„Es mangelt an Transparenz“

„Es mangelt an Transparenz“

Trotz Problemen ist Tschechien für den Konzern Hochtief ein attraktiver Standort

9. 4. 2014 - Interview: Corinna Anton, Titelbild: Stanislav Milata, Jaromír Zubák

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Der Baukonzern Hochtief ist seit 1999 als Mehrheitsaktionär der damaligen Firma VSB in Tschechien aktiv. Als Hochtief CZ beschäftigt er derzeit etwa 1.100 Mitarbeiter. Jörg Mathew ist seit einem Jahr Vorstandsmitglied und Finanzdirektor des Unternehmens. Im Gespräch mit PZ-Redakteurin Corinna Anton erklärt er, was für den Standort Tschechien spricht und was deutschen Firmen Probleme bereitet.

Hochtief ist seit 15 Jahren in Tschechien vertreten. Warum hat sich das Unternehmen damals entschieden, hier zu investieren?

Jörg Mathew: Tschechien besitzt eine strategisch hervorragende geographische Position in Europa. Etwa ein Drittel seiner Gesamtgrenze ist die zu Deutschland. Hierdurch und durch die gut ausgebildeten Mitarbeiter ist Tschechien auch für unsere deutschen Kunden, die wir als Bauunternehmen ins Ausland begleiten, sehr attraktiv.

Würden Sie heute wieder in Tschechien investieren?

Mathew: Hochtief konzentriert sich auf die deutschen Anrainerstaaten. Insofern und auch aus dem zuvor Gesagten: Ja, wir würden sicherlich erneut in Tschechien investieren.

Kennen Sie aus eigener Erfahrung „typische“ Probleme deutscher Unternehmen in Tschechien?

Mathew: Wir machen leider immer wieder negative Erfahrungen mit der tschechischen Rechtssprechung. Die Gerichte fällen ihre Entscheidungen sehr langsam. Auch vielen politischen Entwicklungen mangelt es an Transparenz.

Welche Vorzüge bietet der Standort Tschechien gegenüber anderen?

Mathew: Gut ausgebildete Mitarbeiter, ein attraktiver Binnenmarkt und ein relativ problemloser Beschaffungsmarkt erleichtern unsere Tätigkeit hier.

Was würden Sie einem deutschen Unternehmer raten, der ein Werk oder eine Tochterfirma in Tschechien eröffnen möchte?

Mathew: Hochtief und auch viele andere deutsche Unternehmen greifen nahezu zu 100 Prozent auf tschechische Mitarbeiter zurück, einschließlich des Managements. Um die lokalen Möglichkeiten optimal nutzen zu können, ist dies sicherlich eine wichtige Grundsatzentscheidung.