Die Kaffee-Forscher
Gespräch

Die Kaffee-Forscher

Schwarze Bohnen sind Kult. Dafür sorgen auch zwei Tschechen. Sie suchen seit Jahren nach dem besten Kaffee und den tollsten Cafés

4. 2. 2019 - Text: Klaus Hanisch, Titelbild: Nathan Dumlao

Das co-op Coffee im früheren Fischer- und Handwerkerquartier von Würzburg, gleich gegenüber der Altstadt. Ein idealer Treffpunkt, um ein paar Worte mit Aleš Pospíšil (32) und Radek Nožička (26) wechseln. Die beiden Tschechen beschäftigen sich beinahe rund um die Uhr mit Kaffee. Dafür reisen sie um die Welt, besuchten bereits mehr als 400 Kaffeeröster und besichtigten fast 1.500 Cafés.
Aleš Pospíšil: Kaffee ist das Getränk, das Menschen zusammenbringt. Nicht nur Trinker und Genießer, sondern auch Leute, die Cafés und Röstereien betreiben. Jeder von ihnen hat eine interessante Geschichte und einen anderen Hintergrund. Diese Geschichten interessieren uns und machen den Kaffee oft so spannend. Beim Kaffee selbst interessieren wir uns nicht für das Herkömmliche, sondern für Kaffee-Spezialitäten. Also für spezielle Marken und Sorten. Kaffee gibt es schon sehr lange, aber Spezial-Kaffee ist in Europa relativ neu, den gibt es vielleicht erst seit zehn Jahren.
Radek Nožička: Deshalb haben wir vor fünf Jahren mit dem Projekt „European Coffee Trip“ begonnen. Zumal wir gerne reisen. Kaffee ist das Thema, das alles verbindet: Inhalte schaffen, darüber schreiben. Ich will Fotos und Videos dazu machen. Wir haben den Eindruck, dass es nicht genügend Informationen über Spezial-Kaffee in Europa gibt. Und darüber, in welches Café man zum Beispiel in Budapest oder Berlin gehen sollte. Wir wollten und wollen diese Städte entdecken und unsere Erfahrungen (mit)teilen.

Radek Nožička und Aleš Pospíšil in Würzburg | © khan

Das machen sie bei European Coffee Trip, einer Website und zugleich einem Führer durch die große Kaffee-Welt. Dort veröffentlichen sie Artikel, Interviews und Bilder. Obwohl beide keine Ausbildung im Kaffee-Business oder im Journalismus haben.
Aleš Pospíšil: Das ist schon ein wenig verrückt. Wir hatten tatsächlich keinerlei Vorkenntnisse als Journalisten und auch nicht bezüglich des Kaffees. Wir haben an der Technischen Universität in Brünn studiert und uns dort kennengelernt. In den letzten fünf Jahren mussten wir erst alles über Kaffee und Journalismus lernen.
Radek Nožička: Den Kaffee und unsere Website sehe ich als Chance, möglichst viele Bilder zu veröffentlichen und mich als Fotograf weiter zu verbessern. Ich habe Maschinenbau studiert, bin Ingenieur und habe danach überlegt, was ich mit meinem Leben anfangen soll. Fotografie war schon immer mein Hobby, ich wollte gerne meine Aufnahmen weit verbreiten. Unser Projekt ist das ideale Medium dafür.

Ihr Instagram-Konto weist mehr als 50.000 Follower aus, ihre Facebook-Seite hat fast 22.000 Likes und ihre Videos sehen über 27.000 Menschen auf YouTube.
Aleš Pospíšil: Jede Plattform ist anders. Die Leute, die uns auf Instagram folgen, lieben Kaffee und wollen neue Cafés entdecken. Dagegen erreichen wir bei YouTube vor allem Leute, die sich für unsere Rezepte interessieren. Generell interessierten sich zwei Gruppen von Menschen für uns: auf der einen Seite Kaffee-Profis, also Baristas, Röster und Kaffeehaus-Betreiber. Die zweite Hälfte sind Kaffee-Enthusiasten, die sich ihren Kaffee zuhause selbst zubereiten und dazu lernen wollen. Sie wollen unsere Fotos und Videos sehen und mehr über Cafés erfahren, die wir vorstellen. Das sind für sie Anregungen für ihre eigenen Reisen.

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