamt erwarten die Besucher 33 Konzerte mit 112 Musikern aus zwölf Ländern.

Wie würden Sie die tschechische Jazz-Szene beschreiben?

Linka: Jazz ist eine sehr internationale Form der Kunst, die tschechische Szene wiederum ziemlich familiär. Der tschechische Staat fördert die Jazz-Szene nicht annähernd so stark wie es in anderen Ländern der Fall ist. Holland, Norwegen und Deutschland sind Tschechien weit voraus. Ich hoffe, dass sich das ändert.

Was halten Sie von der verbreiteten Ansicht, echter Jazz sei angesichts der Vermischung mit anderen Musikstilen tot?

Linka: Die Debatte darüber, ob der Jazz tot sei oder nicht, ist recht alt. Ich denke, man muss da ein wenig genauer sein. Jazz ist ein sehr weiter Begriff. Hinter der Frage, was echter oder reiner Jazz ist, verstecken sich so viele intellektuelle Wichtigtuer. So etwas wie eine reine Musikrichtung gibt es heutzutage nicht mehr. Schauen Sie sich den Country an. Der klingt heute mehr nach Rock als nach dem Country der fünfziger Jahre. Ich denke nicht, dass die Vermengung verschiedener Musikstile etwas Schlechtes ist, eher dürfte das Gegenteil der Fall sein.

Bohemia Jazz Fest, Prag 15. bis 17. Juli, Domažlice 18. Juli, Tábor 20. Juli, Pilsen 21. Juli, Liberec 22. Juli, Zlín 23. Juli, Brünn 24. Juli, Písek 25. Juli, Prachatice 26. Juli, www.bohemiajazzfest.cz