12. Dezember 2017,

Manchmal schwierig – aber nie langweilig

Lucie Čechová (Mitte) freut sich mit ihren Schülerinnen über den Preis.

15. 06. 2016

Lucie Čechová ist Tschechiens beste Deutschlehrerin

Lucie Čechová unterrichtet Deutsch und spielt gern Spiele. Nun wurde sie zur besten Deutschlehrerin Tschechiens gewählt. Die Auszeichnung wird unter anderem vom Tschechischen Germanisten- und Deutschlehrerverband sowie der Deutschen und der Österreichischen Botschaft in Prag verliehen. Čechová bewarb sich mit ihrem Projekt „Egal wer und wo du bist, Deutsch ist nie ein Mist“, bei dem sie zusammen mit ihren Schülern Unterrichtsmaterial erstellte, um Wortschatz und Wissen über das Nachbarland zu erweitern.

Warum sollte man in Tschechien Deutsch lernen?
Ich denke, dass es nicht nur wichtig ist, weil wir viele deutschsprachige Nachbarn haben, sondern auch, weil wir durch Deutsch viele Menschen kennenlernen –nicht nur in unseren Nachbarländern, sondern auf der ganzen Welt.

Viele Schüler entscheiden sich heute lieber für Französisch oder Spanisch als zweite Fremdsprache. Wie kann man Deutsch attraktiv machen?
Ich zum Beispiel mache sogenannte Sprachanimationen, die das Koordinierungszentrum für Deutsch-Tschechischen Jugendaustausch Tandem organisiert. Das bedeutet, dass ich in der Phase, in der sich Schüler entscheiden, welche zweite Fremdsprache sie lernen wollen, Klassen besuche und ihnen die Sprache vorstelle. Ich zeige ihnen, dass Deutsch eigentlich gar nicht so schwer ist, wie sie denken und dass sie viele Vokabeln schon kennen, ohne es zu wissen. Als Lehrerin versuche ich diese Einstellung aufrechtzuerhalten. Das bedeutet, dass ich in der Regel keine Lehrbücher verwende, sondern davon ausgehe, was die jeweiligen Schüler brauchen.

Was würden Sie Leuten empfehlen, die Deutsch lernen möchten?
Gleich anzufangen und nicht abzuwarten. Es ist völlig egal, wie alt man ist.

Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?
Den Willen zum Lernen. Darüber hinaus sollte man sich bewusst machen, was das Ziel ist. Will man für eine Woche in den Urlaub fahren oder ein Bewerbungsgespräch auf Deutsch absolvieren? Oder lernt man einfach nur zum Spaß?

Was sollten Schüler nicht erwarten?
Sie sollten nicht erwarten, dass sie sich langweilen werden. Deutsch ist nicht langweilig. Auch wenn es manchmal schwierig ist.

Was ist das Schwerste daran, Deutsch zu unterrichten?
Eine schwierige Frage. Es ist eine langfristige Verpflichtung. Wenn mir jemand das Vertrauen schenkt und bei mir die Sprache lernen möchte, ist das keine Frage von einer oder zwei Wochen. Die Schüler bleiben längere Zeit dabei. Das Schwerste ist, durchzuhalten, das Niveau aufrechtzuerhalten, immer aufs Neue zu motivieren.

Was sind die häufigsten Fehler, die Deutschlehrer machen?
Ich denke, dass sie mit ihren Schülern viel zu wenig Spiele spielen. Ich finde, dass die Einstellung falsch ist, Spiele als Belohnung für etwas zu betrachten und nicht als Lernmittel zu verwenden. Jeder Mensch merkt sich am meisten, wenn er etwas ausprobieren, spielen, entdecken kann. Das ist viel effektiver als ein Buch aufzuschlagen und etwas auswendig zu lernen. Aber damit möchte ich nicht sagen, dass alle Lehrer etwas falsch machen. Wenn das der Fall wäre, dann könnte hier niemand Deutsch. Und dem ist nicht so.

Wie schnell kann man eigentlich so Deutsch lernen, dass man sich mit jemanden in der Sprache unterhalten kann?
Das ist sehr unterschiedlich. Einmal pro Woche einen Sprachkurs zu besuchen, ist zu wenig. Man sollte am besten auch reisen und ständig mit der Sprache in Kontakt sein.

Was kann man noch unternehmen, um schneller voranzukommen?
Man man muss sich auch mit der Sprache beschäftigen und selbst versuchen, Hürden zu überwinden. Man kann zum Beispiel in der Fremdsprache fernsehen oder versuchen, Zeitungen zu lesen. Auch wenn man am Anfang vielleicht gar nichts versteht, kann man bestimmt nach zwei Wochen schon einige Überschriften entziffern. Das fällt aber nicht vom Himmel. Man braucht viel Engagement.

Hatten Sie gute Deutschlehrer?
Ich hatte immer gute Deutschlehrer. Und ich möchte mich an dieser Stelle bei ihnen bedanken.

Interview: Jan Nechanický, Foto: Goethe-Institut/Pavlína Jáchimová

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