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Prádelna

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19.01.2012
Im Café Prádelna gemächlich Hausgemachtes genießen

Wenn man von der vielbefahrenen Slavíkova, einer Querstraße zur Vinohradská, in das kleine, unscheinbare Café mit dem hellblauen Schriftzug eintritt, begegnet der Besucher sogleich einer familiären Atmsosphäre. Nur rund 20 Gäste finden Platz in dem gemütlichen, gleichzeitig schnörkellos und nüchtern ausgestatteten Prádelna.

Ein Hauch Berliner Szene-Café vermengt sich mit dem für das Viertel typischen internationalen Flair und dem unaufgeregten tschechischen Wesen. Für Prager Verhältnisse ist die Freundlichkeit des Personals beinahe schon überbordend.

Beim Blick auf die Karte zeigt sich, dass der Umfang des Angebotenen klein gehalten ist. Für ein ausgiebiges Mittags- oder Abendessen braucht man hier nicht zu verweilen. Das Prádelna ist eher etwas für den kleinen, aber anspruchsvollen Hunger. Das entscheidende Merkmal aller auf der Speiseliste stehenden Gerichte: Sie sind sorgfältig, mit Ausdauer und Herz gekocht oder gebacken worden. Nicht selten kann man dabei zusehen, wie die Suppe oder der Schokokuchen für den späten Nachmittag frisch zubereitet wird. Das ganze erinnert den Gast an Kindheitsausflüge zur netten Tante, bei der es immer etwas Leckeres zum Naschen gab.

Königsdisziplin Nachtisch

Sehr empfehlenswert ist das Tagesangebot an Suppen – meist stehen zwei verschiedene zur Auswahl. Für 38 Kronen sättigen diese zusammen mit zwei Scheiben leicht gerösteten Brotes den knurrenden Magen aufs Erste. Als „2. Gang“ kommt ein Salat Caprese oder Caesar’s für 78 beziehungsweise 93 Kronen in Frage. Die Angebote variieren, und so sollte man die aktuellen Angebote auf der Tafel draußen vor dem Eingang lesen. Oft kriegt man Couscous-Salat oder einen speziellen Nachtisch zu sehr moderaten Preisen. Die Paninis fallen in Geschmack und Originalität ein wenig von den anderen Speisen ab, sind aber allemal ihre 63 Kronen wert. Die Königsdisziplin der Köchinnen des Lokals dürfte die Abteilung Süßes betreffen. Das Eis ist ebenso wie alle Kuchen, die Sahne und Kekse hausgemacht. Der frische Apfelkuchen dürfte seinesgleichen suchen in der Gastronomielandschaft Prags. Ohne zu übertreiben kann der Autor hier von außergewöhnlich hohem Genuss berichten.

Das Nichtraucher-Lokal Prádelna ist keine Kneipe, also sucht man hier vergebens frischgezapftes Bier. Das Weinangebot ist überwiegend mit einheimischen Produkten angereichert. Der Kaffee schmeckt ausgezeichnet, die Bohnen werden „Fair Trade“ importiert, und der Konsument bezahlt für einen gewöhnlichen Kaffee („Espresso lungo“) oder Espresso 29 Kronen. Ein bestechendes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Entspannung und Ruhe

Das Fazit lässt sich schnell ziehen: Kleines Angebot – tolle Qualität – nicht billig, aber gute Preise. In Sachen Kundenfreundlichkeit kann sich so manch andere Institution hierzulande eine Scheibe abschneiden. Das Personal spricht auch Englisch. Angenehm erscheint dem assimilierungswilligen Gast die Tatsache, dass man sich auch gern in gebrochenem Tschechisch versuchen kann, ohne gleich in der aktuellen Weltsprache Antwort zu kriegen. Einziger Minuspunkt ist die fehlende Effizienz in Sachen Bedienung. Etwas arg lange dauert es zuweilen, bis man nach Betreten des Lokals den Kaffee vor sich stehen hat, selbst wenn man der einzige Gast ist. Diese Entschleunigung passt aber bestens zu Ort und Atmosphäre. Ohne Hektik und Stress erwartet den Gast des Prádelnas eine kleine Oase der Entspannung und Ruhe, unterbrochen nur von kleinen kulinarischen Geschmacksexplosionen

Text: Stefan Welzel, Foto: Woitalla
täglich 11 bis 20 Uhr
Slavíkova 21
Prag 2
Tel. 774 843 477, www.pradelna-cafe.cz
Kategorien: Prag 2 | Cafés
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