Eklat um Medikamente im Pferdefleisch

Eklat um Medikamente im Pferdefleisch

Tschechische und polnische Veterinäre streiten über Herkunft vergifteter Lieferung

10. 4. 2013 - Text: Klaudia HanischText: kh/čtk; Foto: Paolo Camera/flickr

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In einer Metzgerei im mährischen Ostrava ist in der vergangenen Woche kontaminiertes Pferdefleisch aufgetaucht. Auf ein Kilogramm Fleisch wiesen Veterinärinspektoren zehn Milligramm Phenylbutazon nach. Das Medikament wird zumeist zur Behandlung von Gelenkkrankheiten bei Rennpferden verabreicht und ist nach EU-Recht für Schlachttiere, die zu Fleisch verarbeitet werden, verboten. Das verunreinigte Fleisch stammte laut Veterinärbehörde aus Polen. Insgesamt 320 Kilo Pferdefleisch sollen an die Metzgerei in Ostrava geliefert worden sein.

So geht es aus der Rechnung für das verkaufte Fleisch an die Metzgerei hervor.

Für den Chef der polnischen Veterinärbehörde Janusz Związek ist das kein ausreichender Beleg, um die Medien über die Quelle des verunreinigten Fleisches zu informieren. „Die tschechische Veterinärbehörde hat voreilig gehandelt. Wie sie selbst sagt, sind die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen“, sagte Związek. Das polnische Agrarministerium teilte mit, man wolle die Fleischproben aus Ostrava in Polen untersuchen. Nach dem Vorfall haben polnische Veterinäre in der Schlachterei im schlesischen Wodzisław, aus dem das Fleisch stammte, Tests durchgeführt, jedoch kein Phenylbutazon nachweisen können. „Seit sechs Jahren hat man in polnischen Fleisch keine Phenylbutazonspuren gefunden“, erklärte Związek. Der stellvertretende Agrarminister Tadeusz Nalewajk erklärte im polnischen Senat, er traue den Testergebnissen der tschechischen Veterinärbehörde nicht und wolle die Untersuchungen der polnischen Veterinäre abwarten.

Die tschechische Behörde sagte, die importierten 320 Kilo Pferdefleisch seien bereits weiterverarbeitet und ausgeliefert worden. Es sei nicht mehr möglich, weitere Fleischproben der Lieferung zu untersuchen. Die Menge des gefundenen Medikaments sei für Menschen zwar nicht gesundheitsschädlich, jedoch wolle man weiterhin aus Polen stammendes Fleisch kontrollieren. Das polnische Agrarministerium plant im kommenden Jahr eine Werbekampagne zur Verbesserung des Images polnischer Lebensmittel in Tschechien und der Slowakei, in die sie etwa eine halbe Million Złoty (rund 120.000 Euro) stecken will.