30. April 2017,

Im Kampf gegen Crystal Meth

21. 10. 2015

Innenpolitiker stellen bayerisch-tschechische Ermittler- und Fahndungsgruppen auf – zuletzt Rückgang der Delikte

Griechenland-Krise und Flüchtlingswelle verdrängten das Thema in den vergangenen Monaten aus den Schlagzeilen. Nun haben sich Bayern und Tschechien wieder daran erinnert, dass die Modedroge Crystal Meth noch immer ein ungelöstes Problem darstellt.

Gemischte Ermittler- und Fahndungsteams sollen daher künftig den Schmuggel des gefährlichen Rauschgifts verhindern. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und sein tschechischer Amtskollege Milan Chovanec (ČSSD) am vergangenen Freitag in Nürnberg.

Es gehe ihnen vor allem darum, „Drogenlabore, Händlerringe und Schmugglerrouten im Grenzgebiet aufzudecken“, erklärten die Politiker. Eine intensivere Zusammenarbeit mit Tschechien sei besonders wichtig, weil Crystal Meth die Aufklärer nach Herrmanns Worten noch eine ganze Weile beschäftigen wird.

Zu einem Brennpunkt werden zunehmend Ballungsräume wie Nürnberg und München. Keine Probleme mit Crystal haben angeblich nur drei bayerische Landkreise. Der Schwerpunkt dieser Kriminalität liegt weiterhin in den Grenzgebieten, besonders in den Landkreisen Wunsiedel, Tirschenreuth und Schwandorf. Und speziell in Oberfranken, weil in Tschechien noch immer besonders viel Crystal hergestellt wird.

Vietnam soll helfen
Beim gemeinsamen Termin in Nürnberg betonte Innenminister Chovanec, dass vor allem vietnamesische Banden das Rauschgift produzierten, das kurzfristig die Leistung steigert, aber auf Dauer zu schweren gesundheitlichen Schäden führen kann.

Deshalb sollten Kripobeamte aus Vietnam der tschechischen Regierung Erkenntnisse verschaffen, wie diese organisierte Kriminalität funktioniert. Und Vietnamesen, die straffällig wurden, sollten zur Abschreckung in Gefängnisse in ihre Heimat abgeschoben werden. Doch mit Vietnam sei bisher keine Kooperation geglückt, so Chovanec.

Crystal ist ein Methampheta­min, und bei diesen Vergehen verzeichnete Bayern bis Ende September bei 2.246 Delikten gleichwohl einen Rückgang um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. An der Grenze zu Tschechien ging der Schmuggel von Crystal sogar um 20 Prozent auf 208 und die Einfuhr von nicht geringen Mengen um 31 Prozent auf 106 Fälle zurück.

Wie Herrmanns Staatssekretär Gerhard Eck im Innenausschuss des Landtags mitteilte, setzte sich damit der positive Trend des Jahres 2014 fort. Er sah darin einen Erfolg von Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen.

Eck erwähnte speziell den hohen Kontrolldruck durch Beamte im Grenzbereich zu Tschechien. Ein „Fundament dieses Rückgangs“ sei die enge polizeiliche Zusammenarbeit mit Tschechien. Man sei diesbezüglich „auf einem ausgezeichneten Weg“, erläuterte Eck. Benachbarte Dienststellen stünden fortwährend in Kontakt, gemeinsame Razzien und Streifengänge auf beiden Seiten der Grenze seien an der Tagesordnung. Und der „Ermittlungs- und Fahndungsdruck in Zusammenarbeit mit Tschechien“ soll unvermindert anhalten.

Steigende Zahlen in Sachsen
Bewährt habe sich laut Eck zudem die „Task Force Crystal Bayern“, die das Landeskriminalamt in Zusammenarbeit mit den Polizeipräsidien in Nord- und Ostbayern betreibt. Wichtig sei auch, dass die Produktion der Crystal-Grundstoffe in Polen durch ein neues Gesetz erschwert wurde. Von dort bezogen illegalen Drogenküchen in Tschechien oft ihre Ausgangssubstanzen.

Eck kündigte eine neue Aufklärungskampagne über die gesundheitlichen Gefahren von Crystal an. Sie soll speziell Menschen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren ansprechen. In den vergangenen anderthalb Jahren gab die Staatsregierung bereits fast eine halbe Million Euro dafür aus. Auch die bundes­weit einmalige „Crystal Hotline“ soll bestehen bleiben. Denn Eck wollte trotz des Rückgangs an Delikten keine Entwarnung geben. Vielmehr könnten steigende Zahlen in Sachsen so gewertet werden, dass Schmuggler jetzt ihre Routen dorthin verlegt hätten.

Zudem habe Bayern trotzdem „noch immer sehr hohe Fallzahlen“, so Innenminister Herrmann. Er wies daraufhin, dass bis Ende September 12,4 ­Kilogramm Crystal sichergestellt worden seien, vier Kilo mehr als 2014. Eck führte das auf zwei größere Funde zurück.

Bessere Möglichkeiten
In ihrem Kampf gegen die grenzüberschreitende Kriminalität wollen Bayern und Tschechien auch Einbrecherbanden und Kfz-Diebstählen verstärkt auf die Spur kommen. Laut Herrmann wurden in der Absichtserklärung – neben Expertenteams mit bayerischen und tschechischen Polizisten – zahlreiche weitere Einzelmaßnahmen aufgeführt.

Wichtig sei ein noch schnellerer und unbürokratischer Austausch von Informationen über die aktuelle Kriminalitäts­entwicklung. Daneben sollen Polizisten im Grenzgebiet auch bei der Fortbildung enger mit ihren tschechischen Kollegen kooperieren. Geplant seien Sprachschulungen, gegenseitige Hospitationen und spezielle Fachtagungen.

Grundlage für die Gemeinsame Absichtserklärung ist der Ende April geschlossene Polizeivertrag zwischen Deutschland und Tschechien. Daran habe Bayern laut Herrmann entscheidend mitgewirkt.

„Nun haben wir erheblich bessere Möglichkeiten, zusammen mit der tschechischen Polizei gegen grenzüberschreitende Kriminelle vorzugehen“, so Herrmann. Der neue Vertrag ermögliche zum Beispiel, dass bayerische Polizeibeamte Straftäter auch auf tschechischem Gebiet verfolgen können.

Text: Klaus Hanisch, Foto: APZ

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