Prominente ziehen wegen satirischer Darstellungen vor Gericht
Ein Bürgermeister mit Schweineschnauze, ein Politiker mit Hitler-Bart und ein nackter Ex-Regierungschef eng umschlungen mit seiner 20 Jahre jüngeren Ehefrau – über den eigentümlichen Humor, mit dem das tschechische Wochenmagazin „Reflex“ auf seinen Titelseiten regelmäßig für Aufsehen sorgt, können die Betroffenen selten lachen.
Jüngstes „Opfer“ ist Prags Oberbürgermeister Pavel Bém (ODS), der sich auf der ersten Reflex-Ausgabe des Jahres als verschmitzt lächelnde Mutation eines Schweinekopfs wiederfand. „Hat Pavel Bém ausgegrunzt? Warum der Prager Magistrat den Ruf der korruptesten Behörde im ganzen Land hat“, untertitelte das Blatt die Fotomontage.
In dem entsprechenden Artikel wird die bürgerdemokratische Stadtverwaltung wegen eines „unrealistischen Wirtschaftsplans“ bei der Einführung der so genannten „Opencard“ kritisiert, die der Hauptstadt finanzielle Nachteile eingebracht hätte. Das Wochenblatt will in der Leitungsebene des Prager Rathauses ein „System zweckgebundener Verbindungen, privater und wirtschaftlicher Natur“ entdeckt haben und beschuldigt Oberbürgermeister Bém unter anderem, für die überhöhten Beraterkosten in der „Opencard-Affäre“ verantwortlich zu sein. Sowohl den Artikel als auch das Titelbild bezeichnete Bém als „verlogen und menschlich unwürdig“.
„Herr Šafr (Chefredakteur des „Reflex“, Anm. d. Red.) ist nicht der Herrgott, der machen kann, was er will. Er muss sich an journalistische Grundsätze und auch an die tschechische Rechtsordnung halten“, so der ODS-Politiker. Šafr schade mit seinem Handeln nicht nur ihm persönlich, sondern auch dem Ansehen der gesamten Stadt. Deswegen wolle er nun rechtliche Schritte gegen das Wochenmagazin einleiten, kündigte Bém an.
Vergleichbare Klagen hatten zuletzt keinen Erfolg. Das Prager Stadtgericht beendete am vergangenen Donnerstag den Rechtsstreit zwischen dem Hauptmann von Mittelböhmen, David Rath (ČSSD), und dem Schweizer Ringier-Verlag, Herausgeber des „Reflex“. Der Sozialdemokrat hatte geklagt, weil er im Februar 2009 als „Kombination aus Clown und Diktator, als eine Kreuzung Adolf Hitlers mit Charlie Chaplin“ auf der Titelseite des Reflex dargestellt wurde.
Den gesamten Artikel können Sie in der Druckausgabe der Prager Zeitung oder in unserem ePaper lesen.
Von Marcus Hundt