Der Außenseiter im Mainstream

Der Außenseiter im Mainstream

„Die Welt des Tim Burton“ zeigt die Vielseitigkeit des Filmemachers

22. 5. 2014 - Text: Annika NielsenText: Annika Nielsen; Bild: GHMP/Tim Burton

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Rund 500 Zeichnungen, Bilder, Fotos, Skizzenbücher, Bewegtbild-Arbeiten und Videoclips des Autors, Filmregisseurs und Produzenten Tim Burton sind in der Galerie der Hauptstadt Prag zu sehen. Die Wanderausstellung, die einen umfangreichen Einblick in Burtons Lebenswerk gewährt, begeistert seit Jahren rund um den Globus Fans und Faszinierte der schaurig-schönen Fantasiewelten.

Die Exponate stammen aus dem privatem Archiv des Amerikaners, der vor allem durch seine Filme wie „Batman“ (1989), „Edward mit den Scherenhänden“ (1990), „Corpse Bride“ (2003) oder „Alice in Wonderland“ (2010) bekannt ist. Die Schau im Haus zur Steinernen Glocke am Altstädter Ring enthüllt jedoch weit mehr als seine Filmarbeiten und zeigt das Werk eines vielseitig Begabten, der seinem morbid-fantastischen, unverwechselbaren Stil stets treu bleibt.

Durch Vielseitigkeit besticht vor allem seine Technik und weniger die Motivwelt. Erwartungsgemäß sind hauptsächlich Skizzen zu sehen. Diese sind, gerade für Filmfans, vor allem dann interessant, wenn auf ihnen die Anfangsstadien und die Entwicklung bekannter Filmfiguren wie zum Beispiel Edward mit den Scherenhänden zu erkennen sind.

Dass bei der Umsetzung von Burtons Ideen zu Filmmaterial noch kein Ende in Sicht ist, beweisen die unzähligen Ausstellungsstücke mit bisher unbekannten Kreaturen, die wohl alle Potenzial hätten, in Geschichten eingebaut zu werden. Geschichten, angesiedelt in Welten, die an Kinder(alb)träume erinnern. Die Protagonisten sind missverstandene Außenseiter, oft in Form von liebenswürdigen Monstern. Burton hält sie nicht nur auf hochwertigem Papier, sondern auch auf Schnipseln und Servietten fest.

Die schiere Fülle an Skizzen ist für den Besucher kaum richtig zu erfassen, umso mehr erfreut deshalb die Auflockerung durch andere Medien. In ihnen macht sich das Talent des 55-jährigen Kaliforniers erst richtig bemerkbar. Wer sich zuvor noch nicht mit dessen Gesamtwerk auseinandergesetzt hat, ertappt sich vielleicht dabei, von der hohen Qualität der Gemälde auf Leinwand überrascht zu sein. Diese wirken aufgrund der kräftigen Farben und des Detailreichtums intensiver als die Skizzen und konfrontieren den Betrachter einmal mehr mit dem Spiel zwischen Komik und Tod, dem stets wiederkehrenden zentralen Motiv der Burton-Filme.

Als kleines unerwartetes Highlight erweist sich ein Raum mit Polaroid-Bildern. In den neunziger Jahren fertigte Burton übergroße Polaroid-Fotografien, die oftmals während Dreharbeiten entstanden und somit direkt an die Filmwelten anknüpfen. Allerdings können diese einiges düsterer und je nach Motiv – eine Serie zeigt eine weibliche Puppe, die sich selbst zersägt – ziemlich verstörend wirken.

Tim Burtons Arbeit zeichnet eine Ästhetik aus, die nicht jedermanns Sache sein dürfte. Genau genommen ist sie es aber, denn seine Horror-Komik ist dank seiner erfolgreichen Filme schon längst im Mainstream angekommen. Ein Blick auf die Besucherströme im Haus zur Steinernen Glocke verdeutlicht dies. Von Einheimischen bis Touristen aller Nationalitäten, von Kleinkindern bis hin zu Reisegruppen und älteren Frauen – sie alle wollen eintauchen in die niedliche Schauerwelt.

Leider gelingt dieses Eintauchen trotz Berieselung durch Musik von Danny Elfman, mit dem Burton seit den achtziger Jahren zusammenarbeitet, nur schlecht. Auch wenn es sich um die Präsentation des Lebenswerks handelt, hätte man sich doch eine stimmigere Ausstellungskonzeption erhoffen dürfen, die dem Besucher weniger die Quantität als vielmehr die Atmosphäre der Burton-Welt näherbringt.

Die Welt des Tim Burton. Galerie hlavního města Prahy/Dům U Kamenného zvonu (Staroměstské náměstí 13,
Prag 1), geöffnet: täglich außer montags 10 bis 20 Uhr, Eintritt: 190 CZK (ermäßigt 130 CZK),
bis 3. August