Für eine andere Welt

Für eine andere Welt

Das Kunstzentrum DOX zeigt eine Werkschau des polnischen Künstlers Krzysztof Wodiczko

27. 2. 2013 - Text: Franziska NeudertText: Franziska Neudert; Foto: Krzysztof Wodiczko/DOX

 

Kann Kunst die Welt verbessern? Oder sie verändern? Das hoffen viele Künstler. Vor allem Vertreter der sogenannten Konzeptkunst, denen es mit ihrem Werk nicht so sehr um dessen materielle Präsenz geht, als vielmehr um die Bedeutungen und Assoziationen, die andere bei seiner Rezeption entwickeln. Im Idealfall entstehen Impulse zu einer gesellschaftlichen Veränderung. Der Warschauer Krzysztof Wodiczko gehört zu einem dieser Künstler, die mit ihren Arbeiten immer ein bisschen Stachel im Fleisch sein wollen, die das Auge auf das richten, was sonst keiner richtig wahrhaben will, und denen daran gelegen ist, dass der Betrachter noch eine Weile über ihr Werk nachdenkt. Seit über 40 Jahren wandelt der 69-Jährige durch die Kunstgeschichte.

Bekannt wurde  er hauptsächlich für seine öffentlichen Großleinwand-Projektionen an Gebäudefassaden, mit denen er bisher über 80 Länder besuchte. Die Inhalte kreisen um schwerverdauliche Themen wie Krieg, Traumata, kollektives Gedächtnis und Kommunikation im öffentlichen Raum. Zum ersten Mal ist sein Werk in der Tschechischen Republik zu sehen: Das Kunstzentrum DOX präsentiert mit „Out/Inside(rs)“ eine umfassende Auswahl seiner Arbeiten.

Wodiczko kam 1943 in Warschau zur Welt. Dort studierte er an der Akademie der Bildenden Künste Produktdesign und entwarf Gebrauchselektronika. In den frühen Siebzigern nahm er seine Arbeit an den „Vehicles” auf – eine Serie, die er 16 Jahre später nach seiner Auswanderung nach Kanada zum berühmten „Homeless Vehicle Project” („Obdachlosen-Fahrzeug-Projekt”) ausarbeitet. Aus Draht, Blech und Plexiglas bastelte der Künstler ein Allzweckgefährt für Obdachlose, das tagsüber als Sammelbehälter für allerhand Gegenstände, nachts als Schlafstätte dient. Nicht nur praktische Überlebenshilfe sollte es sein, sondern auch politische Geste: Mit den Mitteln der Kunst wird die soziale Kälte einer Welt vorgeführt, die Millionen ins soziale Abseits katapultiert.

Seitdem hat Wodiczko nicht aufgehört, gesellschaftliche Minderheiten in den Fokus zu rücken. Beständig geht es ihm um die, die vergessen und verdrängt oder nur selten gehört werden. So auch in dieser Ausstellung. Bis 6. Mai können die Arbeiten Wodiczkos in Holešovice besichtigt werden. Neben Video-Dokumentationen seiner öffentlichen Aktionen ist auch der Namensgeber der Schau zu sehen: Hinter „Out/Inside(rs)“ verbirgt sich eine Videoarbeit über die Roma-Kinder des deutsch-tschechischen Grenzraums, die Wodiczko auf die Statuen historischer tschechischer Persönlichkeiten projiziert. Damit legt er den Finger in eine Wunde, die erst im vergangenen Jahr im Schluckenauer Zipfel aufklaffte, als tschechische Neo-Nazis gegen die dort ansässige Roma-Minderheit demonstrierten.

Die künstlerische Sprache Wodiczkos wurde inzwischen als „interrogatives Design” bekannt – eine Verbindung aus neuester Technik und nachbohrender Kunst. Sie brachte ihm zahlreiche Preise ein, unter anderem den „Hiroshima Art Prize“ für seinen Beitrag zum Weltfrieden.

Krzysztof Wodiczko. Out/Inside(rs), DOX (Poupětova 1, Prag 7), geöffnet: Mo., Sa./So. 10–18 Uhr, Mi.–Fr. 11–19 Uhr (dienstags geschlossen), Eintritt: 180 CZK (ermäßigt 90 CZK), bis 6. Mai



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