Bauer verkauft Frau

Bauer verkauft Frau

Vor 150 Jahren wurde „Die verkaufte Braut“ von Bedřich Smetana in Prag uraufgeführt

31. 5. 2016 - Text: Friedrich GoedekingText: Friedrich Goedeking; Foto: Národní divadlo

 

Auf einem dörflichen Kirchweihfest verkauft Jeník dem Heiratsvermittler Kecal für 300 Gulden seine geliebte Marie, die nun den Tölpel Vašek, den einzigen Sohn des reichen Bauern Micha heiraten soll. Das ganze Dorf ist entsetzt, Marie am Boden zerstört. Doch der schlaue Jeník hat in den Verkaufsvertrag eine Klausel eingebaut, wonach Marie nur einen Sohn des Bauern heiraten darf. Als Vašeks ­Vater sich aber vor der Dorfgemeinschaft auch als Vater von Jeník bekennt, ist der Weg frei zu einer glücklichen Hochzeit zwischen Jeník und Marie. Soweit das Drehbuch von Smetanas Oper „Die verkaufte Braut“ (Prodaná nevěsta), die am 30. Mai 1866 im sogenannten tschechischen Interimstheater (Prozatímní divadlo) uraufgeführt wurde.

Smetanas zweite Oper war seine erfolgreichste und gilt bis heute als die tschechische Nationaloper schlechthin. Von Prag aus, wo „Die verkaufte Braut“ im 16. Jahr nach der Premiere bereits zum 100. Mal aufgeführt wurde, hat sie die ganze Welt erobert. Für die Identitätsfindung der tschechischen Nation spielte Smetanas Musik eine zentrale Rolle. Die Oper „Dalibor“ feierte ihre Premiere anlässlich der Grundsteinlegung des Nationaltheaters im Mai 1868. Zu dessen Eröffnung wurde mit „Libusa“ (Libuše) ebenfalls ein Werk von Smetana aufgeführt.

Als tschechische Nationalisten im Jahr 1920 mit Gewalt das „Königlich Deutsche Stadttheater“ (das heutige Ständetheater) besetzten, feierten sie noch am gleichen Abend ihren Erfolg mit der Aufführung von Smetanas „Verkaufter Braut“.

Von Propagandisten eines tschechischen Patriotismus wurde Smetana zum Begründer einer tschechischen National­musik hochstilisiert. Dabei wird oft unterschlagen, dass der auf den Namen Friedrich getaufte Komponist zunächst nur Deutsch sprach und erst mit etwa 30 Jahren die tschechische Sprache erlernte.

Die Librettos zu den „urtschechischen“ Opern „Dalibor“ und „Libusa“ waren ursprünglich von Josef Wenzig in deutscher Sprache verfasst. Auch Smetanas Tondichtung „Mein Vaterland“ mit der berühmten „Moldau“ geht nicht auf ein tschechisches, sondern ein schwedisches Volkslied zurück, das Smetana während seines Aufenthalts in Schweden kennengelernt hatte.

Was „Die verkaufte Braut“ betrifft, so hatte die Oper zunächst nur mäßigen Erfolg, sodass ­Smetana sie fünfmal umarbeitete – wobei er sich vorhalten lassen musste, dass er sich an dem deutschen und französischen Operngeschmack orientiert habe. Im Unterschied zur „Verkauften Braut“ sind Smetanas Opern „Die Brandenburger in Böhmen“, „Libusa“ und „Dalibor“ in weit größerem Maß dem Geist der tschechischen nationalen Wiedergeburt verpflichtet. Gegenüber Antonín Dvořák, der sich immer wieder dagegen verwahren musste, ein Sympathi­sant der Deutschen zu sein, wurde Smetana als der Schöpfer der tschechischen Volksoper schlechthin gefeiert. Dazu hat „Die verkaufte Braut“ insofern auch beigetragen, weil sie von den tschechischen Patrioten wegen ihrer Szenen aus dem Dorfleben, eingängigen Volksgesängen und folkloristischen Tänzen als beste böhmische komische Oper gewürdigt wurde. Mit der Oper reagierte Smetana außerdem auf einige seiner Kritiker, die ihn als einen Epigonen Richard Wagners abtaten. Die „Verkaufte Braut“ sollte zeigen, dass für ihn die komische Oper Mozarts maßgeblich war.

Prodaná nevěsta, nächste Aufführungen im National­theater am 30. Juni und 6. September, jeweils 19 Uhr, Tschechisch mit deutschen und englischen Übertiteln, www.narodni-divadlo.cz

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