24. März 2017,

Sobotka für Europa

Premier Sobotka will gegen den Bevölkerungsschwund vorgehen.

22. 12. 2016

Tschechien lädt Flüchtlinge ins Sudetenland ein*

Der außerordentliche EU-­Gipfel in Šluknov (Schluckenau) hat am Wochenende zu einem Kompromiss in der Migrations­debatte geführt. Gleich zu Beginn überraschte Gastgeber Bohuslav Sobotka (ČSSD) mit der Ankündigung, Tschechien werde noch in diesem Jahr drei Millionen muslimische Flüchtlinge aufnehmen. Der Schritt sei dringend notwendig, um gegen den Bevölkerungs­schwund vor allem in kleineren Orten im Grenz­gebiet vorzugehen, sagte der Premier.

Das sei ihm bei seiner Reise in den Schluckenauer Zipfel „wie Schuppen von den Augen gefallen“. Finanzminister Andrej Babiš (ANO) betonte, man wolle nicht in erster Linie Familien mit Kindern aufnehmen, denn das würde den Haushalt zu sehr belasten, sondern lieber allein­stehenden Männern Asyl gewähren. „Ich werde sie zunächst schwarz in den Firmen meines Imperiums beschäftigen, damit sie sich langsam an die hiesige Kultur gewöhnen“, versprach der Unternehmer und Wohl­täter. Für das Programm mit dem Titel „Schwarzarbeit nicht nur für Schwarzafrikaner“ will er Zuschüsse aus EU-Töpfen beantragen. Um Unterkünfte für die drei Millionen Menschen möchte sich Innenminister ­Milan Chovanec (ČSSD) persönlich kümmern. „Es gibt im ehemaligen Sudetenland viele leere Gebäude, die man nur ein bisschen renovieren muss. Das sollte für Leute aus Kriegs­gebieten ja wohl kein großes Problem darstellen“, meinte der Sozial­demokrat. Auch wo man nur noch die Grundrisse verschwundener Ortschaften erkenne, könnte auf diese Weise bald wieder Leben einkehren“, freute sich Kulturminister Daniel Herman. Er hat seine ­Kabinettskollegen auch schon von einem kleinen Willkommensgeschenk für die Flüchtlinge überzeugt. Ab dem kommenden Jahr soll im ganzen Land Arabisch bereits ab der Grundschule als Pflichtfach eingeführt werden, um die Verständigung zu erleichtern. Ab 2020 wird es dann Amts­sprache.

Die Tschechische Akademie der Wissenschaften und die Karls-Universität befürworten den Vorstoß, ebenso der Schriftsteller­verband. „Wir sollten sowohl wissenschaftliche Publikationen als auch schöngeistige Literatur künftig nur noch auf Arabisch verfassen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung all derer, die gerne in Prager Kaffeehäusern schwadronieren. „Denn auf diese Weise könnten wir viel mehr Leser erreichen. Die halbe Welt würde uns offenstehen. Mit Tschechisch dagegen ist es schwierig, sich überhaupt Gehör zu verschaffen.“


* Der Inhalt des Textes ist frei erfunden.

Text: Corinna Anton, Foto: Olaf Kosinsky/Skillshare.eu

^ nach oben