Bankgebühren satt

Immer mehr Kunden fordern Geld zurück – mithilfe von Verbraucherinitiativen

27. 2. 2013 - Text: Ivan DramlitschText: Ivan Dramlitsch; Foto: Patrick Nacher

Patrik Nacher ist ein Mann mit Ausdauer. Seit mehr als sieben Jahren kämpft der 38-Jährige mit seinem Internetportal „bankovnipoplatky.com“ gegen hohe Bankgebühren. Er ist Initiator und Organisator des jährlich stattfindenden populären Wettbewerbs um die „absurdeste Bankgebühr“ und gilt als führender Experte in dieser Thematik. Auf die Frage, warum die Bankgebühren in Tschechien so hoch sind, hat Nacher eine einfache Antwort: „Weil die Kunden bereit sind, sie zu bezahlen.“ Es ist auch das Verdienst seiner Aufklärungsarbeit, dass diese Feststellung nicht mehr uneingeschränkt gilt. Denn seit einigen Monaten regt sich deutlicher Widerstand.

Den Stein ins Rollen brachte ein Grundsatzurteil des Karlsruher Bundesgerichtshofs vom Juni 2011. Darin wurde festgestellt, dass Banken von Kreditnehmern keine Gebühren für Darlehenskonten verlangen dürfen. Die Begründung: Solche Konten dienen lediglich der Buchhaltung der Bank, der Kunde habe davon nichts. Der Gebühr stehe deshalb keine Leistung gegenüber. Das Gericht bezog sich dabei auch ausdrücklich auf eine entsprechende EU-Richtlinie.

Dieses Urteil blieb in Tschechien nicht ohne Resonanz. Angeregt durch die Karlsruher Entscheidung entschied sich der Jurist und Mediator Petr Němec für die Probe auf Exempel. Er forderte von seiner Bank die Rückzahlung der Darlehenskonto­gebühr von 50 Kronen monatlich, zunächst jedoch ohne Erfolg. Erst als sich Němec ans Gericht wandte und die Medien die Angelegenheit aufgriffen, lenkte die Komerční banka ein und schrieb dem Juristen 450 Kronen gut. Natürlich ohne Anerkennung einer Rechtspflicht. „Wir bearbeiten jede Beschwerde eines Kunden individuell. Für eine pauschale Rückgabe von Gebühren gibt es keinen Grund“, so Banksprecherin Monika Klucová.

Erste Reaktionen
Das sieht Patrik Nacher jedoch ganz anders. Beflügelt durch den Erfolg von Petr Němec bietet er gemeinsam mit den neu gegründeten Initiativen Poplatkyzpet.cz („Gebühren zurück“) und Jdeto.de („Es geht“) unzufriedenen Kunden an, sie auf der Grundlage einer Vollmacht gegenüber ihren Banken zu vertreten und in ihrem Namen die Rückgabe der ihrer Meinung nach zu Unrecht erhobenen Gebühren zu fordern. Und das Angebot wird angenommen: Nahezu 40.000 Menschen haben mittlerweile eine der drei Initiativen mit der Wahrnehmung ihrer Rechte beauftragt. „Wir haben alle das gleiche Ziel – die tschechischen Banken dazu zu zwingen, sich endlich im Einklang mit europäischen und tschechischen Gesetzen zu verhalten. Damit sie aufhören, Darlehensgebühren zu kassieren, so wie es ihre Filialen in vielen europäischen Ländern längst getan haben. Und mehr als das: Wir wollen, dass Banken unseren Kunden alle zu Unrecht eingenommenen Gebühren zurückgeben“, erklärt Pavlína Danková, die Schirmherrin von Poplatkyzpet.cz.

Die Banken geben sich nach außen hin unbeeindruckt. Die Gebühren seien gesetzeskonform, heißt es offiziell. In Wahrheit haben eine ganze Reihe von Kreditinstituten auf den öffentlichen Druck reagiert und – still und unauffällig – ihre Gebührenpolitik geändert. So haben beispielsweise die Komerční banka, die Raiffeisenbank und die UniCredit Bank die Gebühr für die Führung eines Darlehenskontos abgeschafft. Für Patrik Nacher besteht jedoch kein Grund zur Entwarnung. „Die Banken reagieren nur langsam und sehr zögerlich. Nach wie vor müssen hunderttausende Kunden diese Gebühren bezahlen. Die Strategie ist es offenbar, gegenüber jenen, die sich aktiv wehren, kulant zu sein und beim Rest weiter abzukassieren.“

Dass die tschechischen Banken dabei ihren Kunden tiefer in die Taschen greifen als anderswo, kann Patrik Nacher mit Zahlen belegen. In einer vergleichenden Analyse hat der studierte Wirtschaftswissenschaftler festgestellt, dass bei sieben der acht größten Banken die Gebührenlast in Tschechien höher als bei den jeweiligen Muttergesellschaften ausfällt. „Im Prinzip subventioniert der tschechische Kunde mit seinen hohen Gebühren die niedrigeren Gebühren der Kunden in anderen west­europäischen Ländern. Das gilt auch für andere Bereiche wie zum Beispiel Handy-Tarife. Das jetzige Aufbegehren war überfällig. Denn wenn man nur meckert und nichts tut, ändert sich nichts“, sagt Nacher.



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