Zehntausende Amerikaner und Israelis reisen jedes Jahr auf Spurensuche nach Theresienstadt
„Siegbert Kolko * 30.01.1929“ ist einer von unzähligen Namen, die die Wände zweier großer Räume im Gebäude der ehemaligen Schule des Ghettos der Gedenkstätte Theresienstadt (Terezín) bedecken. Es sind die Namen von Menschen, die die Deutschen während des Zweiten Weltkriegs in das Ghetto Theresienstadt deportierten. Unwillkürlich hält man sie alle für tot, aber Siegbert Kolko lebt. „Das ist mein Großvater.
Er lebt in North Carolina. Er ist noch sehr fit“, sagt Valerie Kolko (30) aus der US-amerikanischen Stadt Durham. Nur schwer kann die bekennende Jüdin die Geschichte ihres Großvaters rekonstruieren. Von seiner Kindheit in Europa und seinem Schicksal während des Kriegs hat er kaum erzählt. „Er stammte aus Deutschland, ich weiß nicht genau woher. Mit etwa 12 oder 13 Jahren wurde er nach Theresienstadt gebracht und überlebte hier den Krieg. Später ging er in die USA, mit 24 lebte er schon in Brooklyn. Dabei hatte er Glück im Unglück, dass er gerade hierher, und nicht in eines der Vernichtungslager im Osten kam.“
Die 3000-Einwohner-Stadt Terezín ist der wichtigste Ort des Holocaust-Gedenkens in Tschechien insbesondere für Angehörige böhmischer Juden. Der Ort befindet sich etwa 60 Kilometer nördlich von Prag. Insgesamt wurden über 150 000 Menschen aus europäischen Ländern und nahezu alle Juden aus den böhmischen Ländern, die dem Holocaust zum Opfer fielen, zwischen 1940 und 1945 in das Ghetto Theresienstadt und von hier teils weiter in östliche Vernichtungslager deportiert. Nur weniger als 4000 von ihnen überlebten.
Von Nancy Waldmann