Ein Ort der kulturellen Begegnung

Ein Ort der kulturellen Begegnung

Das „Egon Schiele Art Centrum“ in Český Krumlov feiert runden Geburtstag

1. 11. 2012 - Text: Stefan WelzelText: Stefan Welzel; Foto: APZ

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Er war einer der aufstrebenden Künstler der Wiener Moderne und gegen Ende seines kurzen Lebens bereits einer ihrer angesehensten Vertreter: Egon Schiele. Der expressionistische Maler war Protegé Gustav Klimts und kurzzeitig Weggefährte von Oskar Kokoschka. Seine Bilder und Skizzen gehören heute zu den begehrtesten des internationalen Kunstmarktes.

Schieles Werke sind vor allem in renommierten Galerien in Wien, Prag oder New York zu bestaunen. Aber auch im südböhmischen Český Krumlov (Krummau) gedenkt man mittels eines Kunstzentrums einem der bekanntesten (Enkel-)Söhne der Stadt. Seit 1992 beheimatet ein prächtiger Renaissance-Bau im Herzen des malerischen Touristenortes das Egon Schiele Art Centrum. In Český Krumlov verbrachte der Spross eines niederösterreichischen Bahnhofsvorstehers einige Zeit im selbstgewählten Exil. Der Geburtsort seiner Mutter war für den exzentrischen Maler ein idyllischer Zufluchtsort, in dem er Anfang der 1910er Jahre mit Freundin und Gesinnungsgenossen einen ausufernden, bohemistischen Lebensstil pflegte. In der ländlichen Gesellschaft von Krummau stieß dieser jedoch nicht überall auf Gegenliebe. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen war sein Aufenthalt in Südböhmen ein äußerst produktiver. Davon, aber auch vom gesamten Lebenswerk und -leid Schieles berichtet die Institution, die im November ihr 20-jähriges Bestehen feiert.

Wenige Originale
Dass es überhaupt dazu kam, ist in erster Linie dem östereichisch-amerikanischen Kunstsammler Serge Sabarsky zu verdanken. 1939 floh dieser vor den Nationalsozialisten in die USA, wo er im Verlauf seines Lebens zahlreiche, vor allem expressionistische Werke sammelte. Die Idee, in dem Renaissance-Städtchen Český Krumlov ein Kunstzentrum aufzubauen, kam dem umtriebigen Sabarsky schon sehr bald nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. In Zusammenarbeit mit dem damaligen Direktor des Museums Moderner Kunst in Passau Gerwald Sonnberger sowie der auch heute noch verantwortlichen Museumsdirektorin Hana Jirmusová gelang es ihm, die Gemeinde sowie diverse weitere politische Instanzen für das Projekt zu gewinnen. 1992 begannen die Renovierungsarbeiten am heruntergekommenen Bau – bereits Ende 1993 stand die erste Schiele-Ausstellung. Es folgte eine Erfolgsgeschichte, die Český Krumlov um einen modernen, multifunktional ausgerichteten Ort der kulturellen Begegnung bereichern sollte. Neben einer permanenten Ausstellung zum Leben des Expressionisten sind im Zentrum auch einige, wenn auch wenige originale Aquarelle und Skizzen des Namensgebers sowie wechselnde Schauen klassischer wie zeitgenössischer Kunst zu sehen. Ein Teil des Gebäudes wird darüber hinaus für längere Studien- und Arbeitsaufenthalte von internationalen wie einheimischen Künstlern als Atelier genutzt.

Großer Feiertag wird Samstag, 3. November sein. Zu Ehren des 1996 verstorbenen Mitbegründers Sabarsky finden ab 15 Uhr diverse Veranstaltungen wie Live-Art-Performances, Videoinstallationen, Musik und Tanz österreichischer und tschechischer Künstler statt. Eine Fotoausstellung zur Geschichte des Zentrums sowie eine Auswahl an Werbeplakaten des Hauses der vergangenen zwei Dekaden laden die Besucher auch in den kommenden Wochen dazu ein, sich der in Tschechien einmaligen Institution zu widmen.

20 Jahre Egon Schiele Art Centrum, Samstag, 3.11., ab 15 Uhr, Široká 71, Český Krumlov, www.schieleartcentrum.cz