Blick in die Presse

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Tschechische Pressekommentare zu den Terroranschlägen von Paris

14. 1. 2015 - Text: Josef FüllenbachTextauswahl und Übersetzung: Josef Füllenbach

Perfider Missbrauch | Die Prager „Hospodářské noviny“ meint, die Tschechen verwechselten „Liberalismus mit Gleichgültigkeit. Uns ist fast alles egal, wir überlegen nicht viel, so dass wir bereitwillig zustimmen, wenn jemand faschistoide Töne anschlägt. Nie standen wir fest zu unseren Werten. (…) Wenn uns jetzt etwas unmittelbar bedroht, dann nicht ein Anschlag militanter Islamisten, sondern der perfide Missbrauch der Pariser Morde als Begründung für einen Angriff auf jedwede Andersartigkeit. Gegen die Roma, gegen jeden, der ein Kopftuch tragen will, gegen Arme, gegen Erfolgreiche, einfach gegen die Anderen. Angstmache? Vielleicht. Aber in einer Gesellschaft, die nicht sonderlich an sich selbst glaubt, ist es schwer, keine Neigung zu verspüren, einen Schuldigen für eigenes Versagen zu suchen und zu brandmarken.“

Auch Tschechiens Problem | Das Wochenmagazin „Reflex“ betont zum gleichen Thema einen anderen Aspekt: „Glaubt noch immer jemand, dass uns die letzten Massaker in Frankreich nichts angehen? Dass uns tatsächlich niemand angreift? Kein radikaler Muslim einen Tschechen getötet oder entführt hat? Das ist nicht wahr, wir haben unsere Opfer und unsere Entführten. Und es sind radikale Islamisten, die sie auf dem Gewissen haben. Das ist auch ein Problem Tschechiens, und es wird weiterhin ein Problem der gesamten zivilisierten Welt sein.“

Zemans drei Ziele | Die Tageszeitung „Právo“ ist erleichtert darüber, dass Präsident Zeman der Großdemonstration in Paris ferngeblieben ist. Denn er „würde wohl schwerlich gegenüber den Teilnehmern der Pariser Demonstration Auge in Auge seine Empfehlung wiederholt haben, dass Menschen, deren Vorfahren aus islamischen Staaten kommen ‚nach Hause in ihre ursprüngliche Heimat’ zurückkehren sollten, sofern sie es nicht schafften, ‚die Regeln des Gastlandes anzunehmen’. Weil nämlich kein Gastland für Menschen existiert, die Bürger dieses Landes sind, und das oft schon in der dritten Generation. Übers Wochenende hat sich eine Reihe von Leuten über diese Sprüche lustig gemacht. Zeman habe drei Ziele. Erstens Andrej Babiš (Finanzminister, Anm. d. Red.), Adriana Krnáčová (Prags Oberbürgermeisterin) und Livie Klausová (Gattin von Ex-Präsident Klaus) den Slowaken zurückzuschicken. Zweitens das Immigrantenland USA aufzulösen. Und drittens wünsche sich der Präsident, dass die Sudetendeutschen in ihre ursprüngliche Heimat zurückkämen.“



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