Der Geheimtipp im Adlergebirge

Der Geheimtipp im Adlergebirge

Nahe Jablonné nad Orlicí kann man abseits großer Touristenströme durch romantische Winterlandschaften spazieren oder mit Einheimischen auf gut präparierten Loipen skaten

18. 2. 2015 - Text: Stefan WelzelText und Foto: Stefan Welzel

 

Die Wanderpfade sind eigentlich ganz ordentlich markiert. Etwa alle 100 Meter wird dem Spaziergänger rund um die Kleinstadt Jablonné nad Orlicí die Richtung gewiesen. Im tiefsten Winter kann es jedoch vorkommen, dass Wege oder Bäume – und somit auch Markierungen – komplett eingeschneit sind und auch nicht so schnell wieder freigeräumt werden. Spätestens dann merkt der Besucher, wie wenig Menschen hier zwischen Dezember und März unterwegs sind. Es bedarf einiger Abenteuerlust, um die weißen Hügelzüge im östlichen Adlergebirge zu erkunden.

Nur wenige Kilometer von der Hauptbahnstrecke von Prag nach Olomouc entfernt findet man eine idyllische Mittelgebirgslandschaft, die vor allem im Sommer zahlreiche Radfahrer und Wanderer begeistert. In der kalten Jahreszeit verliert die Gegend aber ihre touristische Strahlkraft an die nahe gelegenen Wintersportorte Králíký und Červená Voda mit ihren alpinen Skigebieten. Wer es allerdings gemütlich mag und gerne ungestört in verschneiten Wäldern wandern geht, ist hier genau richtig.

Fast allein ist man in den Wandergebieten in tiefer gelegenen Regionen rund um den Gipfel Suchý vrch. Sobald man höhere Lagen erreicht, kreuzt man die Langlauf-Loipen des kleinen Naturreservats „Suchý vrch a Buková hora“. Auf über 35 Kilometern können sich Sportbegeisterte auf den bestens präparierten Loipen austoben und dabei eine herrliche Aussicht bis ins Riesengebirge im Nordwesten, auf den Glatzer Schneeberg (Králický Sněžník) im Osten sowie ins polnische Tiefland genießen. Die Grenze zum Nachbarland ist nach circa eineinhalb Stunden Fußmarsch erreicht. Es fällt auf, dass die Loipen keineswegs überlaufen sind und überwiegend von Einheimischen genutzt werden.

Beschauliche Gaststätten
In Richtung Süden braucht man auf dem Hügelkamm entlang laufend nicht mehr als eine halbe beziehungsweise eine Stunde, um den Sattel namens Červenovodské sedlo und später den Berg Buková hora zu erklimmen. Bei Letzterem befindet man sich bereits im gleichnamigen Skigebiet. Doch aufgepasst: Es empfiehlt sich, entweder als Langläufer oder mit Schneeschuhen unterwegs zu sein. Der einfache Wanderer muss sich, wie eingangs beschrieben, an die nicht immer gut begeh- und vor allem sichtbaren Pfade für Fußgänger halten.

Entlang dieser Wege existieren mehrere beschauliche Einkehrmöglichkeiten wie zum Beispiel die Baude „Kramářova chata“, ein kleines, aber edles Wellness-Hotel mit typischer Skihütte. Hier isst man bodenständig-deftige Gerichte wie zum Beispiel eine Gulasch-Suppe für nur 30 Kronen. Auf dem höchsten Punkt des Červenovodské sedlo befindet sich ebenfalls eine kleine Gaststätte sowie eine Außenstelle der Touristeninformation.

Wer weniger Höhenmeter überwinden will und es nicht allzu sportlich mag, ist auf den Wanderwegen rund um die am Fuße des Berges Suchý vrch gelegenen Ortschaften besser aufgehoben. Besonders auf dem sogenannten Jirásek-Weg (Jiráskova cesta), benannt nach dem berühmten Schriftsteller, Historiker und Politiker Alois Jirásek, lässt es sich wunderbar durch romantische Wälder spazieren. Zuweilen geht es auch hier ordentlich bergauf – man trifft aber garantiert keine Langläufer. Der Pfad führt über kleine Bäche, tief verschneite Lichtungen und durch hohe Nadelwälder. In dieser malerischen Umgebung findet man die Ruhe, vor der man aus der Stadt geflüchtet ist und die große Wintersportzentren vermissen lassen.

