Ein Spiel aus Licht und Raum

Ein Spiel aus Licht und Raum

Jiří Hilmars Werkschau im Museum Kampa lotet die visuelle Wahrnehmung aus

26. 2. 2015 - Text: Isis-Victoria RampfText: Isis Rampf

Bewegung und Stille, Körper und Geist, Natur und Mensch – so heißen die großen Themen des tschechischen Künstlers Jiří Hilmar. Immer wieder setzt sich der 78-Jährige mit Licht und Raum auseinander und verwickelt den Betrachter damit in ein besonderes Wahrnehmungsspiel mit seinen Werken. Die Retrospektive „Adagio“ im Museum Kampa präsentiert plastische Arbeiten Hilmars, die den Betrachter aktiv in ihre Rezeption verwickeln.
Im Mittelpunkt der Schau stehen Hilmars Werke der sechziger bis achtziger Jahre. 1967 widmete die Prager Galerie Fronta dem Künstler erstmals eine Einzelausstellung. Die damals präsentierten Papierreliefs und kinetischen Objekte sind nun ebenso zu sehen wie die späteren Holzskulpturen.

Jiří Hilmar kam 1937 in Hradec Králové zur Welt. Von 1952 bis 1956 studierte er an der Kunst­gewerbeschule in Prag, wo er 1967 die Künstlerbewegung „Klub der Konkretisten“ mitbegründete. In dieser Zeit setzte sich Hilmar vor allem mit dem Thema Raum auseinander, den er nicht nur als eine dreidimensionale Begrenzung wahrnimmt, sondern vielmehr als ein Milieu, dessen historische und soziale Aspekte die Menschen formen. Die menschliche Existenz dreht sich  für Hilmar wiederum nicht um den Einzelnen, sondern um das große Ganze – die Natur –, dessen Teil sie ist. Diese Gedanken spiegeln sich in den Objekten Hilmars wider und verbinden sich mit der nüchternen Erkenntnis, dass Mensch und Natur doch immer wieder voneinander abweichen. Es entstanden die ersten Papierreliefs, die auf den ersten Blick zwar eine regelmäßige Struktur zeigen, sobald sich der Betrachter jedoch von ihnen entfernt und sich um sie herum bewegt, eine andere Gestalt offenbaren.

Dieses Spiel mit Bewegung, Raum, Licht und Reflexion lässt sich an den auf der Kleinseite ausgestellten Objekten nachvollziehen. Optische Täuschungen und ihre Wirkung gehören untrennbar zu den Werken, in den Augen des Besuchers verbinden sie sich zu einer ganz individuellen Kunsterfahrung. Das Gesamtbild der Reliefs ändert sich beispielsweise je nach Lichteinfall und dem Blickwinkel hin zur Plastik. Die Papierreliefs befinden sich zudem in Glaskästen, um durch Lichtreflexion zusätzlich mit der Wahrnehmung des Betrachters zu spielen. Damit erhält der Besucher eine aktive Rolle in der Wahrnehmung des Kunstwerks, seine Interaktion wird in diese maßgeblich mit eingeschlossen.

Die Stücke machen Hilmar, der seit 1973 in der Künstlersiedlung Halfmannshof in Gelsenkirchen lebt, zu einem bedeutenden Vertreter der tschechischen geometrischen Abstraktion und der Op-Art, deren Wirkung auf abstrakte Formmuster und irritierende optische Effekte beruht.

Jiří Hilmar: Adagio. Museum Kampa (U Sovových mlýnů 2, Prag 1), geöffnet: täglich 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 120 CZK (ermäßigt 60 CZK), bis 17. Mai, www.museumkampa.cz



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