Die polnische Partnerstadt von Innsbruck beeindruckt durch ihre architektonische Vielfalt.
Eine Einladung nach Krakau
Grußwort des Bürgermeisters der Stadt Krakau, Jacek Majchravski
Krakau - gehört zu jenen Städten, die eine Seele, einen Geist, ihren genius loci haben. Eine großartige Architektur, wie die über sechshundert Jahre alte „Jagiellonski Universität“, das Schloss Wawel, Kirchen, Museen, Kunstgalerien prägen Krakau. Zahlreiche Künstler und tausende Studenten verleihen der Stadt eine besondere Atmosphäre. Und Krakau ist inzwischen auch eine Stadt mit einem imponierenden Bildungspotential.
Seit der Invasion der Tataren blieb Krakau von Zerstörungen verschont und verfügt über eine einzigartige, urbane Struktur aus der Zeit des großen Städtebaus. Mit seinem altertümlichen Marktplatz, dem größten Europas, versinnbildlicht Krakau die mittelalterliche Stadt schlechthin. Einst residierten hier die polnischen Könige. Heute ist die historische Architektur Bindeglied zwischen den Funktionen einer modernen Metropole und den Ansprüchen an Kultur und Kunst. Hier werden Konzerte veranstaltet, Trödel- und Weihnachtsmärkte abgehalten und Straßentheater aufgeführt.
Allein an Festivals finden jährlich weit über 40 statt. Einige wie das Krakauer Jazzfestival „Zaduszki“, die internationale Grafik-Triennale oder das Dokumentarfilmfest erfreuen sich einer breiten Anerkennung. Andere arbeiten noch auf einen größeren Erfolg hin. Dann wiederum gibt es auch solche, wie das jüdische Kulturfestival, die es vermögen, mehrere tausend Menschen aus aller Welt auf den Straßen zu vereinigen.
Die Atmosphäre Krakaus zieht wie ein Magnet stets außergewöhnliche Persönlichkeiten an. Heute verbindet man mit der Stadt die Persönlichkeit von Papst Paul II. oder die Namen berühmter Literaturpreisträger wie Wislaw Szymborski oder Czeslaw Milosz, aber auch die des Regisseurs Andrzej Wajda. Krakau, das sich durch sein multikulturelles und universelles Erbe auszeichnet, war schon immer bekannt für seine Offenheit und Warmherzigkeit Gästen gegenüber. Besonders spüren dies Touristen, Organisatoren und Veranstalter jeglicher Art, aber auch Unternehmen, die sich hier niedergelassen haben. Ich hoffe, dass sich davon auch die Leser der Prager Zeitung überzeugen möchten. Ich lade Sie herzlich ein, in das altertümliche und königliche Krakau zu kommen.
Eine Stadt voller Kirchen und Geschichte
Einige nennen Krakau das polnische Florenz, andere vergleichen die Stadt mit Rom. Auch wenn viele Gemeinsamkeiten diese Städte verbinden – Krakau hat sein ganz persönliches Flair, das man vor allem dann spürt, wenn man einfach durch die Straßen schlendert. Über Tausend Jahre alt und über 750 000 Einwohner zählend, ist die heimliche Hauptstadt eine wahre Schatztruhe architektonischer Vielfalt. So stehen gotische Gebäude neben Barock- und Renaissance-Bauwerken, und hoch auf einer Anhöhe thront das Wawelschloss. Kein Wunder, dass die Unesco die Stadt 1978 in das kulturelle Welterbe aufgenommen hat.
Krakau hat nicht nur eine der ältesten Universitäten sondern ist auch Stadt der Kirchen: Man muss nicht weit laufen, um auf ein Gotteshaus zu stoßen, ob christlich oder jüdisch, jedes hat seinen ganz besonderen Charakter. Eine der bedeutendsten Kirchen ist die Mariannen-Kirche, die in der Form einer gotischen Basilik errichtet wurde. In ihrem Inneren befindet sich der größte Krakauer Schatz, der Veit-Stoß-Altar. Ende des 15. Jahrhunderts wurde der berühmte Nürnberger Künstler eingeladen, um den Altar, der die wichtigsten Stationen im Leben Marias zeigt, zu bauen. Neben dem berühmten Altar befinden sich noch eine barocke Kanzel und weitere prächtige Altare.
