Ein Baby namens Big Band
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Ein Baby namens Big Band

Die „Pavel Sandorf Big Band“ trat in den letzten Jahren mit vielen Stars im Showgeschäft auf. Gitte Hænning und Marlene Charell zum Beispiel, auch Hugo Strasser, Stefanie Hertel und Stefan Mross. Der schnauzbärtige Tscheche war besonders Hugo Strasser gerne zu Diensten, einem der bekanntesten Swing- und Jazzmusiker in Deutschland. „Ich habe ihn immer bewundert, auch seinen Werdegang vom namenlosen Musiker zu einem deutschlandweit gefragten Bandleader genau verfolgt“, so Sandorf. „Strasser ist stets bescheiden geblieben, hat in der Garderobe sogar Tipps gegeben, etwa ein Mundstück empfohlen, mit dem man einen bestimmten Klang erzeugen kann.“ Zuvor hatte Sandorf befürchtet, dass sich der berühmte Musiker nicht einmal mit ihm unterhalten würde. Doch Strasser, der 2016 verstarb, kannte keine Starallüren. „Er kam, winkte uns zu und tat so, als ob wir schon Jahrzehnte zusammenspielen würden. Ein durch und durch angenehmer Mensch, den ich nie vergessen werde.“

Im Gedächtnis blieb Sandorf auch ein Sänger, der genau das Gegenteil war. Er wird öffentlich dafür gerühmt, immer fröhlich zu sein und stets gute Laune zu verbreiten. Tatsächlich begegnete Sandorf einem Mann, dessen ständige Unzufriedenheit und fortwährende Klagen nicht nur seine Big Band zu ertragen hatte, sondern alle Mitarbeiter. „Er war gefürchtet, schon bevor er kam“, erfuhr Pavel Sandorf. „Ich hatte das Gefühl, dass er persönliche Unsicherheit mit einer gewissen Arroganz überdeckt.“ Noch immer wundert er sich darüber, dass dieser Sänger trotzdem eine große Karriere machte.

Sandorf will auch einmal in Tschechien auftreten. | © Herbert Bauer

Pavel Sandorf ist mit seinen Musikern vor allem in Bayern gefragt, gastierte auch schon in Berlin und im deutschsprachigen Ausland. Nicht aber in seinem Heimatland. „Das liegt wohl einfach daran, dass wir immer nur deutschsprachige Sänger begleitet haben“, führt er aus, „und damit ergab sich einfach keine Gelegenheit für Gastspiele in Tschechien.“ Zumindest bisher nicht …

Eine internationale Formation war seine Big Band dennoch. Denn nach den Revolutionen Anfang der 90er Jahre integrierte er Musiker aus vielen Nationen. „Ich habe mir als Kind immer gewünscht, dass die Grenzen in Europa fallen“, sinniert der Musiker, „und als das passierte, war es für mich das größte Ereignis in meinem Leben!“

Sandorf wollte anschließend Menschen aus möglichst vielen Ländern zusammenbringen. „Sie sollten sich gut verstehen, am besten Freunde werden.“ Er suchte nach solchen Musikern, schaltete Inserate, warb durch Mundpropaganda. „Viele stellten sich vor, einige blieben ein paar Jahre – und es kam, wie ich erhofft hatte.“

Sandorf ist stolz auf sein internationales Orchester.

Pavel Sandorf zählt auf: „Bei uns spielten Musiker aus allen Ecken der alten Sowjetunion, Usbeken, Turkmenen, ein Kasache, Musiker aus Sibirien, dazu ein polnischer Bassist, ein Kanadier, Italiener, Engländer, auch einer aus Tschechien, der bereits in München lebte.“ Musik überwand die sprichwörtlichen Grenzen und wurde zur gemeinsamen Sprache. „Bis heute bin ich überzeugt davon, dass sie eine Hilfe ist, um sich zu treffen und negative Gedanken zu vertreiben“, zeigt er sich stolz und glücklich über das Ergebnis.

Seit mehr als drei Jahrzehnten gibt es seine Big Band, frühzeitig hat Sandorf darin junge Musiker gefördert. Für ihn ebenfalls eine Herzensangelegenheit. „Wir haben sie in unsere Konzerte eingebaut und wann immer es möglich war, ließen wir einen Jugendlichen zwei oder drei Stücke spielen.“ Geeignete Talente fand er, weil Sandorf nebenbei als Musiklehrer an einem Gymnasium in Nürnberg und einer Realschule in Feucht arbeitete. „Für viele ist es das Höchste: Erst 14 Jahre alt und in einer Big Band ein Solo spielen – ich hätte mich in diesem Alter auch gefreut, wenn ich solch eine Erfahrung hätte machen können.“ Für ihn Motivation genug, dies anderen zu ermöglichen.

Nicht alltäglich war auch sein Engagement für eine Big Band, in der ausschließlich Ärzte mitwirken. „Wirklich ungewöhnlich“, wundert sich Pavel Sandorf selbst über das Projekt. Mediziner unterschiedlichen Alters und mehrerer Fachdisziplinen verband der Spaß an der Musik, doch sie schafften es nie, fest in einem Ensemble zu spielen. Bis die Ärztevereinigung „go-in“ in Ingolstadt auf die Idee kam, diese musizierenden Mediziner zusammenzubringen. Einige Versuche waren zuvor gescheitert, doch eine gemeinsame Big Band funktionierte. Pavel Sandorf übernahm die Leitung.

„Das war super“, schwärmt er von der Zusammenarbeit, „alle waren mit Begeisterung dabei, jeder hat fleißig geübt.“ Mittlerweile sind die Mitglieder miteinander befreundet. Ein großer Kreis, der viel gemeinsam unternimmt. „Klar“, sagt Sandorf, „das ist Amateur-Niveau, aber es klingt gut.“ Mehrmals im Jahr geben die Ärzte Benefizkonzerte für einen guten Zweck.

Die Big Band bei einem Auftritt im Jahr 2017 | © Herbert Bauer

„Pavel, alter Tscheche, hau rein“, feuert Volker Heißmann seinen Mitstreiter bei der „Fastnacht in Franken“ gerne an. Seit vielen Jahren begleiten die „Sandorfer“ den fränkischen Sänger und Comedian auch auf dessen eigenen Tourneen. Pavel Sandorf schreibt viele Arrangements für das Spektakel in Veitshöchheim. „Manchmal habe ich schlaflose Nächte, weil es mittlerweile so viele Beiträge gibt“, plaudert er aus dem Nähkästchen.

„Unser tschechischer Botschafter“, preist ihn Heißmann zuweilen scherzhaft an. „So viel Botschafter bin ich gar nicht“, winkt Pavel Sandorf ab. Seinen wunderbaren böhmischen Akzent hat er sich freilich erhalten. Auch nach so vielen Jahren in Deutschland.

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