Bei den drei Kaisern

Bei den drei Kaisern

Auf Schloss Zbiroh begegnet dem Besucher die 750-jährige Geschichte eines Adelssitzes

26. 6. 2014 - Text: Stefan WelzelText: Stefan Welzel; Foto: CzechTourism

Anzeige

 

Auf halbem Weg von Prag nach Pilsen erhebt sich nahe der Ortschaft Zbiroh die gleichnamige, prachtvolle Schlossanlage. Inmitten sanfter Hügelzüge erstreckt sich einer der romantischsten und gleichzeitig ältesten Herrschaftssitze Böhmens. Nicht zuletzt dank einer sorgsamen Instandhaltung sowie einem vielseitigen gastronomischen und kulturellen Angebot zählt Schloss Zbiroh zu den beliebtesten Ausflugszielen seiner Art in Tschechien.

Erstmals urkundliche Erwähnung fand die Festung Zbiroh Anfang des 14. Jahrhunderts. Daraus geht hervor, dass die Burg wohl schon Mitte des 13. Jahrhunderts von zwei Brüdern aus einem der ältesten böhmischen Adelsgeschlechter, den Sulislawen, erbaut wurde. Später fiel sie zunächst den Herren von Riesenburg zu, bevor die Könige aus dem Hause Luxemburg die Festung und deren Ländereien erwarben. Erster Hausherr aus dem Hochadel war Kaiser Karl IV. Ein halbes Jahrhundert später folgte Sigismund, ebenfalls gekröntes Haupt des Heiligen Römischen Reiches. Aus jener Anfangszeit stammt der markant aus dem Areal hervorragende gotisch-romanische Burgfried. Gegen Ende des Mittelalters gelangte die Burgkapelle zu historischem Ruhm, als hier der böhmische Hussitenkönig Georg von Podiebrad mit dem Bann katholischer Fürsten und Würdenträger belegt wurde. Die Kapelle gehört heute zu den touristischen Hauptattraktionen der Anlage.

Ab Ende des 16. Jahrhunderts residierte der Habsburger Kaiser Rudolf II. zeitweise auf der Burg, die stückweise in ein Renaissance-Schloss umgebaut wurde. Die wechselvolle Geschichte umfasst auch die weitgehende Zerstörung des Schlosses im Dreißigjährigen Krieg durch die Schweden. Was danach übrig blieb, verfiel zunehmend, bis in den 1860er Jahren ein Unternehmer aus Berlin das Grundstück samt Immobilie kaufte. Es war also ausgerechnet ein Preuße aus dem Bürgerstand, der das ehemals so stolze Habsburger Schloss wieder instand setzte. Bethel Henry Strousberg gab dem berühmten Architekten August Orth 1869 den Auftrag, aus dem alten Adelssitz einen Prunkbau im Geiste des Historismus zu machen. So entstand das heutige Neorenaissance-Schloss. Letzter Besitzer vor der staatlichen Übernahme nach dem Einmarsch der National­sozialisten war Fürst Josef Franz von Colloredo-Waldsee-Mels. Er war es auch, der Teile der großzügigen Räumlichkeiten über den Industriellen Robert Crane an Alfons Mucha vermietete. Dieser schuf hier sein weltberühmtes „Slawisches Epos“.

Dem Besucher versprüht Schloss Zbiroh auf jedem Schritt die Luft aus seiner mit allerlei Prominenz bestückten 750-jährigen Geschichte. Diese kann man dank einer Dauerausstellung und der stündlich stattfindenden Schlossführungen nachvollziehen. Eine ganz besondere Führung bringt die Besucher täglich ab 15 Uhr in die Katakomben des Schlosses sowie durch jene Räume, in denen Alfons Mucha sein großformatiges Meisterwerk schuf. Ein Hotel, ein hochklassiger Catering-Service für Anlässe im Festsaal sowie ein traditionell böhmisches Restaurant laden zum längeren Verweilen ein. Im Englischen Garten rund um die historischen Mauern feiern im Sommer regelmäßig Hochzeitsgesellschaften mit den Frischvermählten. Außerdem sorgen ein Kinderspielplatz, eine Mini­golfanlage und verschiedene kulturelle Anlässe wie Mittelalter-Festivals für Abwechslung im Schlossareal.

Hierin versteckt sich ein kleiner Wermutstropfen für die Puristen unter den Freunden historischer Bauten. Schloss Zbiroh ist schick saniert und gastronomisch wie kulturell professionell betreut, erhält dadurch aber auch einen stark kommerziellen Charakter. Manchmal könnte man fast vergessen, dass die Gemäuer echt sind und nicht in einem perfekt organisierten Freizeitpark stehen.

Mehr Informationen unter www.zbiroh.com