Der Umgang der tschechischen „Birthler-Behörde“ mit der Vergangenheit ist umstritten
Die Tage von Pavel Žáček als Leiter des Instituts zur Aufarbeitung totalitärer Regime (ÚSTR) scheinen gezählt. Der Aufsichtsrat hat entschieden, seine Stelle neu auszuschreiben. In dem entsprechenden Beschluss ist zu lesen, dieser Akt sei nicht als „Ausdruck der Unzufriedenheit gegenüber dem Direktor oder den Aktivitäten des Instituts“ zu verstehen. Vielmehr sei für die leitende Position Žáčeks ein Auswahlverfahren notwendig, das es in der Vergangenheit nicht gab und nun nachgeholt werden müsste.
Doch kam die Entscheidung der Stellenausschreibung zu einem Zeitpunkt, da sich Žáček dem immensen Druck einer Lobby um ehemalige Dissidenten ausgesetzt sah. Vor allem Žáčeks schonungslose Art, mit der kommunistischen Vergangenheit des Landes aufzuräumen, stieß bei vielen auf Ablehnung. Kritisiert wurde er unter anderem im „Fall Kundera“.
Ein Mitarbeiter des ÚSTR, das mit der „Birthler-Behörde“ in Deutschland zu vergleichen ist, veröffentlichte im Wochenmagazin „Respekt“ Ende 2008 eine Polizeiakte, aus der hervorgeht, der Schriftsteller Milan Kundera („Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“, „Der Scherz“) habe während seiner Studienzeit in Brünn einen Agenten des US-amerikanischen Geheimdienstes denunziert.
Dieser hatte daraufhin eine 14-jährige Haftstrafe zu verbüßen. Tschechiens Ex-Präsident Václav Havel und renommierte Schriftstellerkollegen stellten sich auf die Seite Kunderas, der die Beschuldigung entschieden zurückwies.
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Von Marcus Hundt