Das etwas andere Familienalbum

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Neu Im Kino: Mit „Boyhood“ setzt Regisseur Richard Linklater einen filmischen Meilenstein

4. 9. 2014 - Text: Julia MiesenböckText: Julia Miesenböck; Foto: Universal Pictures Switzerland

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Der sechsjährige Mason (Ellar Coltrane, Foto) lebt gemeinsam mit seiner älteren Schwester Samantha (Lorelei Linklater) bei seiner alleinerziehenden Mutter Olivia (Patricia Arquette). Masons Kindheit ist geprägt von den üblichen Schwierigkeiten einer Patchwork-Familie und von häufigen Umzügen, die für den Jungen nicht immer einfach sind. Der Vater Mason Sr. (Ethan Hawke) hat selbst noch mit dem Erwachsenwerden zu tun, auch wenn er sich sehr darum bemüht, ein guter Dad zu sein. Die erfolgreiche Mutter Olivia arbeitet nach ihrem Psychologiestudium als Universitätslektorin, scheint aber stets an die falschen Männer zu geraten. Hinzu kommt noch eine nervige Schwester, die Masons Leben nicht umbedingt einfacher macht.

Als Richard Linklater im Jahr 2002 die Idee hatte, einen Film über die Kindheit zu drehen, entschied er sich für ein einzigartiges Experiment. Über einen Zeitraum von elf Jahren – vom Schulanfang bis zum Eintritt ins College – hielt er Masons Geschichte mit der Kamera fest. Jedes Jahr nahm Linklater eine Episode aus dem Leben Masons und seiner Patchwork-Familie auf, immer mit denselben Darstellern, darunter auch seine eigene Tochter in der Rolle von Samantha.

„Boyhood“ heißt das Ergebnis dieses aufwendigen Projekts. Der Film erzählt eine berührende Coming-of-Age-Geschichte mit all ihren Höhen und Tiefen: Schwierigkeiten mit den Eltern und ihren neuen Partnern, die ersten Liebesgeschichten, das erste Bier, die erste allein unternommene Reise und schließlich der Auszug von zuhause. Neben den persönlichen Geschichten arbeitete der Regisseur auch Ereignisse wie die Präsidentschaftswahlen in den USA oder Lady Gagas Aufstieg zum Popstar in den Film ein.

Mit „Boyhood“ ist Linklater eine ganz besonderer Film gelungen, der für die Kindheit und Jugend typische Erfahrungen so darstellt, dass sich jeder ein bisschen in der Geschichte Masons wiederfinden kann. Nicht umsonst hat der Film bei der diesjährigen Berlinale den Silbernen Bären für die beste Regie erhalten.