Samstag, 25. Mai 2013

Vom Klang des Lebens

05. 06. 2012

Eine Hommage an John Cage im Kunstzentrum DOX

„Die Musik, mit der ich mich beschäftige, muss nicht unbedingt Musik genannt werden. In ihr gibt es nichts, woran man sich erinnern soll. Keine Themen, nur Aktivität von Ton und Stille.“ Mit diesem Credo wurde John Cage (1912–1992) zum Pionier Neuer Musik. Weltberühmt machten ihn seine außergewöhnlichen Kompositionen, die auf dem undurchsichtigen Prinzip des Zufalls beruhten und neuartige Klangquellen integrierten.

Nur wenige Künstler hatten einen solch nachhaltigen Einfluss auf die Kunst des 20. Jahrhunderts wie der Komponist, Autor und bildende Künstler aus New York. Sein Wirkungsradius ging dabei weit über die Sphäre der Musik hinaus – so stellt er eine Initialzündung für die sogenannte Happening-Bewegung in den sechziger Jahren dar, ebenso wie Fluxus und Konzeptkunst maßgeblich von dem Querdenker inspiriert wurden.

Anlässlich des 100. Geburtstags von Cage widmet das DOX in Zusammenarbeit mit dem „quartier 21“ aus Wien dem Künstler die Ausstellung „Membra Disjecta for John Cage: Wanting to say something about John“, eine Ausstellung, die über 60 Künstler aus der ganzen Welt für eine Hommage an den großen Grenzgänger zusammenbringt. Der lateinische Terminus „membra disjecta“ im Ausstellungstitel bezieht sich dabei auf die Methode Cages, Versatzstücke aus verschiedensten Quellen in seine Arbeit zu integrieren, währenddessen der Titelzusatz eine Anspielung auf das erste größere bildkünstlerische Werk des Komponisten ist: „Not wanting to say anything about Marcel“ ist ein aus Plexiglas gefertigtes Objekt, das Cage 1969 zu Ehren seines Künstlerfreundes Marcel Duchamps schuf, der ein Jahr zuvor verstorben war.

Der Offenheit und Vielseitigkeit Cages entsprechend, vereint die Ausstellung künstlerische Beiträge aus unterschiedlichsten Disziplinen. Gemälde, Zeichnungen, Collagen und Assemblagen, Partituren, Klanginstallationen, Film und Video, Objektkunst und Skulpturen – entdecken kann der Besucher vor allem unverbrauchte Werke, die ihre Genregrenzen konsequent ausloten und ihn in ihrer Lesart beständig herausfordern. Auf diese Weise orientiert sich die Sammlung auch an den Fragen, die Cage selbst thematisierte. Fragen wie jenen nach den Grenzen der Musik und ihrer Schnittstelle mit anderen Kunstformen, Fragen nach der Verquickung von Kunst und Alltag oder der Präsentation von Kunst im öffentlichen Raum. Verteilt auf drei Etagen begegnet der Betrachter einer überwältigenden Auswahl erstaunlicher Werke – darunter auch einige Arbeiten des Genius selbst – die sowohl die facettenreiche Persönlichkeit Cages als auch dessen Einfluss auf die ausgestellten Künstler dokumentiert. Auf dem Weg durch die Sammlung verwandelt sich das Museum in ein buntes Klanglabor, aus dessen Hintergrund Straßengeräusche und Musikfetzen, Tontüfteleien und Stimmen hervorwachsen, sich mit den Bildern vermischen und spielerisch Idee, Objekt und Kunst umhüllen. Am Ende bleiben Klangspuren, tiefe Eindrücke, viele Fragen und ein lodernder Funke Leben.

Membra Disjecta for John Cage: Wanting to say something about John.,
bis 20. August 2012, DOX (Osadní 34, Prag 7), geöffnet: Montag, Samstag und Sonntag 10–18 Uhr, Mittwoch bis Freitag 11–19 Uhr (Dienstag geschlossen), Eintritt: 180 Kronen (ermäßigt 90 Kronen), www.dox.cz


Text: Franziska Neudert, Foto: DOX

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