Baustein für das Zusammenwachsen

Baustein für das Zusammenwachsen

Mitteldeutscher und Tschechischer Rundfunk vereinbaren umfassende Kooperation

16. 1. 2014 - Text: Franziska NeudertText: fn; Foto: Sitz des Tschechischen Rundfunks in Prag/Ludek

Anzeige

Europa wächst trotz Wirtschaftskrise und wachsender EU-Skepsis zunehmend zusammen. Auch im Bereich der Medien wird verstärkt auf grenzüberschreitende Zusammenarbeit gesetzt. So haben nun der Mitteldeutsche und der Tschechische Rundfunk (Český rozhlas, ČRo) ihre zukünftige Kooperation beschlossen. In Prag unterzeichneten MDR-Intendantin Karola Wille und ČRo-Generaldirektor Peter Duhan am Mittwoch vergangener Woche einen entsprechenden Vertrag. In Zukunft wollen beide Rundfunkanstalten vor allem Hörfunkmaterial austauschen und direkte Arbeitskontakte zwischen den Redaktionen ermöglichen.

Wie Wille erklärte, sehe sich der MDR als öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt an der Grenze zu Polen und Tschechien nahezu in der Pflicht, den programmatischen und produktionstechnischen Austausch mit seinen Nachbarländern zu fördern. Ein solcher Austausch mit den polnischen Sendern Polskie Radio sowie Telewizija Polska S.A. wurde bereits im Frühjahr 2013 besiegelt. Die Kooperation mit dem öffentlich-rechtlichen Hörfunk Tschechiens stellt da gewissermaßen die nächste logische Konsequenz dar. Sie soll ein weiterer Baustein für die Zusammenarbeit in einem immer enger zusammenrückenden Europa sein. „Die vor 25 Jahren errungene Medienfreiheit beweist sich auch in der täglichen Zusammenarbeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks über Staatsgrenzen hinweg“, betonte Wille in Prag. Damit könne der Rundfunk seinen Teil zum Zusammenwachsen Europas leisten, „und das ist ein wichtiger Teil seines Auftrags“.

Weit mehr als nur „ein Papier in irgendeinem Ordner“ sei der unterzeichnete Vertrag, versicherte ČRo-Chef Duhan. „Diese Zusammenarbeit, die uns verbindet, durchzieht sämtliche Felder der Programmgestaltung. Das fängt bei der Berichterstattung an und endet bei der Produktion von musikalischen Beiträgen“, erklärte Duhan. Darüber hinaus sollen Informationen auf technischem und rechtlichem Gebiet ausgetauscht und engere Kontakte zwischen den einzelnen Redaktionen hergestellt werden. Der Austausch von Mitarbeitern soll einen tieferen Einblick in die Arbeitsweise des jeweils anderen vermitteln. Auch die Chöre, Orchester und Internetredaktionen der Rundfunkhäuser wollen künftig näher zusammenrücken. Schließlich sollen gemeinsame Beiträge erarbeitet werden.

Ein kurzfristiges Ziel ist beispielsweise die Produktion einer Dokumentation über die Geschichte der Nachbarländer. Wann die ersten Programme gesendet werden, steht indes noch nicht fest, doch streben MDR und ČRo an, das erste gemeinsame Feature noch in diesem Jahr auszustrahlen.

Der Austausch ist kein völliges Novum. Seit längerer Zeit arbeiten bereits die grenznahen Landesfunkhäuser des MDR in Dresden und des ČRo in Ústí nad Labem zusammen. Ein Transfer von Informationen findet bei Verkehrsmeldungen, Veranstaltungshinweisen, Nachrichten und auch regionalen Beiträgen statt, die den grenznahen Raum betreffen. Dabei werden die Informationen aus Dresden im deutschsprachigen Programm des Studios Ústí nad Labem ausgestrahlt, die Meldungen und Beiträge aus Tschechien wiederum werden in der sächsischen Landeshauptstadt ins Deutsche übertragen und neu produziert. Besonders während des Hochwassers im Juni vergangenen Jahres bewährte sich die grenzüberschreitende Kooperation, als es darum ging, Verkehrs- und Lageinformationen aufeinander abzustimmen. Nun sollen die direkten Kontakte für die Berichterstattung über Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft beider Länder weiter vertieft werden. „Wir sind doch Nachbarn. In einer Zeit, in der sich Europa zunehmend eins wird, sollten wir so viel wie möglich über unseren Nachbarn wissen“, ist Wille überzeugt. „Es gibt zahlreiche Bereiche, in denen wir zusammen Projekte umsetzen können.“

Dem ersten Schritt auf Ebene des Hörfunks könnte bald ein weiterer folgen. Die Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit zwischen dem MDR und dem Tschechischen Fernsehen laufen bereits.