Dem Druck standgehalten

Dem Druck standgehalten

Die tschechischen Biathleten vollbringen Historisches bei der WM

19. 3. 2015 - Text: Stefan WelzelText: Stefan Welzel; Foto: Miroslav Tomeš

Ondřej Moravec erwies sich erneut als Mann der großen Wettkämpfe. Wie schon bei den Olympischen Spielen in Sotschi zeigte sich der 30-Jährige auch bei der WM in Bestform. Beim Saisonhöhepunkt im finnischen Kontiolahti gewann Moravec im Einzelrennen über 20 Kilometer sowie im Massenstart über 15 Kilometer Bronze und Silber und war somit der herausragende Athlet eines starken Teams, das insgesamt vier Mal Edelmetall holte. Glanzpunkt dieser historisch besten Ausbeute des tschechischen Biathlon-Verbandes bei einer Weltmeisterschaft war der Titelgewinn in der Mixed-Staffel.

Die vierte Medaille erlief sich Gabriela Soukalová im Einzelwettbewerb über 15 Kilometer. Die 25-Jährige aus Jablonec belegte außerdem in der Verfolgung sowie im Massenstart jeweils den fünften Rang und verpasste nur knapp einen weiteren Podestplatz. „Wir können sehr zufrieden sein mit dem Vollbrachten. Wir werden inzwischen zu Recht zu den führenden Nationen des Sports gezählt und sind stolz darauf“, zog die zweifache Vize-Olympiasiegerin und zwölffache Weltcupgewinnerin Soukalová am Montag im Namen des Teams Bilanz.

Cheftrainer Ondřej Rybař pflichtete seiner besten Athletin bei und hob die Fähigkeit seiner Schützlinge heraus, den hohen Erwartungen standgehalten zu haben. „Dieses Team ist sehr stark. Jeder hat seine Aufgabe bestens wahrgenommen. Es ist nicht einfach, seine Leistung zu bringen, wenn dich alle bei jedem Rennen zu den Favoriten zählen“, so der erst 36-jährige Hauptverantwortliche im sportlichen Bereich. Auch Verbandschef Jiří Hamza zeigte sich hocherfreut und stellte die Erfolge in den Kontext einer erstaunlich kurzen Aufbauarbeit. „Alles begann vor drei, vier Jahren und unserer neuen Anlage in Nové Město na Moravě. Es ist schon verrückt, wie schnell das alles ging und wir zur Weltspitze vorgedrungen sind. Ich danke allen Beteiligten, die so fleißig und beharrlich daran mitgewirkt haben“, so Hamza, der sogleich in die nahe Zukunft blickte. „Nun müssen wir mit dem Schwung der Euphorie in unserem Land neue Talente und Trainer finden, um langfristig eine gute Basis zu legen.“

Biathlon-Wettbewerbe gehören in Tschechien inzwischen zu den Straßenfegern. In den Gaststätten laufen im Winter nicht mehr nur Eishockey-Bilder über die Fernsehschirme, sondern des Öfteren auch solche von Moravec, Soukalová und Co. Zu den Weltcup-Rennen Anfang Februar in Nové Město na Moravě kamen rund 100.000 Besucher und verwandelten die Wettkampfstätte zu einem Festhaus.

Was den Fan des tschechischen Biathlons besonders freuen dürfte, ist das junge Durchschnittsalter der Nationalmannschaft. Michal Šlesingr ist mit seinen 32 Jahren der Oldie, während vor allem die besten des Damenteams nicht älter als 27 sind. Vielleicht war es aber gerade das Fehlen von Routine, das der Frauenstaffel am Freitag vergangener Woche zum Verhängnis wurde. Anna Puskarčíková, Gabriela Soukalová, Jitka Landová und Veronika Vítková gingen als Führende des Staffel-Weltcups in das WM-Rennen. Bis zur Hälfte und der Übergabe von Soukalová an Landová sah auch alles danach aus, als ob die Tschechinnen ihr Potential würden abrufen können. Doch der 25-jährigen Landová unterliefen gleich sechs Fehlschüsse. Schlussläuferin Vítková musste ebenfalls zwei Strafrunden laufen. Mit Rang acht blieb man weit hinter den Erwartungen zurück. Die Enttäuschung war groß, doch immerhin reichte es, um als Sieger des Staffel-Gesamtweltcups 2014/2015 hervorzugehen.

Vielleicht sollten die Damen öfter mit den Männern um Ondřej Moravec trainieren und bei diesem lernen, wie man sich ideal auf ein Großereignis vorbereitet und die Nerven behält. In der Mixed-Staffel funktionierte alles reibungslos. Šlesingr, Moravec, Soukalová und Vítková verwiesen die Franzosen und Norweger mit mehr als 20 Sekunden Vorsprung auf die Plätze. Dieses Quartett hat allem Anschein nach noch einige Jahre an der Weltspitze vor sich. Gute Nachrichten für Verbandschef Hamza, sein fleißiges Team und vor allem für die vielen neuen Fans des tschechischen Biathlons.



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