26. Juni 2017,

Parlament und Premier zeichnen Brady aus

27. 10. 2016

Abgeordnete ehren 88-jährigen Holocaust-Überlebenden

Das tschechische Abgeordnetenhaus hat am Donnerstag im Rahmen einer Feierveranstaltung den 88-jährigen Holocaust-Überlebenden Jiří Brady ausgezeichnet. Parlamentspräsident Jan Hamáček überreichte Brady eine Gedenkmedaille für seinen „lebenslangen Einsatz für die Menschenrechte“. Bereits zuvor ehrte ihn Premierminister Bohuslav Sobotka mit der Karel-Kramář-Gedenkmedaille. Auch die Stadt Prag zeichnete Brady für dessen Verdienste aus.

Jiří Brady war als Holocaust-Überlebender nach dem Krieg nach Kanada emigriert, half dort Emigranten und legte sein Leben lang in Vorträgen und Lesungen Zeugnis über die Schrecken der NS-Konzentrationslager ab. Nach 1989 engagierte er sich in seiner alten Heimat und war maßgeblich am Wiederaufbau der Traditionszeitung „Lidové noviny“ beteiligt.

Ursprünglich sollte Brady am 28. Oktober von Präsident Miloš Zeman einen staatlichen Verdienstorden verliehen bekommen. Laut Kulturminister Herman, ein Neffe Bradys, wurde der 88-Jährige von der Liste der Auszuzeichnenden gestrichen, weil sich Herman unlängst mit dem Dalai Lama getroffen hatte. Präsident Zeman soll ihn diesbezüglich im Vorfeld des Treffens persönlich unter Druck gesetzt haben. Die Präsidentenkanzlei bestreitet diesen Zusammenhang.

Die Affäre um die (Nicht-)Auszeichnung Bradys beherrscht seit einer Woche die Schlagzeilen der tschechischen Medien. Aus Protest gegen das Verhalten Zemans werden zahlreiche Politiker und Ehrengäste dem offiziellen Staatsakt am 28. Oktober auf der Prager Burg fernbleiben. Am gleichen Tag findet um 18.30 Uhr auf dem Altstädter Ring eine alternative Festveranstaltung statt.

 

Text: id/čtk

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