Auf dem Boden geblieben

Auf dem Boden geblieben

Wegen Finanzproblemen sind die Weltcup-Veranstaltungen der Skispringer und nordischen Kombinierer in Liberec abgesagt worden. Angeblich haben andere Sportarten Vorrang

22. 1. 2015 - Text: Marcus HundtText: mh/čtk; Foto: APZ

Eigentlich sollte Liberec (Reichenberg) in zwei Wochen zum Mittelpunkt des nordischen Skisports werden. Doch anstatt von 6. bis 8. Februar im Isergebirge um Weltcup-Punkte zu kämpfen, fahren die Skispringer nach Titisee-Neustadt in den Schwarzwald und die Kombinierer legen in diesen Tagen eine Pause ein.

Lukáš Sobotka, Präsident des Tschechischen Skiverbandes (SLČR), ärgert sich noch heute über die beiden Absagen. Doch der Schritt sei unausweichlich gewesen, denn den Organisatoren hätte die finanzielle Sicherheit gefehlt. Bis Mitte Dezember hätten sie Sobotkas Worten zufolge vergeblich auf eine Antwort des Schulministeriums gewartet, das hierzulande auch für den Bereich Sport zuständig ist. „Wir hatten dort einen Zuschuss beantragt (angeblich in Höhe von 15 Millionen Kronen, umgerechnet etwa 530.000 Euro; Anm. d. Red.), der für solche Großveranstaltungen in der Regel gewährt wird. Doch die Zusage blieb dieses Mal leider aus“, erklärt Sobotka und macht deutlich: „Ohne die Unterstützung des Staates, der Wettbewerbe dieser Art in den vergangenen Jahren zu einem gewissen Teil gefördert hat, können wir hier keinen Weltcup austragen.“ Laut Sobotka sei das finanzielle Risiko einfach zu groß gewesen, aus eigenen Mitteln hätten die Veranstalter die insgesamt vier Wettkämpfe nicht stemmen können.

Keine Garantie
Eine Rolle spielen dabei auch die unsicheren Wetterverhältnisse. Gerade im Isergebirge hat man in dieser Hinsicht schlechte Erfahrungen gemacht: Seit 1998 mussten in Liberec wegen widriger Bedingungen insgesamt sieben Weltcup-Veranstaltungen – drei Skispringen und vier Wettbewerbe der nordischen Kombinierer – abgesagt werden, zuletzt im Jahr 2008.

Doch warum hat der tschechische Staat in diesem Jahr keine finanzielle Garantie für Liberec abgegeben? Sobotka mutmaßt, dass das mit den großen Sportereignissen zusammenhängt, die 2015 in Tschechien stattfinden. „Angesichts der Leichtathletik-Halleneuropameisterschaft (von 6. bis 8. März in der Prager O2-Arena, Anm. d. Red.), der Eishockey-WM (von 1. bis 17. Mai in Prag und Ostrava) und der U-21-EM der Fußballer (von 17. bis 30. Juni in Prag, Olomouc und Uherské Hradiště) war viel zu lange unklar, ob wir das nötige Geld bekommen“, sagt der SLČR-Präsident.

Obwohl sich Tschechiens Wintersport-Fans und Top-Athleten wie Skispringer Roman Koudelka und Kombinierer Miroslav Dvořák auf die Heim-Weltcups gefreut hatten, musste der Skiverband kurz vor Jahresende die Reißleine ziehen. „Wenn wir die Wettkämpfe zu diesem Zeitpunkt nicht abgesagt hätten, wäre das unfair gegenüber dem Weltverband FIS gewesen“, meint Sobotka.

Während der Weltcup-Zirkus also auch in dieser Saison einen Bogen um Liberec macht – das letzte Skispringen fand hier bei der Nordischen Ski-WM 2009, der letzte Wettkampf der Kombinierer vor drei Jahren statt –, bereitet man sich im 80 Kilometer entfernten Špindlerův Mlýn (Spindlermühle) auf das Saisonfinale der Snowboarder vor. Am 14. März sollen hier Weltcup­rennen im Slopestyle stattfinden. Zwar ist auch das noch nicht ganz sicher. „Aber wir glauben, dass das Ministerium zumindest dieses Event unterstützen wird“, so Sobotka. 



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