11. Dezember 2017,

Wer war eigentlich Strossmayer?

Kirche des Heiligen Antonius von Padua

10. 02. 2016

Prager Orte und ihre Namen: Ein kroatischer Papstkritiker und „Freund des slawischen Volkes“ in Holešovice

Wer in Prag oft mit der Straßenbahn unterwegs ist, kennt den Strossmayerplatz (Strossmayer­ovo náměstí) in Holešovice vom Umsteigen. Wahrscheinlich hat man dort auch schon einmal verzweifelt gesucht, an welcher Haltestelle die Tram zum Stehen kommt, auf die man gerade wartet. Bestimmt hatte man dabei auch Zeit, sich die Kirche des Heiligen Antonius von Padua zumindest von außen anzusehen und sich zu fragen, wer eigentlich dieser Strossmayer war, der dem Platz seinen Namen gab.

Josip Juraj Strossmayer (1815–1905) stammte aus einer kroatischen Familie mit deutschen Wurzeln. Als Bischof und Poli­tiker prägte er die kroatische Geschichte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Geboren in Osijek, wurde Strossmayer mit nur 34 Jahren zum Bischof von Bosnien und Syrmien geweiht. Er hatte seinen Sitz in Đakovo, einer kleinen Stadt im heutigen Kroatien, die erst durch ihn berühmt wurde. Seine Diözese verfügte über einen großen Grundbesitz. Die Gewinne investierte der Bischof in eine umfassende Bildungsreform und finanzierte Grundschulen, Gymnasien, die Lehrerausbildung, öffentliche Bibliotheken, die Gründung der südslawischen Akademie der Wissenschaften und die Wiedereröffnung der Universität Zagreb. „Bildung und Freiheit“ lautete einer seiner Wahlsprüche.

J. J. Strossmayer 1850

Von 1860 bis 1873 war Strossmayer Anführer der kroatischen Volkspartei. Er kämpfte für die Rechte der südslawischen Völker und deren größere Eigenständigkeit innerhalb der Habsburger Monarchie. Zudem setzte er sich dafür ein, die kroatische Sprache in Schulen und der Verwaltung einzuführen. Intensiv tauschte er sich mit František Palacký und František Ladislav Rieger aus, den Repräsentanten der tschechischen „nationalen Wiedergeburt“. Die Gesellschaft des Prager Museums des Königreichs Böhmen ernannte Strossmayer als „Freund des slawischen Volkes“ 1861 zum Ehrenmitglied. Ähnlich wie Palacký unterstützte er einen Zusammenschluss der slawischen Völker unter der Schirmherrschaft der Habsburger Monarchie.

Als päpstlicher Nuntius für Serbien strebte Strossmayer die Einführung einer einheitlichen slawischen Liturgie für Kroaten und Serben an. Auf dem Ersten Vatikanischen Konzil in Rom 1869/70 gehörte er zur kleinen Gruppe der Bischöfe, die gegen das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes votierte. Vor der Versammlung hielt er eine dreistündige Rede auf Latein, immer wieder unterbrochen von empörten Geistlichen, die ihn als Ketzer beschimpften. Mit seiner Kritik am Papsttum und seinem Plädoyer für die Aufwertung der Bischöfe nahm Strossmayer Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils vorweg. Scharf geißelte er eine Herleitung des Papsttums aus dem Neuen Testament und prangerte die Vergehen einiger Päpste an: „Ich habe das ganze Neue Testament gelesen und erkläre vor Gott, meine Hand zu diesem großen Kruzifix erhoben, dass ich keine Spur vom Papsttum, wie es jetzt ist, gefunden habe.“

Text: Friedrich Goedeking, Fotos: APZ, David Green/CC BY NC-ND 2.0

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