Beten und erfolgreich wirtschaften

Beten und erfolgreich wirtschaften

Die katholische Kirche bekommt Nachhilfe vom Verband der kleinen und mittleren Unternehmen. Davon sollen ländliche Regionen profitieren

25. 3. 2015 - Text: Corinna AntonText. Corinna Anton; Foto: Kaama (Kirche der Heiligen Anna in Boží Dar)

Unternehmergeist gehört normalerweise nicht zu den Tugenden, über die katholische Geistliche verfügen müssen. In tschechischen Kirchengemeinden soll er künftig dennoch häufiger einkehren: Bevor sie in einigen Jahren komplett ohne staatliche Zuwendungen haushalten müssen, sollen Vertreter der Diözesen lernen, wie sie gewinnbringend wirtschaften können. Nachhilfe in Sachen Unternehmensführung bekommen sie deshalb vom Verband der kleinen und mittleren Unternehmen und Selbstständigen (AMSP).

Auf die Zusammenarbeit einigte sich Anfang März der AMSP-Vorsitzende Karel Havlíček mit dem Prager Erzbischof Dominik Kardinal Duka und dem Generalsekretär der Tschechischen Bischofskonferenz Tomáš Holub. Dabei sei die konkrete Form der Kooperation umrissen worden, teilte der Unternehmensverband anschließend mit. Der AMSP bereite einen regelmäßigen „Informationsdienst“ vor, der Kirchenvertreter in Sachen Gesetzgebung, Steuern und rechtliche Änderungen auf den aktuellen Stand bringen werde. Außerdem soll der Verband zum fachlichen Berater der Bischofskonferenz werden, wenn es um Probleme mit Eigentumsverwaltung und Kleinunternehmen geht.

Die katholische Kirche sei eine wichtige Grundlage der Infrastruktur in den Regionen und sein Verband sei bereit, sie „maximal zu unterstützen“, kommentierte Havlíček die Pläne. Gewerbetreibende hätten schon immer mit der Kirche zusammengearbeitet, das wolle man nun erneuern, um kleine Gemeinden vor dem Aussterben zu bewahren. „Wenn wir nicht wollen, dass sie zu Freilichtmuseen werden, müssen wir dort das natürliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Treiben erhalten. Der Gemischtwarenladen, die Kneipe, die Haltestelle, die Schule, Handwerker, die Post und eine funktionierende Kirche sind die Voraussetzungen dafür, dass die Menschen nicht aus den Regionen flüchten und dort zum Beispiel kleine Firmen, Bauernhöfe und Kleingewerbe gründen“, beschreibt der AMSP-Vorsitzende den beidseitigen Nutzen der Zusammenarbeit.

Holub erklärte, die Bischofskonferenz betrachte den AMSP als „sinnvollen Partner für die Entwicklung der Gemeinden und Städte“. Die Kooperation stehe noch am Anfang und es würden weitere Schritte vorbereitet, so der Generalsekretär. Dabei soll es vor allem um den Austausch von Wissen und Informationen gehen. „Wir haben zum Beispiel über den möglichen Aufbau eines Seminars zur Problematik der elektronischen Umsatzerfassung gesprochen.“

Die wirtschaftliche Lage der Kirchen in Tschechien wird derzeit von der Umsetzung des Restitutionsgesetzes bestimmt, demzufolge die Gemeinden Immobilienbesitz im Wert von etwa 75 Milliarden Kronen zurückbekommen sollen, der ihnen im Kommunismus weggenommen wurde. Außerdem zahlt ihnen der Staat über 30 Jahre insgesamt 59 Milliarden Kronen als Entschädigung für den Besitz, der nicht zurückgegeben wird. Gleichzeitig wird der Betrag, den sie zur Unterstützung ihrer Tätigkeiten erhalten, schrittweise auf Null reduziert. Voraussichtlich von 2043 an werden sie finanziell komplett auf sich gestellt sein.



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