Michael Hanekes neuester Film „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“ wurde im vergangenen Jahr in Cannes mit der Golden Palme, der höchsten Auszeichnung des französischen Filmfestivals, ausgezeichnet. Der Film ist zudem als deutscher Beitrag bei der diesjährigen Oscarverleihung in der Kategorie „Bester ausländischer Film“ im Wettbewerb.
„Das weiße Band“ erzählt vom provinziellen Leben der Einwohner eines protestantischen Dorfes namens Eichwald im Jahr 1914. Die Bilder der norddeutschen Landschaft zu Beginn des Filmes wirken idyllisch: In den Schwarz-Weiß-Aufnahmen des Kameramanns Christian Berger wiegen sich Bäume und Felder im Wind. Doch schnell trübt sich der Blick auf das Dorfleben, als der ortsansässige Arzt durch eine böswillige Attacke in Lebensgefahr gerät.
Neben dem Arzt sind die weiteren Hauptcharaktere des Films ein evangelischer Pastor und seine Familie, ein junger Schullehrer und insbesondere die Kinder des Ortes. Die hierarchische Struktur wird durch den Baron verdeutlicht, von dem das Gros der Einwohner des landwirtschaftlich geprägten Ortes wirtschaftlich abhängig ist. Im weiteren Verlauf des Films häufen sich die tragischen Ereignisse: Die Frau eines Bauern stürzt im Sägewerk des Barons in den Tod, der Sohn des Barons wird misshandelt und ein geistig behindertes Kind verliert durch eine ungemein böswillige, aber niemals aufgeklärte Tat, fast sein Augenlicht. All diese Geschehnisse zeigt Haneke mit einer Nüchternheit, die kein Mitleid aufkommen lässt.
Das Leben der Einwohner Eichwalds wird als einengend, streng und freudlos dargestellt. Und dies spiegelt sich in der Bildsprache des Filmes wider. Den Einstellungen ist meist ein enger Rahmen vorgegeben. Wenn dem Zuschauer doch einmal ein großzügigerer Ausblick gegönnt ist, dann meist vom Standpunkt einer fixierten Kameraeinstellung aus, bei der auch innerhalb der Komposition beinahe jegliche Bewegung fehlt. Die Menschen und ihre Landschaft wirken beinahe wie erstarrt. Haneke erreicht damit, dass der Zuschauer selbst die Perspektive der Einwohner einnimmt: eine nüchterne und kalte Perspektive, die ihrer Außenwelt ohne Menschenliebe und Wärme begegnet.
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Das Französische Institut präsentiert in seinem „Kino 35“ bis Sonntag, 7. Februar eine Auswahl aus dem Werk des Regisseurs Michael Haneke. „Das weiße Band“ wird am Sonntag um 19 Uhr gezeigt. Institut Francais de Prague, Štěpánská 35, Prag 1, www.ifp.cz
Von Jan Sebastian Friedrich