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Prager Zeitung

2. 9. 2010, 21:29
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PZ-Thema: Literatur
Tipp: Ein Buch heilt alle Wunden
17. 3. 2010

Kateřina Tučková und ihr neuer Roman „Die Vertreibung der Gerta Schnirch“



Die Vertreibungsproblematik bahnt sich in der tschechischen Literatur erst seit kurzem einen schmalen Weg. Es gibt unzählige persönliche Geschichten aus dem Sudetenland, die den Tschechen wenig bekannt sind.

Kateřina Tučková (* 1980) ist eine junge Brünner Autorin, die sich dem Thema der Vertreibung aus ihrer Heimatstadt in ihrem neuen Roman „Vyhnání Gerty Schnirch“ („Die Vertreibung der Gerta Schnirch“) angenommen hat. Das 400-seitige Buch umfasst eine große Zeitspanne, wobei den größten Raum die Kriegs- und Nachkriegszeit einnimmt, vor allem der sogenannte „Todesmarsch von Brünn nach Pohořelice“, mit dem auch die Hauptfigur des Romans aus der Stadt getrieben wird.

Die Handlung beginnt im Jahre 1939 mit Gertas Jugend in der deutsch-tschechischen Familie Schnirch und endet im Jahre 2001. Die Mutter ist Tschechin, der Vater ist Deutscher. Gerta begrüßt den Vater auf Tschechisch, er antwortet auf Deutsch. Der Vater lacht über einen nackten Juden und die Mutter bricht in Tränen aus, weil der Mensch unwürdig behandelt wird.

Als der Krieg ausbricht, ändert sich das Familienleben schlagartig. Auf Wunsch des Vaters muss Gerta fortan die erste Strophe des Deutschlandliedes singen. Doch merkt sie, dass das Verhältnis zwischen dem Vater und ihrem Bruder Friedrich ein viel engeres ist. Immer öfter unterhalten sich die beiden unter vier Augen. Worüber? Sie versteht noch nichts.

Eines Tages untersagt ihr der Vater, zu Hause Tschechisch zu sprechen. Gerta wendet sich ihrer Mutter zu, der Haushalt zerfällt in einen tschechischen und einen deutschen Teil. Schließlich zerbricht die Familie – wie die Länder Europas und die Seelen der Menschen.

Die Mutter stirbt während des Krieges, der Sohn wird an die Front geschickt, der Vater fängt an zu trinken und Gerta besucht tagtäglich das Grab ihrer Mutter. Während des Krieges lernt sie einen Tschechen kennen, sie wird schwanger.

Der Krieg ist zu Ende, die Angst bleibt. Am 26. April 1945 werden alle Deutschen aus Brünn auf den 30 Kilometer langen Todesmarsch nach Pohořelice geschickt. Gerta überlebt. Nach einigen Jahren kehrt sie gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter in die mährische Metropole zurück, doch die Stadt ist ihr fremd geworden. Als Halb-Deutsche bewegt sie sich am Rande der tschechischen Gesellschaft, die allem Deutschen Ablehnung entgegenbringt. Gerta Schnirch stirbt vereinsamt in den Armen ihrer Tochter.

Den gesamten Artikel können Sie in der Druckausgabe der Prager Zeitung oder in unserem ePaper lesen.

Vyhnání Gerty Schnirch (416 Seiten, ISBN 978-80-7294-315-9, 299 Kronen) Das Buch soll in diesem Jahr auf Deutsch erscheinen.



Von Milena Oda

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