Gut Ding will Eile haben

Gut Ding will Eile haben

Bayerische und tschechische Polizisten trainieren schweren Fall von Kriminalität

16. 10. 2014 - Text: Klaus HanischText: Klaus Hanisch; Foto: Polizeipräsidium Oberpfalz

Nach einem brutalen Raubüberfall im Landkreis Cham in der Oberpfalz wurde eine Verkäuferin schwer verletzt. Die beiden mutmaßlichen Täter flüchteten mit einem Auto mit Chamer Kennzeichen in Richtung Tschechien. Dies war die Grundlage für eine Übung, bei der Beamte der Bundespolizei mit tschechischen Kollegen der Polizeibezirksdirektion Pilsen einen Fall von „Nacheile“ trainierten.

Bei diesem fiktiven Fall hatte eine Verkäuferin eines Supermarktes eine Ladendiebin gestellt, die den Kassenbereich gerade verlassen wollte und mehrere teure Kosmetika in ihre Manteltaschen versteckte. Die Diebin wollte noch flüchten, wurde jedoch im Ausgangsbereich des Marktes festgehalten. Weiterhin wurde angenommen, dass in diesem Moment ein unbekannter Mann näher kam und die Verkäuferin tätlich angriff. Dabei wurde sie durch einen Messerstich schwer verletzt. Ein hinzu geeilter Kassierer hörte noch, dass sich die flüchtenden Personen zuriefen, nach Tschechien „abhauen“ zu wollen. Und er sah, dass sie in einem VW Passat mit Chamer Kennzeichen davonfuhren.

Bei derart schweren Straftaten ist es üblich, dass die Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums in Regensburg sofort eine Großfahndung auslöst. An ihr beteiligen sich Landes- und auch Bundespolizisten, um alle möglichen Fluchtrouten zu unterbinden. Bei einer Tat in Grenznähe wird umgehend auch die tschechische Polizei in die Fahndung einbezogen. Vor allem wenn, wie in diesem Fall, zu erwarten ist, dass Täter über die Grenze nach Tschechien flüchten. „Dies ist seit Jahren gängige Praxis und bewährt sich immer wieder“, so Thomas Plößl, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz.

Wenn Polizisten Täter verfolgen, die über die Grenze in ein anderes Land flüchten, sprechen sie von „Nacheile“. Dies ist in beide Richtungen möglich und auch rechtlich zulässig. Demnach dürfen deutsche Beamte auf tschechisches Gebiet und umgekehrt, wenn die Verfolgungsfahrt in Tschechien beginnt. Möglichst schnell und reibungslos müssen sich Dienststellen der Länder jedoch darüber abstimmen. Dafür gibt es ein Konzept, nach dem sich die Einsatzzentralen in Regensburg und Pilsen richten. Beide Leitstellen treten dann direkt miteinander in Kontakt und kommunizieren über Dolmetscher, die rund um die Uhr im Zentrum in Schwandorf zur Verfügung stehen.

Dieses „Gemeinsame Zentrum der deutsch-tschechischen Polizei- und Zollzusammenarbeit“ ist eine Service-Dienststelle. Dort arbeiten tschechische und bayerische Polizisten, die Bundespolizei und der Zoll beider Länder rund um die Uhr. Sie wickeln daher eilige Hilfsersuchen deutscher und tschechischer Behörden rasch ab. Die „Nacheile“ ist ein klassischer Fall dafür und wurde unter Leitung des Gemeinsamen Zentrums schon in zahlreichen Fällen praktiziert.

Bei der vergangenen Übung verfolgte eine Streifenbesatzung der Polizeiinspektion Roding das flüchtende Fahrzeug bis Kdyně auf tschechischem Gebiet, unweit der bayerisch-böhmischen Grenze. Dort wurden die Täter mit Hilfe der herbeigeeilten tschechischen Polizeikräfte gestellt. Normalerweise wird der Fall durch die örtliche Polizei weiter bearbeitet. Damit die Täter ausgeliefert werden, müssten deutsche Behörden im vorliegenden Fall ein förmliches Rechtshilfeersuchen stellen.

Der Übungsleiter des Polizeipräsidiums Oberpfalz, Jürgen Dodell, betonte die Notwendigkeit, die „Nacheile“ ständig zu trainieren. Denn „dabei sind neben taktischen Überlegungen bei der Fahndung auch kommunikationstechnische Abläufe entscheidend“, so Dodell. Zudem müssen sprachliche Hindernisse bewältigt werden.  



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