27. Juni 2017,

Mit Miloš gegen Johnnie

Zeman genießt Alkohol bekanntlich in Maßen.

22. 12. 2016

Whiskey-Hersteller Jack Daniel’s nimmt Präsidenten unter Vertrag*

Tradition verpflichtet. Deshalb greift Staatsoberhaupt Miloš Zeman zu einem böhmischen Pils, wenn er Durst hat. Bei Hochprozentigem dagegen schwört der 72-Jährige auf amerikanischen Whiskey. Von der Spirituose ist Zeman so überzeugt, dass er sogar mit seinem Konterfei für sie wirbt. Seit Dezember ist der tschechische Präsident offizielles Aushänge­schild von Jack Daniel’s, der weltweit am meisten verkauften US-amerikanischen Whiskeymarke.

Das bestätigte der Sprecher des Unternehmens Ashley Schaffner am Donnerstag vergangener Woche. Zwei Tage zuvor waren die ersten Plakatwände im US-Bundes­staat Tennessee auf­gestellt worden, wo das Getränk produziert wird. Sie zeigen Zeman in einem Schaukelstuhl, dem Betrachter mit einem Glas Whiskey zuprostend. In den kommenden Wochen und Monaten sollen die Werbeplakate auch in anderen Bundes­staaten der USA zu sehen sein, wie Schaffner meinte. „In der Tschechischen Republik werden wir sie aber nicht zeigen. Das lohnt sich für uns nicht, dort wird eher Klarer getrunken“, so Schaffner.

Auf Zeman sei das Unternehmen gekommen, da er in den vergangenen Jahren häufig die Brennerei von Jack Daniel’s in Lynchburg besucht habe. Der Präsident sei auffällig interessiert am Herstellungsprozess gewesen und habe bei seinen Besuchen stets an die hundert Flaschen Whiskey gekauft, wie Schaffner erzählt. In einem Hotel in der Nähe der Destillerie habe Zeman dann zu amerikanisch-tschechischen Abenden geladen. Zum Whiskey bot er eingeflogenen Hermelín-­Käse an, den die Gäste mit großer Begeisterung verspeisten. Auch Schaffner war bei mehreren Abenden anwesend. Auf die Motivation des Staats­mannes kann er sich keinen Reim machen. „Vielleicht ahnte er, dass Trump gewählt würde und wollte die Wirtschafts­beziehungen zwischen beiden Ländern rechtzeitig stärken. Immerhin soll in Jack-Daniel’s-Lokalen demnächst auch eingelegter Hermelín aus Tschechien serviert werden.“

Dem Unternehmen kommt eine solche Zusammenarbeit nicht ungelegen. Derzeit konkurriert es mit der schottischen Marke Johnnie Walker um die Vormachtstellung auf dem Weltmarkt. „Zeman ist zwar relativ unbekannt in den USA. Aber er wirkt seriös und erfahren. Bei den Menschen kommen ältere Herrschaften erfahrungsgemäß gut an“, so Schaffner. Mit Zeman habe sich das Unternehmen zu seinem runden Jubiläum sozusagen selbst beschenkt. In diesem Jahr feiert Jack Daniel’s 150-jähriges Bestehen.

In Prag reagierte man verhalten auf die Meldung. Zeman selbst sagte lediglich, dass er bereits seit Jahren regelmäßig in die Südstaaten reise. „Dort finde ich Ruhe, bin unerkannt und kann ungestört auch mal ein Glas trinken“, erklärte er. Premier Bohu­slav Sobotka (ČSSD) äußerte Bedenken. Seiner Meinung nach sei es nicht gerade ein Zeichen von Integrität, über die jedoch gerade ein Staatsoberhaupt verfügen müsse. Bildungsministerin Kateřina Valachová (ČSSD) warnte vor den Folgen der Kampagne. „Welchen Eindruck macht das denn auf junge Leute, wenn sie den Präsidenten ständig ­Alkohol trinken sehen? Es ist doch klar, dass sie damit auch zum Trinken angestiftet werden“, meint die Sozial­demokratin. Beide Politiker glauben nicht daran, dass die Werbe­plakate ausschließlich in den USA gezeigt würden. Auch der Hermelín-­Hersteller Hamé werde hierzulande von der Kooperation profitieren wollen, befürchten sie.

Präsidenten-Sprecher Jiří Ovčáček reagierte sofort. „Das Engagement von Herrn Zeman ist allein auf Amerika bezogen“, teilte er per Twitter mit. „Solange er das Amt des Präsidenten inne­hat, wird er dessen Ehre nicht beflecken.“


* Der Inhalt des Textes ist frei erfunden.

Text: Franziska Neudert, Foto: ČTK/Michal Kamaryt

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