Ganz im Barock präsentiert sich die im 17. Jahrhundert erbaute Kirche St. Anna. Sie zählt zu den bedeutendsten Werken dieses Baustils in Polen. Aus dem 17. Jahrhundert stammt die Kirche des heiligen Peter und Paulus. Sie wurde im Stil des frühen Barocks errichtet und besticht vor allem durch ihrer fantastische Fassade mit künstlerischen Verzierungen aus verschiedenen Steinen.
Beide Gotteshäuser entstanden zur Zeit der Herrschaft des König Sigismund III. Vasa. Obwohl er im Jahre 1607 den Königssitz nach Warschau verlegte, blieb Krakau weiterhin Ort der Krönungen und der Begräbnisse der Könige.
Besonders beeindruckend ist der Marktplatz, übrigens der größte in Europa. Heute noch findet man dort die sogenannten Sukiennice. Das sind altertümliche Handelsplätze, wo zumeist regionale Andenken verkauft werden. An gleicher Stelle steht auch die polnische Kunstgallerie aus dem 14. Jahrhundert. Unübersehbar sind der Rathausturm und die Kirche des heiligen Wojciecha.
Doch sind es nicht nur die Sehenswürdigkeiten, die Touristen am Marktplatz länger verweilen lassen; er ist auch Treffpunkt für Jung und Alt und riesiger Veranstaltungsort für Partys, Festivals, Messen und Konzerte. Vom Marktplatz aus verläuft die Grodzka-Straße, die einen Teil der ehemaligen königlichen Landstraße bildet und bis zur Anhöhe des Waweler Schlosses führt – der alten Heimat der polnischen Könige während der Renaissance. Kasimir der Erneuerer machte das Schloss zum Zentrum der Macht.
Unweit davon befindet sich die Krakauer Kathedrale mit Sigismund-Kapelle und Sigismundglocke. Sehenswert sind das hiesige Museum und die prachtvollen Königsgemächer. Von hier eröffnet sich dem Besucher ein einzigartiger Blick auf die Altstadt.
Am Fuße der Anhöhe versteckt sich um die Kanoniczna-Straße der älteste Stadtteil Krakaus. Kasimir war ursprünglich eine eigene Stadt, gegründet von Kasimir dem Großen im Jahre 1335. Begibt man sich abwärtslaufend Richtung Stadtmitte, gelangt man in den jüdischen Teil. Hier findet man nicht nur alte Tempel, Handels-plätze und Synagogen, sondern auch kleine Mietshäuser und den alten jüdischen Friedhof. Erbaut wurde der Remuh-Friedhof im Jahre 1533; er zählt zu den bedeutendsten Mausoleen in Europa. Gerade dieser Teil gibt Einblick in das christlich-jüdische Zusammenleben. Denn neben den prachtvollen Synagogen findet man auch wunderschöne christliche Gotteshäuser wie die Kirche Leib Christi, die Kirche der heiligen Katarina oder die Kirche Paulinus auf dem Felsen. Manchem könnte dieser Bezirk bekannt vorkommen: Hier wurden Teile des Spielberg-Films „Schindlers Liste“ gedreht. Doch ist dieser Stadtteil mehr als nur eine Kulisse – er ist auch Austragungsort des weltberühmten Jüdischen Kultur-Festivals.
Kultur wird in Krakau ohnehin ganz groß geschrieben. Etliche Veranstaltungen, sowohl von regionalem Charakter als auch von internationaler Bedeutung, sind fast immer allgegenwärtig. Ob Musik, Film oder Theater – in Krakau kommt jeder auf seine Kosten.
Weit über die Grenze Polens bekannt sind auch das traditionelle Ärmelfest und der Wettbewerb der schönsten Krakauer Krippen. Reizvoll ist natürlich auch ein Bummel über die Weihnachtsmärkte und der Besuch eines der vielen Museen.
Entspannung bieten die zahlreichen Cafés oder Restaurants, die neben Krakauer Spezialitäten auch internationale Speisen servieren.
Frisch gestärkt sollte man unbedingt auf einem der etlichen Wanderwege oder einer der Touristenrouten die Umgebung erkunden. Ob Königsweg, Universitätsweg, Weg des heiligen Stanislaw, Weg der jüdischen Denkmäler, der Pfad der Krakauer Heiligen, Pfade Jan Pauls II., Weg der Geschichte der Waweler Anhöhe, oder der Nowohucka-Weg – jede Strecke bietet einen ganz speziellen Einblick in die Krakauer Geschichte. Wer dem Großstadtrummel entfliehen möchte, findet ganz in der Nähe interessante Ausflugziele wie den Niepolomicki-Urwald, Ojcow, Tyniec und die Sandgebirge.
Von Bernd Rudolf