19. Dezember 2018,

Stammgast auf dem Altstädter Ring

19. 12. 2013

Ein deutscher Familienbetrieb verkauft seit Jahren in der Weihnachtszeit süße Spezialitäten aus seiner Heimat

Der ältere Herr kommt jeden Tag. Bei Wind und Wetter. Und immer kauft er ein Päckchen Mandeln. Sechs Wochen lang. Bis der größte Prager Weihnachtsmarkt wieder schließt. „Wenn er mal einen Tag nicht käme, würde ich mir ernsthaft Sorgen um ihn machen“, sagt Marco Späth.

Wie diesen tschechischen Stammgast kennt Späth mittlerweile viele Kunden persönlich. „Zwar nicht dem Namen nach, aber vom Gesicht her“, so der Geschäftsmann aus dem fränkischen Neustadt/Aisch. Denn Späths Familie betreibt schon seit acht Jahren einen Süßwaren-Stand auf dem Altstädter Ring.

Im Angebot: ein Dutzend verschiedener Nussarten, Elisen-Lebkuchen, Original Nürnberger Früchtebrot sowie Früchte mit feiner belgischer Schokolade. Und einiges mehr.

In den ersten beiden Jahren blieben die tschechischen Kunden etwas auf Distanz. Dann überzeugte sie dieses Sortiment. „Das ist aber auch in Deutschland nicht anders“, sagt Späth. Er muss es wissen, denn seine Familie bietet die Erzeugnisse seit fast vier Jahrzehnten in großen und kleinen Städten an, sowohl im In- als auch im Ausland. Zudem veranstaltet sie während des Jahres selbst Märkte und Volksfeste in Deutschland.

Nach Prag kamen die Späths durch eine Urlaubsreise. Seniorchef Wolfgang besuchte die Sehenswürdigkeiten, sah plötzlich einen Markt – und sofort wurde aus dem Touristen der Geschäftsmann. Er fragte beim Veranstalter nach, und ab 2005 bereicherten die Neustädter Schausteller die größten Prager Oster- und Weihnachtsmärkte.

„Die Stadt ist schon beinahe meine zweite Heimat“, lacht Späth, „immerhin elf Wochen verbringe ich hier jedes Jahr.“ Und dies meist nur in zwei weihnachtlich oder österlich dekorierten kleinen Holzhütten, während er in Deutschland mit einem zwölf Meter langen Wagen unterwegs ist.

Multikulturelles Flair
Dafür hat er hier stets den gleichen Standplatz. Und der ist sehr repräsentativ, mit Hus-Denkmal, Teynkirche und dem Weihnachtsbaum im Hintergrund. „Wahrscheinlich sind deshalb schon ziemlich viele Fotos von uns in ganz Europa im Umlauf“, vermutet der Franke.

Doch Prag ist für ihn kein billiges Pflaster. Über Geld will Marco Späth nicht reden, doch lässt er durchblicken, dass unter all den Weihnachtsmärkten nur sein Stand in Berlin noch teurer war. Und für den musste er 20.000 Euro auf den Tisch legen. Prag dürfte nicht allzu viel darunter liegen.

Trotzdem lohnt sich die Stadt an der Moldau für ihn, weil nicht nur Tschechen kommen – darunter 30 Prozent Stammkunden, wie er schätzt – sondern auch viele Touristen. „Die Masse rechnet sich“, erläutert der Schausteller. Obwohl es einen gravierenden Unterschied gibt: In Deutschland fahren Besucher gezielt zu Weihnachtsmärkten, solche „Markt-Hopper“ fehlen hier. „Stattdessen kommen Touristen in erster Linie wegen der Burg oder Karlsbrücke und freuen sich, dass es dann auch noch einen schönen Weihnachtsmarkt in Prag gibt“, berichtet Späth aus seinen Erfahrungen.

Deshalb bringen ihm die Wochenenden den besten Umsatz. Montag bis Mittwoch sind dagegen für ihn „schlechte Tage.“ Da ziehen sich die zwölf Stunden in die Länge, die er täglich von 10 bis 22 Uhr am Stand verbringt. Entschädigt wird er durch den multikulturellen Charakter des Prager Marktes. „Das ist für mich das Schönste“, schwärmt Späth, „manchmal wetten wir sogar untereinander, in welcher Sprache wir als nächstes angesprochen werden.“ Deshalb können sich seine festen und freien Mitarbeiter auch selbst in sechs Sprachen verständigen.

Dass er und nicht ein Händler aus Nürnberg Produkte aus Prags Partnerstadt vertreibt, führte bisher zu keinen Komplikationen. Im Gegenteil. „Als der Prager Veranstalter vor ein paar Jahren verschiedene Städte auf dem Wenzelsplatz präsentierte, kam der Nürnberger Oberbürgermeister zu uns und stellte sich persönlich vor“, freut sich Späth.

Gleichwohl versuchten sich schon Konkurrenten mit ähnlichem Sortiment auf dem Altstädter Ring. Am Ende setzte sich die Qualität aus Neustadt/Aisch durch. „Bei uns riecht es einfach gut und die Leute können sehen, wie wir unsere Nüsse und Früchte selbst machen“, so Späth. Das überzeugt nicht nur den älteren Herrn, der seit Jahren Tag für Tag an seinen Stand kommt.

Text und Foto: Klaus Hanisch

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