Immer weniger Tschechen wollen ihre „chata“ verkaufen / Der Trend geht zur Vermietung
Was vielen Deutschen der Schrebergarten und den Holländern der Wohnwagen, ist für einen Großteil der Tschechen ihre „chata“ oder „chalupa“ (Sommerhaus) – eine Lebensphilosophie. Hier trifft man Gleichgesinnte, tauscht sich aus und findet seine Entspannung.
Beliebt sind die Ferienhäuser vor allem bei den Pragern, haben sie doch so die Möglichkeit der Hektik zu entfliehen. „Chaty“ gibt es mittlerweile je nach Größe, Lage und Zustand schon ab etwa 200 000 Kronen. Die teuren „chalupy“, die im Grunde genommen richtige Häuser sind, können schon mehrere Millionen kosten. Viele findet man im Sudetenland, wo sie von der damaligen deutschen Bevölkerung bewohnt wurden.
Galten vor allem die aus Stein gebauten Ferienhäuser in den vergangenen Jahren als eine sichere Geldanlage – die Preise für Immobilien stiegen seit den neunziger Jahren kontinuierlich – hat nun auch die Wirtschaftskrise die Chalupa- und Chata-Idylle erfasst. Gegenüber dem Jahr 2008 gingen die Preise bis zu 40 Prozent zurück. „Das gilt vor allem für die Häuser im Riesengebirge, anders dagegen sieht die Situation im Böhmerwald aus, wo eher ein Mangel an qualitativ hochwertigen Ferienhäusern herrscht“, erklärt Lukáš Trubka von der Immobiliengesellschaft aaachaty.cz.
Die Gründe für den enormen Preisverfall sind vielfältig. Einerseits können die meisten Häuser nicht über das ganze Jahr genutzt werden, was diese für potentielle Kunden unattraktiv macht, andererseits befinden sich viele in Gegenden, in denen es nicht einmal Strom und Wasseranschluss gibt. Einen erheblichen Anteil an den fallenden Preisen hat auch die Wirtschaftskrise, die sich stark auf den Immobilienmarkt ausgewirkt hat. Die Folge: Kaum jemand will sein Ferienhaus mehr verkaufen.
Als Alternative – um die Haushaltskasse aufzubessern – vermieten daher immer mehr Besitzer ihr kleines Häuschen.
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Von Bernd Rudolf