Schönheitsoperationen werden in Tschechien von qualifizierten Ärzten vorgenommen
Sie galt noch vor einigen Jahren als die Domäne der Prominenten und Reichen: die plastische Chirurgie. Doch heute greifen auch immer mehr Normalbürger auf die Kunst der Ärzte zurück, um unliebsame Stellen zu beseitigen, Brüste zu vergrößern oder Falten zu glätten. Schönheitsoperationen sind kein Phänomen der Neuzeit. Bereits im Altertum wurde nachgeholfen, um dem Schönheitsideal zu entsprechen.
Quellen beweisen, dass plastische Operationen schon vor Jahrtausenden in Ägypten und Indien üblich waren. So ist noch heute eine Nasenzusatzoperation unter dem Namen „indischer Lappen“ bekannt. Im mittelalterlichen Europa wurde der gestielte Hautlappen des Oberarms als Ergänzung der Nase benutzt.
Ab Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu einer rasanten Entwicklung der plastischen Chirurgie. Aus der Industriellen Revolution sowie dem Ausbau der Infrastruktur und Rüstungsindustrie resultierten immer mehr und schwerere Körperverletzungen. Auch die hohe Zahl der Verletzten im Ersten Weltkrieg förderte den Aufschwung der Chirurgie.
Parallel zur Rekonstruktions-Chirurgie entstand die ästhetische Chirurgie, weil alle Rekonstruktionen auch ästhetische Erfolge vorweisen sollten. Heute greifen plastische Chirurgen nicht nur zum Messer, um Folgen von Unfällen zu mildern, sondern auch, um dem Menschen ein Stück Jugend zurückzugeben.
Vor allem Tschechien hat sich diesbezüglich einen guten Namen gemacht. Gibt man in einer tschechischen Internet-Suchmaschine den Begriff „plastické chirurgie“ ein, stößt man auf mehr als 180 000 Einträge, ein Großteil der Seiten ist auf Deutsch. Die plastische Chirurgie hat in Tschechien nicht nur einen hohen Stellenwert, sondern auch eine lange Tradition. Die Grundlagen der plastischen Chirurgie wurden 1912 vom tschechischen Professor Zdeněk Burian gelegt. Drei Jahre später eröffnete er die weltweit erste Praxis für plastische Chirurgie. Burian entwickelte zahlreiche Operationsverfahren und -techniken, auf denen die heutigen Methoden beruhen.
Dass Tschechien auf dem Gebiet der plastischen Chirurgie über einen ausgezeichneten Ruf verfügt, ist auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Immer mehr Patienten kämen aus Deutschland, weiß Roman Kufa von der Perfect Clinic in Prag. „Es sind nicht nur die günstigeren Preise, die die Leute nach Tschechien locken, sondern auch die Qualität. Im Gegensatz zu hier benötigt man in Deutschland keinen speziellen Nachweis für plastische Chirurgie“, so der Facharzt. In Tschechien verfügen mehr als 200 000 Ärzte über ein derartiges Diplom. Damit haben sie den Nachweis erbracht, bereits einige plastische Operationen erfolgreich durchgeführt zu haben.
Den größten Anteil der in Tschechien durchgeführten Eingriffe hat mit rund 80 Prozent das Fettabsaugen. Es folgen Brustveränderungen und Facelifting. Immer beliebter werden auch in Tschechien Behandlungen mit Botox, um das Gesicht zu straffen: ein kleiner Eingriff, der allerdings zu Komplikationen führen kann.
Nach Angaben der Organisation Public Citizen endeten zwischen 1997 und 2006 von 658 Botox-Behandlungen 16 tödlich. Auch andere Operationen sind mit einem gewissen Risiko behaftet. Man sollte sich vorher nicht nur gut informieren, sondern auch Geduld mitbringen, meint die Leiterin von Laser Esthetic, Jitka Cíchová: „Jeder reagiert nach einer Operation anders, bei jedem verheilen die Wunden unterschiedlich.“
Unterschiedlich sind auch die Preise, die je nach Aufwand variieren. Generell sind Schönheitsoperationen in Tschechien jedoch zwischen 30 und 50 Prozent billiger als in Deutschland.
„Eine Brustoperation kostet bei uns zwischen 50 000 und 70 000 Kronen und ist daher der teuerste Eingriff. Billiger ist das Fettabsaugen, für das wir zwischen 20 000 und 40 000 Kronen verlangen“, erklärt Kufa von der Perfect Clinic. Für das Facelifting muss man etwa zwischen 30 000 und 45 000 Kronen bezahlen. Sprachbarrieren sollte es keine geben: Die meisten plastischen Chirurgen in Tschechien sprechen Deutsch.
Von Bernd Rudolf