Idealer Ausgangspunkt
Der Jirásek-Weg beginnt in Broumov (Braunau) und führt über 170 Kilometer bis nach Litomyšl. Das Teilstück zwischen der Kleinstadt Jablonné nad Orlicí und dem Weiler Orličky legt der entspannte Wanderer in ungefähr zwei Stunden zurück. Ein kleiner Rundgang, der am Dorf Jamné nad Orlicí vorbei führt, ist sehr empfehlenswert. Man durchquert die typischen ländlichen Weiler mit schicken alten Bauern- und Reithöfen, Dorfkneipen und Feldwegen, die sich über die sanft ansteigenden Kuppen vom Schnee verwehter Hügel ziehen.

Jablonné nad Orlicí dient als idealer Ausgangspunkt für diverse Ausflüge – egal zu welcher Jahreszeit. Einerseits liegt der Ort direkt an der gut erschlossenen Bahnlinie zwischen Ústí nad Orlicí und dem Grenzdorf Lichkov, andererseits erreicht man auch mit dem Auto schnell die  umliegenden Touristenattraktionen. Dazu gehören unter anderem das Barockschloss Potštejn, die Wallfahrtsstätte Muttergottesberg mit Kloster (Hora Matky Boží) sowie eine tschechoslowakische Bunkeranlage aus den dreißiger Jahren (Dělostřelecká tvrz Bouda). Allerdings eignen sich diese Ziele eher für einen Besuch in wärmeren Jahreszeiten. Bis dahin können sich Gäste den Schönheiten einer Region widmen, die abseits großer Touristenströme ein beschauliches Dasein fristet – und gerade deswegen im Winter ein Geheimtipp für Individualreisende ist.

Touristenattraktionen

Das östliche Adlergebirge zwischen Ústí nad Orlicí und Králíky bietet nicht nur Wintertouristen zahlreiche Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung. In den warmen Jahreszeiten ist das Gebiet vor allem bei Wanderern, Radfahrern, Pilgern und historisch Interessierten beliebt.

Bunkeranlage Dělostřelecká tvrz Bouda. Das Kulturdenkmal der Tschechischen Republik war eine Artillerie-Befestigung der tschechoslowakischen Armee und wurde zwischen 1935 und 1938 erbaut. Geöffnet: ganzjährig, Führungen im Winterhalbjahr zwischen 11 und 15 Uhr alle zwei Stunden, www.boudamuseum.com

Schloss Potštejn. Die Anlage aus dem Spätbarock hat ihre Wurzeln im 13. Jahrhundert und gehörte unter anderem zum Besitz des böhmischen Königs Georg von Podiebrad. Heute beherbergt sie ein Museum sowie ein Hotel. Öffnungszeiten des Museums: April & Oktober: Sa. & So. 9 bis 16 Uhr, Mai bis September: täglich 9 bis 17 Uhr, Jarníkova 1, 517 43 Potštejn, www.zamekpotstejn.cz

Wallfahrtsort Muttergottesberg. Pilgerstätte mit Kloster, gegründet vom Bischof von Königgrätz Tobias Johannes Becker Ende des 17. Jahrhunderts. Barockbau mit Neorenaissance-Mobiliar. Eine Pilgergaststätte bietet das ganze Jahr über günstige Unterkünfte an. Kopeček 1, 561 69 Králíky (Kloster), Dolní Hedeč 2, Králíky 561 69 (Pilgergaststätte), www.klasterkraliky.cz, www.poutnidum.cz

Adressen und Kontakte

Skigebiet Buková Hora. 9 Kilometer alpine Pisten, Snow- und Kinderpark, erreichbar über die  Ortschaften Čenkovice und Červená Voda, www.skibukovka.cz

Wander- und Sportgebiet Suchý vrch. 35 Kilometer Loipen, Wildtierpark, Schneeschuh- und Wanderpfade, erreichbar über die Ortschaften Jablonné nad Orlicí, Jamné nad Orlicí und Orličky, www.suchyvrch.com

Kramářova chata. Wellness-Hotel mit Restaurant der gehobeneren Klasse auf dem Gipfel des Suchý vrch, Skihütte mit Selbstbedienungstheke, Doppelzimmer ab 1.000 CZK pro Nacht, Orličky 186, 561 55 Orličky, www.suchak.cz

Weitere Informationen für Touristen unter: www.adlergebirge.cz, www.orlicko.cz, www.ostboehmen.info/www.east-bohemia.info



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