Tschechen gehen oft zum Arzt, darunter leidet die Qualität der Behandlung
13 Mal im Jahr geht ein Tscheche durchschnittlich zum Arzt. Ein Wert, der im EU-Vergleich nur noch von den Deutschen übertroffen wird. Der ärztliche Rat scheint auch den Tschechen wichtig zu sein, denn die Zahl der Blaumacher, die die Praxis aufsuchen, dürfte angesichts der gesetzlichen Regelungen nicht allzu hoch sein. Der Arbeitslohn für die ersten drei Krankheitstage werden von den Kassen nicht erstattet.
Für jeden weiteren Tag der Arbeitsunfähigkeit zahlt die Kasse nur die Hälfte des Nettogehaltes.
Muss jeder Schnupfen, Kopfweh oder irgendein anderes Zimperlein begutachtet werden? Selbst von der Praxisgebühr lassen sich nur sehr wenige davon abhalten, einen Arzt aufzusuchen. Leidtragende sind die Menschen, die wirklich Hilfe benötigen. Denn auch einem Arzt steht nur eine beschränkte Zeit zur Verfügung.
Die Folge: Die Untersuchungen werden nur oberflächlich durchgeführt, oft fehlt dem Arzt die Zeit, sich ausführlich dem Patienten zu widmen. Das führt wiederum dazu, dass Patienten noch häufiger in den Wartezimmern anzutreffen sind. Das Gesundheitssystem wird in vielen Fällen unnötigerweise belastet.
Vielen Menschen fehlt heute die Fähigkeit, in ihren Körper zu hören, und die Einsicht, dass eine Genesung Zeit benötigt. Viel zu schnell will man wieder fit werden. Doch ein Arzt ist kein Wunderheiler. Es trifft oft zu: Eine Erkältung heilt man ohne Doktor in einer Woche aus, mit Arzt benötigt man sieben Tage.
Von Bernd Rudolf